1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Lübbecke
  6. >
  7. Vielen Studio-Betreibern geht die Puste aus

  8. >

Lübbeckerin Gabi Hagemeier kennt die Existenzängste der Fitness-Branche

Vielen Studio-Betreibern geht die Puste aus

Lübbecke (WB)

„Diesmal ist es trauriger“, sagt Gabi Hagemeier. Die Betreiberin dreier Fitnessstudios in Lübbecke, Espelkamp und Hille ist nach dem Frühjahr derzeit erneut zur Untätigkeit verdammt.

Friederike Niemeyer

Das Lifestyle-Fitnessstudio von Gabi Hagemeier ist in Lübbecke so etwas wie eine Institution. Die 63-Jährige hofft auf die Möglichkeit, bald wieder eröffnen zu können. Sie weiß um die Existenzsorgen in ihrer Branche und sieht die Falschen betroffen. Foto: Ria Stübing

Auch über die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmenhinaus ist sie pessimistisch. „Die Hoffnung, bald wieder aufzumachen ist gering.“ Die Situation für viele Studiobetreiber werde langsam existenzbedrohend, sagt Hagemeier. Sie beklagt, dass vor allem auf die Not der Gastronomie geschaut werde, nicht aber auf ihre Branche.

Während des ersten Lockdowns habe sie noch mit ihrem Mann renoviert, erzählt die 63-Jährige. Dann hätten sie und ihre 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich auf die Wiedereröffnung unter Corona-Bedingungen vorbereitet. Alles habe sich eingespielt. Doch die Schließung jetzt treffe viele in der Branche sehr hart, auch wenn es die Corona-Hilfen vom Staat und Kurzarbeitergeld gebe. Sie sei über die Sozialen Medien in einer Gruppe von 4000 Kollegen in Deutschland. Und dort würden jetzt die „Verkaufe Studio-Inventar“-Meldungen häufiger. Sie selbst sei jetzt 34 Jahre selbstständig und habe Rücklagen, aber ewig ginge das auch nicht weiter.

Traurig sei die Schließung der Studios auch für die Mitglieder und die Teilnehmer der Reha-Sport-Angebote, die sich jetzt größtenteils allein fit halten müssen. Aber, so berichtet Gabi Hagemeier, noch am letzten Öffnungstag, 1. November, habe sie an alle interessierten Mitglieder Kleingeräte wie Hanteln und Stangen verliehen. Und einige Honorartrainer würden Kurse online weiterführen. „Aber gerade die Zielgruppe Ü60 hat oft nicht die nötigen technischen Voraussetzungen und Kenntnisse dazu“, sagt Hagemeier. Sie sorgt sich um einen langen Winter ohne ausreichend Sport – eigentlich ja ein wichtiger Faktor zur Prävention.

Und angesichts der nicht nachhaltig sinkenden Infektionszahlen fragt sich Gabi Hagemeier: „Hat die Regierung die Falschen geschlossen?“ Ihrer Einschätzung nach sollten nicht solche Geschäftszweige dicht gemacht werden, in denen es kaum nachgewiesene Infektionen gebe. Vielmehr sollte sich der Staat um den Schutz derjenigen kümmern, deren Leben bei einer Covid-19-Infektion auf dem Spiel stehen würde: Menschen ab einem gewissen Alter, Menschen mit Vorerkrankungen oder schwachem Immunsystem. Eine Meinung, die auch viele Gastronomen und Kulturschaffende teilen. „Es hat uns als Gesundheitsanbieter genauso zu Unrecht erwischt, wie Vereine oder die Volkshochschule“, ist Gabi Hagemeier überzeugt.

Startseite
ANZEIGE