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Bauausschuss diskutiert erneut über Barrierefreiheit an der Stadthalle – zwei weitere Varianten präsentiert

Treppen-Entscheidung vertagt

Lübbecke (fn). Nachdem es im März Diskussionen um den Architektenvorschlag zur Neugestaltung der Stadthallen-Treppe gegeben hatte, hat Dezernent Dirk Raddy nun zwei weitere Varianten sowie Kostenschätzungen präsentiert. In der Bauausschusssitzung am Mittwoch ließ Raddy keinen Zweifel daran, dass er den ursprünglichen Vorschlag aber für gelungen hält: Das Treppen-Konzept mit einer Rampe und Sitzmöglichkeiten vereine Barrierefreiheit mit einer gestalterischen Aufwertung der Stadthalle.

Was wird aus der maroden Treppe? Die Politik diskutiert weiter. Foto: Kai Wessel

Wie Raddy ausführte, sei auch geprüft worden, ob diese neue Treppe eine Beeinträchtigung für den Verkehr oder Notfälle darstelle. Dies sei nicht der Fall. Mit Kosten von 230.000 Euro würde der Bau etwa 10 bis 15 Prozent über dem veranschlagten Betrag von 200.000 Euro liegen. Es bestehe aber Einsparpotenzial über mehrere zehntausend Euro etwa bei Pflanzkübeln oder dem Schriftzug »Stadthalle«.

Bösch revidiert Aussage

Eine zweite Variante, ebenfalls von Architekt Michael Schöllhammer, verzichtet auf die Rampe, sieht in der Treppe drei Kojen vor: Plätze mit Baum und Sitzgelegenheiten. Kostenpunkt 150.000 Euro.

Die von Raddy außerdem noch vorgestellte »Variante null« sieht lediglich eine Sanierung der Stufen vor, was etwa 80 bis 85.000 Euro kosten würde.

In der Diskussion im März war viel an dem Entwurf mit Rampe kritisiert worden. Unter anderem Ausschussvorsitzender Günter Bösch (SPD) bezweifelte, dass eine aufwendige Rampe notwendig sei, da schon im Süden der Halle ein behindertengerechter Zugang bestehe. Jetzt revidierte Bösch seine Aussage. »Ich bin nach einigen Ortsbesichtigungen zu der Überzeugung gekommen, dass wir auch an dieser Stelle Barrierefreiheit brauchen.« Auch wenn es derzeit keine gesetzliche Verpflichtung für eine Barrierefreiheit an der großen Treppe gäbe, erinnerte Bösch doch auch daran, dass die Stadt an diversen Schulen teuer mit Aufzügen oder Aufgängen habe nachrüsten müssen.

Weitere Beratung in den Fraktionen

Georg Haering (Grüne) unterstützte diese Position: »Es macht an der Stadthalle immer noch den Eindruck, als wenn die Behinderten durch den Hintereingang müssten.« Und Günther Niedringhaus, als Seniorenvertreter im Ausschuss, verwies darauf, dass an die vielen Nutzer von Rollatoren gedacht werden sollte, die vom Parkplatz aus in die Halle wollten. »Auf dem Marktplatz haben wir mit viel Geld und Engagement eine Treppe mit barrierefreiem Aufgang geschaffen«, fügte er an.

Aber es gab erneut auch Stimmen in der Sitzung, die sich aus Kostengründen nicht ohne weitere Beratung für die Rampen-Variante aussprechen wollten – parteiübergreifend. Hans-Dieter Rose von der Lk-Fraktion wollte zudem abwarten, welches Nutzungskonzept für die Halle entwickelt würde, bevor man mit der Treppe Fakten schaffe.

Man einigte sich auf eine weitere Beratung in den Fraktionen. Bürgermeister Frank Haberbosch gab dazu etwas mit auf den Weg: »Die erste Entscheidung, die getroffen werden muss, lautet: Wollen wir die Barrierefreiheit oder nicht.«

Kommentar

Alle Achtung, Herr Bösch! Der Vorsitzende des Bauausschusses hatte noch im März eine Barrierefreiheit an der großen Treppe für überflüssig gehalten. Ziemlich unverständlich, denn bei anderen Bauprojekten wird viel an ältere und gehbehinderte Menschen gedacht – siehe Marktplatztreppe. Barrierefreiheit im Blick zu haben, soll ja auch eine der Aufgaben des neuen Behindertenbeirates der Stadt sein. Nun die Meinungsänderung von Günter Bösch, schnörkellos vorgetragen. Das nötigt Respekt ab. Friederike Niemeyer

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