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Lea Rausch aus Blasheim forscht als Mikropaläontologin am Schwarzen Meer

Von den kleinsten Überresten lernen

Lübbecke/Bukarest (WB). Der Heimaturlaub in Lübbecke ist gerade beendet. Lea Rausch ist wieder zurück in Bukarest. Die Arbeit ruft – genauer gesagt die Mikrofossilien. Denn die untersucht die 31-Jährige seit 2016 für ein EU Horizon 2020 Projekt.

Viola Willmann

Lea Rausch aus Blasheim ist als Mikropaläontologin schon viel gereist und hat sich an verschiedenen Orten mit Fossilien beschäftigt. Auf Sizilien ist sie beispielsweise vor einem Boden-Aufschluss während Feldarbeiten dabei gewesen. Foto:

Ihre Leidenschaft für diese versteinerten Reste von Tieren aus früheren Erdzeitaltern hat sich im Wiehengebirge entwickelt. Aufgewachsen in Blasheim, hat sie bereits im Kindesalter bei Spaziergängen dort Fossilien gesammelt. Eine besondere Muschel war dann der Auslöser der Faszination. „Dass da, wo jetzt Lübbecke ist, mal ein Meer war, fand ich als Kind schon spannend. Ich habe mir immer vorgestellt, wie ich mit der Muschel auf dem Grund des Meeres stehe. Der Wandel der Erdgeschichte ist faszinierend“, erzählt Lea Rausch.

Zwar ruhte die Leidenschaft für Fossilien ihre Jugend über, zur Berufswahl kam sie aber wieder hervor. Lea Rausch entschied sich für ein Studium der Geowissenschaften in Göttingen, spezialisierte sich später auf die Mikropaläontologie. Während die Paläontologie vielen von den Dinosauriern ein Begriff sein dürfte, beschäftigt sich Lea Rausch mit kleinsten Fossilien von Mikroorganismen. „Die liefern uns viel mehr Informationen und wir können die Umweltbedingungen von vor 200 bis 300 Millionen Jahren rekonstruieren“, sagt Lea Rausch, die einen Großteil ihrer Arbeitszeit am Mikroskop verbringt.

Im Februar arbeitet sie in Wales

Nach dem Studium arbeitete sie für ein paar Jahre für die Deutsche Erdöl AG, lernte so die „andere Seite“ kennen, die Industrie. Mit Hilfe des Gesteins, dass bei den Bohrungen nach oben befördert wird, datierte sie Sedimentschichten und half so, sich bei der Suche nach Öl 4000 Meter unter Tage zurecht zu finden.

2016 bekam sie eine Stelle in einem Forschungsprojekt der Horizon 2020 Initiative der EU. Gemeinsam mit 15 Nachwuchswissenschaftlern aus aller Herren Länder untersuchte sie, wie sich die Landschaft am Schwarzen und am Kaspischen Meer in den letzten fünf Millionen Jahren verändert hat. Dabei ging es fast im Monatsrhythmus mal nach hier hin, mal nach dort hin.

Viel unterwegs war Lea Rausch die vergangenen drei Jahre. Im Februar verschlägt es sie nach Wales, wo sie erneut für die Öl- und Gasindustrie arbeiten wird. Noch bis Ende des Monats lebt sie in Bukarest, einer „lauten Stadt“, wie sie sagt. „Hier wurde gerade 30 Jahre Revolution gefeiert, das Land hat ein ungemeines Wachstum. Rumänien ist zwar einer der ärmsten Mitgliedsstaaten der EU, aber man spürt den Stolz der Einwohner, ein Teil der EU zu sein“, berichtet Lea Rausch. In Wales hilft sie bei der Suche und Produktion von Kohlenwasserstoffen. „Ich glaube, dass wir nach wie vor, bis Alternativen verfügbar sind, sehr abhängig von Öl und Gas sind“, sagt die 31-Jährige. Auch wenn sie wieder die „Seiten wechselt“ und für die Industrie arbeitet, „mein Plan B ist die Wissenschaft“.

Zeugen der Vergangenheit

Das Artensterben im Schwarzen- und Kaspischen Meer ist ein Musterbeispiel für eine entstehende Biodiversitätskrise. Obwohl die Region auf eine dynamische Geschichte zurückblickt, zeigt das Beispiel des fast vollständig verschwunden Aralsees, dass die übermäßige Entnahme von Wasser, zu einem Verschwinden vieler Arten geführt hat.

Hinzu kommt, dass viele Lebewesen im Pontokaspischen Raum ausschließlich dort vorkommen. Grund dafür ist, dass die Region innerhalb der vergangenen fünf Millionen Jahre von tiefgreifenden geologischen und ökologischen Veränderungen geprägt wurde und sich das Ökosystem an die besonderen Lebensumstände angepasst hat. Kleine Muschelkrebse (Ostrakoden), welche auf diesem Planeten schon seit mehr als 500 Millionen Jahren durch Fossilien belegt sind, dienen als Archive der Erdgeschichte. Sie gehören zu den am häufigsten vorkommenden Mikrofossilien und besiedeln auch heute noch eine Vielzahl von unterschiedlichen Habitaten. Diese einzigartige Vielfalt kann genutzt werden, um frühere Umweltbedingungen in der Pontokaspischen Region zu rekonstruieren.

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