Veganer und Landwirte stehen sich am Lübbecker Firmengelände gegenüber

Zwei Demos vor Westfleisch-Gelände

Lübbecke (WB). „Stoppt den Profit auf Kosten der Tiere“ – so steht es in Großbuchstaben auf dem Schild, das eine junge Frau in die Höhe hält. Ihre Arme, Gesichtsmaske und Shirt sind blutverschmiert. Neben ihr zeigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fotos, Schilder und weitere Transparente, um aus ihrer Sicht auf das unnötige Leiden vieler Schlachttiere aufmerksam zu machen und an die Verantwortung der Menschen für den Lebensraum und seine Geschöpfe zu erinnern.

Peter Götz

„Stoppt den Profit auf Kosten der Tiere“ lautete eine der Forderungen die Veganer vor dem Westfleisch-Gelände in Lübbecke. Foto: Peter Götz

Vor dem Westfleisch-Gelände in Lübbecke sind am Samstag gleich zwei Gruppen von Demonstranten aufgezogen. Auf der einen Seite protestieren Veganer gegen das Töten von Tieren zum Zwecke des Fleischverzehrs. Einige Meter entfernt steht eine kleine Gruppe von Landwirten aus dem Zusammenschluss „Land schafft Verbindung“, vornehmlich aus Rahden und Stemwede.

Appetit auf Fleisch vergangen

Marco Rahnenführer, der schon seit über vier Jahren die Aktionen vor der Großschlachterei mitträgt, ist der Appetit auf Fleisch schon lange vergangen. „Die schnallen gar nicht, um was es geht“, erläutert der drahtige Mann mit der Pestmaske, der im Nachbardorf wohnt. „Ich weiß, wie die Tiere da drin leiden, das kann man riechen,“ beschreibt er seine Eindrücke vor Ort, und ärgert sich über die Gegendemonstranten, die in 200 Metern Entfernung spontan mit einem Trecker Stellung bezogen haben.

„Die stehen da zu fünft – normalerweise dürfen bis zu zwei Leute eine spontane Demo veranstalten. Das haben wir im Mai hier auch schon gemacht, wir hätten aber damals angeblich gegen das Versammlungsrecht verstoßen.“ Der Staatsschutz aus Bielefeld sei gekommen, die Geschichte sei dann zur Staatsanwaltschaft gegangen und schließlich eingestellt worden, „aber so etwas nervt natürlich. Und das nur, weil wir zu zweit ein Transparent hochgehalten haben“, macht Rahnenführer seinem Unmut Luft, während laut hupend ein Lkw vorbei fährt, „die schnallen eben wirklich nichts!“

Kontroverse Diskussionen

Eine direkte Begegnung von Vertretern beider Gruppen an der Straßenecke Berliner Straße/Jockweg, führt zu kontroversen Diskussionen, aber auf die Schnelle zu keinem greifbaren Konsens. Es bleibt jedoch friedlich, obwohl die Gemüter sich ganz schön erhitzen. Bei den Landwirten geht es ruhiger zu, hier hupt niemand, hier hält auch kein Polizei-Fahrzeug.

„Wir haben am Tag zuvor erfahren, dass eine Demo gegen Massentierhaltung und Tierschutz geplant sei, da haben wir uns spontan entschlossen zu kommen, weil wir das nicht unkommentiert so stehen lassen wollen. Sie werden hier keinen Landwirt finden, der etwas gegen den Tierschutz hat, im Gegenteil,“ sagt Niklas Hackemeier aus Rahden, der im Nebenerwerb Bullenmast betreibt. Im Nebenerwerb deshalb, weil auf Grund der Preise ein kostendeckendes Arbeiten für kleine Betriebe nicht möglich sei, „wir zahlen praktisch Eintritt im Stall, auch deshalb stehen wir hier und repräsentieren die Landwirte. Als Tönnies in Rheda-Wiedenbrück dicht machte , hatten wir noch in derselben Woche einen massiven Preisverfall.“

Damit reichen die Landwirte die imaginäre Rote Karte wieder zurück an den heimischen Fleischmarkt, an die politischen Entscheider, Lobbyisten und wer noch so alles dazugehört.

Als sie von der Veganer-Demo hörten, organisierte diese Gruppe von Landwirten spontan eine Gegendemo. Foto: Peter Götz
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