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Junge Lübbeckerin lebt ihre Leidenschaft für Cosplay – riesige Yu-Gi-Oh-Sammlung

Zu Hause in fantastischen Welten

Lübbecke (WB). Im »echten« Leben ist Marie Meister Auszubildende zur Tiermedizinischen Fachangestellten. Aber die 21-Jährige schlüpft noch in ganz andere Rollen. In ihrer Freizeit ist die junge Lübbeckerin Südseeprinzessin, Pharao oder geflügelte Kriegerin – aber besonders gern ist sie Yugi Muto, Held aus dem Fantasy-Universum von Yu-Gi-Oh.

Arndt Hoppe

Marie Meister hat einen eigenen Raum (43 Quadratmeter) für ihre Yu-Gi-Oh-Sammlung frei gehalten. Die 21-Jährige ist aber nicht nur Sammlerin, sondern auch Cosplayerin. Hier ist sie als Yugi Muto verkleidet, ihre Lieblingsfigur aus der Anime-Welt. Foto: Arndt Hoppe

Denn Marie Meister hat zwei Hobbys, in denen sie aufgeht: »Ich bin Cosplayerin und sammle Fanartikel von Yu-Gi-Oh.« Der Begriff »Cosplay« ist zusammengesetzt aus den englischen Worten für Kostüm (costume) und Spielen (play). Nicht umsonst gibt es einen englischen Begriff für diesen Zeitvertreib, denn Cosplay ist ein internationales Phänomen. Seit einigen Jahren findet Cosplay auch hierzulande immer mehr Anhänger.

Es gibt nichts, was es nicht gibt

»Ich bin zum Cosplay gekommen, als ich ein Archäologie-Studium in Marburg anfing«, erzählt Marie Meister. Dort lernte sie eine Mitstudentin kennen, die selbst Cosplay machte, und war schnell Feuer und Flamme. »Ein anderer Student hat mich gleichzeitig auf die Yu-Gi-Oh-Serie gebracht«, sagt sie. »Als Kind hatte ich einige Folgen des Anime-Zeichentrickfilms gesehen. Damals habe ich noch nicht einmal alle Folgen zu Ende geguckt.« Doch diesmal war alles ganz anders. Marie vertiefte sich in die Welt der japanischen Fantasy-Serie. Sie begann, sich für die Originalbücher zu interessieren und für alles, was an Fanartikeln zu haben ist. Vom Buch bis zur Spielkarte, von Puppen bis zu Schlüsselanhängern und von der Angelrute bis hin zum Haarshampoo gibt es nichts, was es nicht gibt. Bei Marie entwickelte sich eine wahre Sammelleidenschaft.

Bereits als sie vor wenigen Monaten das Studium abbrach und die Ausbildung in der Tierklinik in Preußisch Oldendorf begann, hatte sie eine stattliche Sammlung zusammengetragen. »Ich habe extra eine Wohnung gesucht, in der ich einen eigenen Raum dafür einrichten konnte«, sagt die 21-Jährige. »Beim Umzug hatte ich einen ganzen Transporter voll mit den Yu-Gi-Oh-Sachen. Ich sah aus wie ein Händler.«

Inzwischen hat Marie 1446 Sammelstücke zusammengetragen. »Ich gehe davon aus, dass ich die größte private Yu-Gi-Oh-Sammlung in Deutschland habe, vielleicht auch Europas«, sagt sie. Den Wert schätzt sie auf 10 000 Euro, auch wenn sie weit weniger bezahlt hat. »Einige Leute verschenken sogar Stücke, die sie nicht mehr brauchen.« Den ersten Band der Buchreihe habe sie auf diese Weise über Ebay-Kleinanzeigen erstanden. »In der Community wissen viele, dass ich sammle und informieren mich über interessante Funde.«

Als geflügelte sizilianische Kriegerin in Kassel

Die junge Lübbeckerin reist auch sehr gern. Dabei ist eines ihrer Wunschziele Japan. »Einerseits finde ich die Kultur faszinierend. Und zum anderen gibt es dort viel mehr Yu-Gi-Oh-Sammelobjekte. Die meisten bestelle ich heute schon aus Japan.«

Doch zunächst einmal ist Marie Meister weiter in Deutschland als Cosplayerin unterwegs. »Die Szene trifft sich oft auf Conventions, auch Cons genannt«, erklärt sie. Von diesen besucht Marie zehn und mehr pro Jahr. Was ihre Kostüme angeht, ist die Cosplayerin eine absolute Perfektionistin. An ihnen arbeitet sie manchmal Monate lang. »Für meinen Pharao habe ich extra ägyptischen Stoff besorgt. Es hat allein an Material mehr als 1000 Euro gekostet.« Seit einiger Zeit arbeitet sie akribisch an einer Rüstung in Türkis und Weiß mit sizilianischer Maske. »Dazu gibt es keine Vorlage. Die Figur habe ich selbst erfunden.«

An diesem Wochenende fährt Marie Meister zur Connichi in Kassel – eine der größten und beliebtesten Cons. Sie freut sich, mit ihrem nagelneuen Kostüm in eine weitere Rolle zu schlüpfen: »Bei der Connichi bin ich eine geflügelte sizilianische Kriegerin.«

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