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Bürgerinitiative will auf dem Lübbecker Gänsemarkt Raum für Mobilität der Zukunft schaffen

„Wir brauchen einen separaten ZOB“

Lübbecke (WB). Die Bürgerinitiative „pro ZOB“ sieht keinen Zeitdruck durch den anstehenden Baubeginn rund um das Westertor-Einkaufszentrum. Das geplante Bürgerbegehren für einen neuen ZOB am Gänsemarkt, der diesen Namen aus Sicht der Initiative auch verdient, wollen die Aktiven durchziehen. Auch wenn am Niederwall möglicherweise schon Fakten geschaffen wurden und der beschlossene Ersatz-ZOB dort schon gebaut wurde. „Das sind Haltestellen. Wir brauchen für Lübbecke einen separaten ZOB“, sagt Uwe Hartmeier vom Sprecherkreis der Bürgerinitiative.

Friederike Niemeyer

Der Parkplatz Gänsemarkt ist zu den Geschäftszeiten (wochentags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr) kostenpflichtig, aber auch sehr gut frequentiert. Das zentral gelegene Grundstück könnte neuer ZOB werden, schlägt die Bürgerinitiative „pro ZOB“ vor. Foto: Friederike Niemeyer

Wie berichtet (WB vom 20. Mai) hält die Bürgerinitiative auch nach dem neuerlichen Ratsbeschluss zum Westertor und den damit verbundenen Folgen für den ZOB am Papendiek an ihren Plänen fest, die Bürger zu einem möglichen Alternativstandort Gänsemarkt zu befragen . Die Stadtverwaltung hat bereits ermittelt, dass dieses Bauprojekt etwa 3,8 Millionen Euro kosten würde (inklusive Verlust durch wegfallende Parkgebühren).

Mehrheit hat entschieden

Man akzeptiere die Ratsentscheidung und werde auch nicht dagegen einen Bürgerentscheid anstrengen, versicherten die Sprecher der Initiative jetzt in einem Pressegespräch. Dies sei auch gar nicht zulässig, weil Paragraf 26 der Gemeindeordnung Bürgerentscheide gegen Bauleitverfahren nicht erlaube, erläuterte Uwe Hartmeier. Insofern sei auch eine Äußerung des Bürgermeisters, der sich verwundert darüber gezeigt hatte, dass die Bürgerinitiative nicht gegen den Beschluss zum ZOB am Niederwall vorgehen wolle, sehr ärgerlich gewesen, so Hartmeier. „Wir dürfen und wir wollen nicht gegen die aktuelle Planung vorgehen“, sagt er. Die politische Mehrheit habe nun einmal so entschieden. Und Christiane Brune-Wiemer ergänzt: „Wir vermissen nur, dass niemand in den vergangenen Jahren hinterfragt hat, ob dieses vor vielen Jahren auf den Weg gebrachte Projekt so noch richtig ist.“

Wann die Bürgerinitiative „pro ZOB“ beginnt, mit ihrer Fragestellung zum Projekt „ZOB auf dem Gänsemarkt“ Unterschriften zu sammeln – mindestens 1700 sind notwendig, damit im Anschluss die Bürger entscheiden dürfen – ist aber noch unklar. Durch das Versammlungsverbot im Zuge der Corona-Krise sei die Initiative noch nicht ausreichend in der Lage gewesen, mit den gut 60 Mitgliedern sowie der Schar an Unterstützern das weitere Vorgehen zu diskutieren. Denn, so räumen es die Sprecher ein, wie viele Bürgerinnen und Bürgern sich noch engagieren wollen, obwohl es nun nicht mehr auch gegen das Westertor-Projekt gehe, sei schwer abzuschätzen. Auch sei es schwierig, jetzt mit Infoständen auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Gleichwohl seien die wichtigsten Vorarbeiten für den Beginn der Kampagne geleistet.

„Dickes Brett“

Der Sprecherkreis, bestehend aus Christiane Brune-Wiemer, Jonathan Sanke und Uwe Hartmeier, ist sich aber einig, den Öffentlichen Personennahverkehr in Lübbecke stärken zu wollen, gerade auch mit Blick auf die Klimakrise. Lübbecke brauche ein umfassendes ÖPNV-Konzept, sagt Uwe Hartmeier. „Das wird ein dickes Brett, aber wir müssen jetzt anfangen zu bohren“, sagt er. Leider verschlechtere die Stadt jetzt mit dem Verzicht auf einen wirklichen, weil vom fließenden Verkehr getrennten, Busbahnhof die dafür notwendige Infrastruktur. Lübbecke sei nach wie vor ein Verknüpfungspunkt für die meisten Buslinien im Altkreis. Dass sich der Lübbecker Schülerverkehr an andere Haltepunkte verlagere, sei nicht entscheidend, sagt Hartmeier. Er ist überzeugt: Schafft die Stadt ein besseres Angebot an öffentlichem Verkehr – enger getaktet, bessere Linien –, werde dies auch mehr Fahrgäste anziehen. Als Beispiele nennt Hartmeier die Städte Lemgo und Herford sowie den vor Jahren schon einmal fast eingeschlafenen Bahnverkehr auf der Linie Rahden-Bielefeld, der wiederbelebt werden konnte. Würden mehr Anreize zum Umstieg auf Rad und Bus gesetzt, würde sich auch die Parksituation in der Innenstadt entspannen, so die Initiative. Die 140 Plätze auf dem Gänsemarkt wären nicht mehr notwendig.

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