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Islam-Vortrag im Rahmen des Projektes »NRWeltoffen« in Lübbecke

Vorurteile fernab der Realität

Lübbecke(WB). »Der Islam ist gewalttätiger als andere Religionen«, »Der Islam ist mit der Demokratie nicht vereinbar«, »Im Islam werden die Frauen unterdrückt« – die Liste an Vorurteilen gegenüber dem Islam ist lang. Mit der Realität habe dies jedoch wenig zu tun, sagt Franziska Madmouj.

Der Koran hat viele unterschiedliche Auslegungen und Lesarten. In einem Vortrag hat Diplom-Sozialarbeiterin Franziska Madmouj versucht, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Foto: dpa

Sie ist Diplom-Sozialarbeiterin und Masterstudentin im Fach Kulturanalysen an der Universität Oldenburg. In ihrem Vortrag »Der Mythos von Muslim als homogene Gruppierung« im Mehrgenerationenhaus in Lübbecke klärte sie über weit verbreitete Irrtümer und Vorurteile über den Islam auf. Der Vortrag war Teil einer Veranstaltungsreihe zum Thema »Religiöse Vielfalt« im Rahmen des Projektes »NRWeltoffen« des Kreises Minden-Lübbecke.

Auch der Islam hat viele verschiedene Glaubensausrichtungen

Ähnlich wie das Christentum habe auch der Islam viele verschiedene Glaubensausrichtungen und unterschiedliche Strömungen. Islamische Gelehrte streiten seit Tausenden von Jahren über die richtige Übersetzung und die richtige Auslegung des Koran – dementsprechend viele Interpretation innerhalb des Islam gebe es heute, sagt Madmouj.

Irritiert sei sie aber vor allem, wenn Leute sagen, dass Muslime gewalttätiger als Nicht-Muslime seien. Das Gewaltpotenzial eines Menschen lasse sich nicht anhand seiner Religion erkennen. Die Gründe für eine kriminelle Tat seien vielfältig. »Jemand wird doch nicht deshalb kriminell, weil er Muslim ist.« Ebenso vielfältig seien auch die Gründe für die verschiedenen Konflikte in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Diese alleine anhand der Religion erklären zu wollen, sei zu eindimensional gedacht.

Islamexperte Eberhard Helling moderierte die Veranstaltung

Moderator der Veranstaltung war der Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen und Islamexperte Eberhard Helling. Er ist seit 1993 Islambeauftragter im Kirchenkreis Lübbecke und seit 2001 im geschäftsführenden Vorstand der Islambeauftragten der Evangelischen Landeskirche. 2009/2010 war er hauptamtlich im Landeskirchenamt für den christlich-islamischen Dialog zuständig. Im Anschluss an den Vortrag gab er dem Publikum viel Raum für Nachfragen und Diskussion. Einer der Zuschauer berichtete, dass er und seine Frau eine syrische Familie bei sich zu Hause aufgenommen hätten. »Wenn man seine Haustür öffnet, öffnet sich auch der Horizont«, sagt er.

Eine weitere Zuhörerin sagte, sie habe das Gefühl gehabt, Madmouj referiere über das Christentum, als sie von den unterschiedlichen Übersetzungen und Auslegungen sprach. »Im Christentum ist man sich auch nicht einig, wie die Bibel gelesen werden sollte und welche Auslegung die richtige ist. Warum sollte es im Islam anders sein?«

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