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120 Gegner der ZOB-Verlegung demonstrieren in der Innenstadt für Erhalt der Bäume

»Wir wollen erkennbar sein«

Lübbecke (WB). Auf den ersten Blick geht es um einige wenige Bäume, die den Planungen für ein Einkaufszentrum mit entsprechenden Parkflächen weichen müssen. Die Organisatoren einer ersten Demonstration gegen die Verlegung des Busbahnhofs (ZOB) haben jedoch deutlich gemacht, dass es in der Debatte um mehr geht als den Baum- und Klimaschutz.

Silke Birkemeyer

Mit etwa 120 Teilnehmer bewegt sich der Demonstrationszug durch die Lübbecker Innenstadt. Vom Burgmannshof aus ging es durch die Fußgängerzone und schließlich zum evangelischen Gemeindehaus, wo Jonathan Sanke eine Abschlussrunde moderierte. Foto: Silke Birkemeyer

»Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Bäume klaut« schallte es am Samstag in Abwandlung des Fridays-for-Future-Rufs durch die Lübbecker Fußgängerzone – begleitet von kurzen Pfeifkonzerten. 120 Bürger und Bürgerinnen hatten sich zuvor am Burgmannshof getroffen. Jonathan Sanke stellte dort zur Begrüßung fünf Thesen vor und skizzierte damit die Reichweite der Planungen zur Umgestaltung des jetzigen ZOB. Er bemängelte, dass die aktuellen Planungen sich lediglich auf Aspekte wie Einkaufsmöglichkeiten oder Autoverkehr fokussierten und Themen wie Nachhaltigkeit oder Gefährdungspotenziale nicht ausreichend Berücksichtigung fänden.

»Bäume sind wichtig für das innerstädtische Luftklima«

Immer wieder bekam der 17-jährige Gymnasiast Beifall für seine Sachdarstellung. Einige Bürger nutzten das Forum, um spontan ihre Einwände am Mikrofon zu artikulieren – auch für diese Beiträge gab es Beifall. Wer Informationsbedarf hatte, konnte sich vor Ort zum Beispiel bei Dr. Sandra Feldner, einer engagierten Anwohnerin, über die Details der Auswirkungen informieren, sich in eine Mail-Liste eintragen lassen und eine Unterschrift gegen die Planungen leisten. Sie erläuterte den Gästen die Bedeutung des Altbestandes der Bäume als CO2- Verwerter und Sauerstoffproduzenten und kritisierte, dass am ZOB jetzt sieben der ehemals zehn geschützten Bäume gefällt werden sollen. »Diese Bäume sind wichtig für das innerstädtische Luftklima«, sagte sie auch zu Hans Laßke, der sich bei ihr in die vorbereiteten Listen eintrug.

Mitorganisator Eberhard Helling nutzte die Gelegenheit, die »Hausregeln« zu erläutern und wünschte sich für die Zukunft einen konstruktiven Dialog mit der Stadt und den Entscheidern. Seine Forderung nach Transparenz im Entscheidungsprozess begrüßten die Gäste. Mit dem Gang durch die Innenstadt wolle man das Thema in das Bewusstsein holen und nach Alternativen suchen.

Podiumsdiskussion am 22. Oktober

Begleitet durch vier Polizeikräfte und angeführt durch eigene Ordner und Plakatträger zog der Demonstrationszug durch die Fußgängerzone, verteilte Flyer für eine Podiumsdiskussion am 22. Oktober im Alten Amtsgericht und nahm dann Kurs über den Niederwall auf den ZOB. Schwarze Trauerbänder an den Bäumen und kleine Plakate mit Kreuzen bildeten die Kulisse für den kurzen Rundgang am Busbahnhof.

Manfred Schmidt, ehemaliger Immobilienmakler und Anwohner, nutzte die Gelegenheit, um eigene Pläne anzukündigen. Er sei kein Architekt, wisse aber um die Lebenszyklen von Immobilien und habe darum Standortideen entwickelt, die ebenfalls am 22. Oktober vorgestellt werden sollen. »Und da müssen keine Bäume gefällt werden.«

Weitere Aktionen geplant

Eberhard Helling verwies anschließend auf die nächsten Aktionen. So werde es neben der Podiumsdiskussion mit dem Bürgermeister, örtlichen Politikern und Vertretern von VCD Minden-Lübbecke in kurzen Abständen weitere Demonstrationszüge entlang der bekannten Strecke geben. »Wir wollen erkennbar sein«, sagte Helling und brachte auch die Veranstaltung von Bündnis 90/ Die Grünen am 30. Oktober zum Thema Klimapolitik ins Gespräch.

Schließlich machten sich die Teilnehmer wieder auf den Rückweg, um anschließend im Andreas-Gemeindehaus das Anliegen der Kritiker zu formulieren und Gedanken zur verkehrspolitischen Situation zu sammeln. Die weiteren Termine im regelmäßigen Rhythmus seien ein Zeichen dafür, dass man dranbleiben wolle, sagte Helling und appellierte an die Teilnehmer, weitere interessierte Bürger anzusprechen. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle. Weitere Termine für Demonstrationen sind am 26. Oktober, 16. November und 7. Dezember.

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