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Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung referiert über »digitale Bildungsrevolution«

»Wandel des Lernens noch am Anfang«

Lübbecke (WB). Whiteboards statt Wandtafeln und Unterricht mit dem Laptop – das digitale Zeitalter hat längst Einzug in deutsche Schulen gehalten. Dabei stehe der Wandel des Lernens hier gerade erst am Anfang, sagt Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung.

Cornelia Müller

Dr. Jörg Dräger (2. von links) referierte über die Chancen der Digitalisierung im Bildungsbereich – auf Einladung von Wirtschaftsförderer Claus Buschmann (links). Zuhörer waren auch Schulleiter Eberhard Hagemeier und Bürgermeister Frank Haberbosch (rechts). Foto: Cornelia Müller

Auf Einladung von Wirtschaftsförderer Claus Buschmann war der Bildungsspezialist am Montag in Lübbecke zu Gast, um im Rahmen des 38. Wirtschaftskreises einen Vortrag über die »digitale Bildungsrevolution« zu halten.

Internet unverzichtbarer Bestandteil der Vorbereitung

Am Veranstaltungsort, dem Wittekind-Gymnasium, sei das Internet unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der Vorbereitung der Schüler für das Studium, sondern auch für den Beruf, bestätigte Schulleiter Eberhard Hagemeier. Europaweit durchgeführte Projekte, an denen sich die Schule beteilige (zum Beispiel das Erasmus-Plus-Projekt »LIFE«) seien ohne Kommunikation via Internet gar nicht möglich.

Die Digitalisierung der Bildung gehe aber in anderen Teilen der Welt bereits sehr viel weiter, erläuterte Dräger. Denn die Masse der Studenten, die Heterogenität der Bildungsverläufe und die jedes Budget sprengenden Kosten stellten das »analoge« Bildungssystem vor Herausforderungen, an denen es auf Dauer scheitern werde.

Digitalisierung bietet Chancen

An vier ausgewählten Beispielen machte Dräger deutlich, welche Chancen die Digitalisierung biete. 1. Demokratisierung der Bildung: Online-Universitäten entwickelten sich bereits zur echten Alternative zu teuren Hochschulen und ermöglichten den Zugang zum Studium unabhängig vom finanziellen Hintergrund. 2. Personalisierung der Bildung: Jeder lerne in seinem Tempo, auf seine Weise. Das jetzige Bildungssystem stoße bei einer hohen Anzahl von Schülern hier schnell an seine Grenzen, weil es gar nicht genügend Lehrkräfte gebe. 3. Orientierung im Bildungsdschungel: Mit Hilfe einer Software ließen sich individuelle Profile erstellen, die das Studienverhalten steuern und den Studierenden erfolgversprechende Studiengänge, Kursangebote etc. vorschlagen. »Mittels Big Data wissen die Studenten, was sie tun beziehungsweise erreichen können.« 4. »Matching« per Algorithmus: Über spezielle Apps lasse sich schon jetzt spielerisch die Eignung von Bewerbern für bestimmte Aufgaben und Berufe feststellen.

»Das Lernen wird gläsern«

Die vielleicht größte Chance der Digitalisierung sei, dass sich Pädagogen wieder mehr auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren und »nicht einen Stoff, sondern Schüler« unterrichten könnten. Die größte Gefahr: »Das Lernen wird gläsern. Die Daten lassen sich auch für anderes gebrauchen und missbrauchen.«

In jedem Fall müsse nicht nur die Infrastruktur, sondern auch der politisch-rechtliche Rahmen modernisiert werden. Die digitale Bildungsrevolution sei kein Tsunami, der mit dem Untergang des Humboldtschen Bildungsideals gleichzusetzen sei. »Man kann die Welle surfen«, versprach Dräger. »Humboldt hätte die Welle gesurft.«

Ein Video des Vortrags ist unter der Adresse https://www.facebook.com/LuebbeckeMarketing abrufbar.

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