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Anwalt des Tatverdächtigen sagt, dass der Mann seine Medikamente vorher abgesetzt haben soll

Totschlag in Minden: Täter soll psychische Probleme gehabt haben

Minden (WB). Der 73-jährige Mann aus Minden, der am frühen Sonntagmorgen seine Ehefrau getötet haben soll , ist inzwischen dem Haftrichter vorgeführt worden. Er sitzt jetzt wegen des Vorwurfs des Totschlags in Bielefeld in Untersuchungshaft.

Stefan Lind

In diesem Haus in Minden soll der 73-Jährige am Sonntag seine Frau erstochen haben. Anschließend wählte er selber den Notruf. Der Anwalt des Angeklagten sagt nun, dass der Mann bereits mehrfach in psychischer Behandlung gewesen sein soll. Foto: Christian Müller

Der Rentner hatte sich über den Notruf bei der Polizei gemeldet und erklärt: „Ich habe meine Frau getötet.“ Die Beamten trafen ihn am Tatort – eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus – an. Sie entdeckten dort die Leiche der 75 Jahre alten Ehefrau und das Tatwerkzeug, ein Messer. Der Mann ließ sich von den Streifenbeamten widerstandslos festnehmen.

„Mein Mandat steht zu seiner Tat, auch wenn er sich nicht erklären kann, wie es dazu gekommen ist“, sagte sein Anwalt Dr. Lutz Klose aus Bielefeld am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings habe sich der Mann, der psychische Probleme habe, in den vergangenen Wochen mehr und mehr überfordert gefühlt. Die Ehefrau, eine Deutsch-Slowenien, habe sich intensiv um ihre 95-jährige Tante in einem benachbarten Pflegeheim kümmern müssen, „das hat die Ehe belastet.“ Der Mann habe sich immer weiter zurückgezogen und insgeheim Tötungsphantasien verfolgt. Nach außen hin sei das nicht aufgefallen: „Sein Stiefsohn hat noch am Vatertag ganz normal mit ihm telefoniert.“

Paar ist 50 Jahre verheiratet gewesen

Die Eheleute waren seit gut 50 Jahren miteinander verheiratet. Beide haben jeweils einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Sie lebten lange Zeit in Baden-Württemberg. Der Mann fand eine Stelle als Offsetdrucker im Kreis Minden-Lübbecke, so dass das Paar vor 16 Jahren umzog und eine Wohnung im Untergeschoss eines Vier-Parteien-Hauses in Minden mietete. Beide galten als sehr umgänglich, der Mann habe immer sehr viel mit den Nachbarn gesprochen, hieß es am Sonntag, sich seit einigen Monaten aber zurückgezogen. „Wo ist denn dein Maulwurf?“ sei die Ehefrau erst kürzlich angesprochen worden.

Was niemand von den Anwohnern wusste: Der Mann war schon seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung, er hatte bereits drei Aufenthalte in Fachkliniken hinter sich. Zuletzt, so sein Anwalt Dr. Klose, habe er die notwendigen Medikamente abgesetzt. Es müsse jetzt geklärt werden, ob dieses Verhalten Einfluss auf die Gewalttat vom Sonntag gehabt habe.

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