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Talentschmiede für Jugendliche mit Migrationsgeschichte

Wittekind-Schülerin ist Stipendiatin

Lübbecke

Lidia Wronna hat ein Stipendium der Start-Stiftung erhalten. Die Stiftung fördert talentierte Jugendliche.

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Wittekind-Schülerin Lidia Wronna freut sich über die Förderung durch die START-Stiftung – der Pullover zeigt deren Logo. Foto: Ina Härtel

„Wir gewinnen, fördern und begleiten talentierte Jugendliche, denen die Zukunft unserer Demokratie am Herzen liegt. Wir bringen diese Menschen zusammen und so Persönlichkeiten hervor, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.“ So formuliert die „START“-Stiftung das Ziel ihres Programms, mit dem sie seit 18 Jahren Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund auf ihrem Bildungsweg unterstützt.

„Genau das Richtige für mich“, dachte Lidia-Jessica Wronna, Schülerin der Stufe EF am Wittekind-Gymnasium. Als sie durch ihre Klassenlehrerin Carmen Büschenfeld auf das Programm aufmerksam gemacht wurde, zögerte sie nicht, sich zu bewerben.

Bei der Online-Bewerbung beantwortete sie Fragen zu ihrer Person und zu ihrer familiären Situation, verfasste ein umfängliches Motivationsschreiben, absolvierte erfolgreich einen Test zum logischen Denken und zur Auffassungsgabe und sammelte Empfehlungsschreiben, die ihre Qualifikation für das Programm unterstützten. Gründe für Lidias Eignung zu finden, war nicht schwierig: Neben hervorragenden Schulnoten zeigt Lidia großes Engagement im Care-Projekt des Wittekind-Gymnasiums, in dessen Rahmen sie an internationalen Konferenzen zu sozialen Themen teilnimmt – in englischer Sprache.

Auch außerhalb der Schule nutzt Lidia ihre hervorragenden Englischkenntnisse: Neu ankommenden Flüchtlingen erklärt sie die zahlreichen Behördenpapiere, die in der ersten Zeit auf sie zukommen. Manchmal nutzt Lidia dabei auch Tigrinya, die Sprache ihrer Mutter, die als junge Erwachsene aus Eritrea nach Deutschland kam. Lidias Vater kommt gebürtig aus Polen, aber seine Muttersprache beherrscht Lidia nicht aktiv. Sie hört nur zu, wenn Verwandte sich auf Polnisch unterhalten.

Lidias Bewerbung war erfolgreich: Sie wurde zu einem Auswahlgespräch eingeladen und überzeugte auch dort. Als eine von 500 jungen Menschen wurde sie in diesem Schuljahr als Stipendiatin in die Start-Stiftung aufgenommen.

Natürlich freut sie sich sehr über die finanzielle Unterstützung, die sie seitdem monatlich erhält. Das „Bildungsgeld“ von 1000 Euro pro Jahr können die Stipendiaten für alles verwenden, was ihre Bildung fördert: Das kann der Beitrag für die Musikschule sein, Fahrtkosten, Sprachkurse und natürlich Schulmaterialien und Bücher. Zu Beginn des Stipendiums erhalten alle außerdem ein Notebook. Die Stiftung fördert die ausgewählten jungen Leute für drei Jahre.

Lidia will ihr Bildungsgeld sparen: Sobald es die Situation erlaubt, möchte sie ihren Traum verwirklichen und eine Reise nach England oder vielleicht sogar nach Amerika unternehmen. Durch eine Schulfahrt nach London ist sie neugierig geworden und möchte gern Zeit im englischsprachigen Ausland verbringen, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen und Sehenswürdigkeiten und kulturelle Highlights zu besichtigen.

Aber die finanzielle Unterstützung ist für Lidia nicht das Wichtigste: „In das Start-Programm aufgenommen worden zu sein, bedeutet mir sehr viel. Ich freue mich sehr, die Möglichkeit bekommen zu haben, viele neue Menschen kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen, viel Neues zu erleben und zu lernen.“ Diese Möglichkeit bietet sich Lidia durch das umfassende Seminarprogramm, das den Kern der Förderung durch die Stiftung bildet. Im Sinne des Ziels, besonders talentierte junge Menschen zusammenzubringen, bietet Start ein vielseitiges Programm: Es gibt eintägige Veranstaltungen, Wochenendseminare oder mehrtägige Events in den Schulferien. Thematisch reicht das Angebot von gesellschaftspolitischen Fragen über geschichtliche Themen hin zu Kunst und Kultur. Mindestens zweimal im Jahr muss jeder Stipendiat an einem Seminar teilnehmen.

Leider konnte die Willkommensfeier für die diesjährigen Stipendiaten, die in Anwesenheit von Ministern im Landtag geplant war, aufgrund der aktuellen Einschränkungen nicht vorgenommen werden. Ein mehrtägiges Seminar in Hattingen konnte Lidia aber besuchen: Dort ging es um Fremdenfeindlichkeit und Menschenrechte aus historischer Perspektive und in der heutigen Zeit. Obwohl die Tage lang und fest mit Arbeitseinheiten verplant waren, hat Lidia dieses Seminar sehr genossen: Besonders hat ihr der persönliche Austausch mit anderen Stipendiaten gefallen, der bei einem weiteren Seminar, das per Videokonferenz abgehalten wurde, leider nicht so intensiv war. Daher hofft Lidia sehr, dass es bald wieder möglich sein wird, weitere Seminare zu spannenden Themen in Präsenz zu besuchen.

Weitere Informationen zur Start-Stiftung unter https://www.start-stiftung.de.

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