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Rihan Al Kabalan und Abdalhamad Alabdo aus Syrien arbeiten in der OGS in Lübbecke

Zwei außergewöhnliche Kollegen

Lübbecke (WB). Bei den Kindern der Offenen Ganztagsbetreuung (OGS) an der Grundschule Regenbogen sind Rihan Al Kabalan und Abdalhamad Alabdo sehr beliebt. Obwohl beide erst seit wenigen Jahren in Deutschland leben, sind sie im OGS-Alltag bereits voll integriert. Und auch bei den anderen Erziehern sind die beiden gern gesehene Kollegen. „Sie bereichern unser Team“, sagt die leitende Erzieherin Dorothee Brandt.

Freya Schlottmann

Dorothee Brandt, leitende Erzieherin der OGS an der Grundschule Regenbogen (Mitte), ist froh darüber, Rihan Al Kabalan (links) und Abdalhamad Alabdo als Kollegen zu haben. Foto: Freya Schlottmann

Vor vier Jahren ist der 27-jährige Abdalhamad Alabdo nach Deutschland gekommen. Er ist wie viele andere vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. In Damaskus hat er bis zu seiner Flucht als Grundschullehrer gearbeitet. Vor allem die Mathematik gefällt ihm sehr.

„Eigentlich ist Damaskus eine schöne Stadt“

Rihan Al Kabalan hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen. „Eigentlich ist Damaskus eine schöne Stadt. Nach 2011 ist es allerdings eine Katastrophe geworden“, sagt die 31-Jährige. Für sie, ihren Mann und die gemeinsamen drei Söhne schien die Flucht deshalb ebenfalls der einzige Ausweg. Seit dreieinhalb Jahren lebt die Familie nun gemeinsam in Deutschland und seit zweieinhalb Jahren in Lübbecke.

Mittlerweile haben sowohl Abdalhamad Alabdo als auch Rihan Al Kabalan hier Fuß gefasst. Beide haben Deutsch gelernt und in der OGS der Grundschule Regenbogen eine Beschäftigung gefunden, die sie finanziell auf eigenen Beinen stehen lässt.

Zu verdanken haben sie das unter anderem Dorothee Brandt. „Ich habe zuerst in Stemwede bei der Volkshochschule Deutsch gelernt. Mein Lehrer dort hat dann den Kontakt zur OGS geknüpft und mich empfohlen“, erzählt Alabdo. Bei Dorothee Brandt ist diese Empfehlung des Deutschlehrers auf offene Ohren gestoßen: „Ich bin sehr weltoffen und froh, wenn andere uns bereichern können.“

Für die OGS, deren Träger die Parität für Kinder ist, ist die Anstellung eines Mitarbeiters mit syrischen Wurzeln eine Premiere gewesen. Durch die gegenseitige Unterstützung aller Mitarbeiter ist diese geglückt. „Am Anfang musste er sich zwar erst in unserem Arbeitsleben zurechtfinden. Alle Kollegen waren aber dafür und haben ihn unterstützt. Wir sind ein offenes und tolerantes Team und sehen die Stärken und Chancen, die jeder mit sich bringt“, sagt Dorothee Brandt.

Von der Spülhilfe zur Erzieherin

Deshalb war es für die Erzieher auch schnell klar, dass sie die Anfrage von Rihan Al Kabalan, die von sich aus bei der OGS nach einer Beschäftigung nachfragte, bejahen und ihr die ausgeschriebene Stelle als Küchenhilfe geben würden.

Zwei Jahre hat sie zunächst zehn Stunden pro Woche als Spülhilfe in der OGS gearbeitet, bevor ihr Dorothee Brandt dann mehr anbot. „Sie hat eine große pädagogische Kompetenz und kann eigentlich noch viel mehr“, sagt die Leiterin. Seit einiger Zeit unterstützt Rihan Al Kabalan deshalb die Erzieher genauso wie Abdalhamad Alabdo bei der Betreuung der 107 Kinder, die das Angebot der OGS tagtäglich nach der Schule nutzen.

Und dabei profitieren beide Seiten voneinander. Denn durch den täglichen Kontakt und den Austausch mit den Kindern und Kollegen verbessern die 31-Jährige und der 27-Jährige ihr Deutsch in Windeseile. Auf der anderen Seite können die beiden aber auch den Erziehern beim Kontakt mit arabisch sprechenden Eltern helfen und übersetzen. „Wir können dadurch viel einfacher mit den Eltern kommunizieren und auch sie unterstützen“, berichtet Dorothee Brandt.

Abdalhamad Alabdo will auch hier als Grundschullehrer arbeiten

Zudem helfen Rihan Al Kabalan und Abdalhamad Alabdo bei der Hausaufgabenbetreuung. „Beide können nämlich sehr gut rechnen“, sagt die leitende Erzieherin. Und in der Mathematik seien Sprachbarrieren leichter zu überwinden. Zudem tragen sie Verantwortung in der OGS: Der 27-jährige Alabdo hat beispielsweise bereits für einige Zeit vertretend die Leitung einer der vier Gruppen übernommen.

„Frau Brandt hat uns auch vorgeschlagen, eine eigene AG anzubieten“, berichtet der studierte Grundschullehrer. Deshalb bietet Rihan Al Kabalan jeden Mittwoch eine Koch-AG an, in der gelegentlich auch mal syrische Kleinigkeiten zubereitet werden. Abdalhamad Alabdo leitet indes die Mathematik-AG und hat im vergangenen Schuljahr auch schon eine Fußball-AG geleitet.

Für ihre Zukunft hoffen beide, dauerhaft in Deutschland leben zu dürfen. Die Grundsteine dafür haben sie durch ihre Arbeit in der OGS schon gelegt. Nur darauf ausruhen wollen sich Rihan Al Kabalan und Abdalhamad Alabdo aber nicht: Die 31-Jährige plant, eine Ausbildung zur Kinderpflegerin zu machen. Der 27-jährige Grundschullehrer hat für seinen syrischen Abschluss bereits den Bachelor anerkannt bekommen. Um auch hier als Lehrer arbeiten zu dürfen, muss er jedoch seinen Master und sein Referendariat nachholen. Voraussetzung für beide Berufswünsche ist aber, erst noch besser Deutsch zu lernen. Und da bleiben beide am Ball: „Ich versuche, mit meinen Kindern zu Hause so viel Deutsch wie möglich zu sprechen. Die beherrschen das nämlich schon sehr gut“, sagt Rihan Al Kabalan.

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