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Serie im Kreis Minden-Lübbecke – Jäger sind empört

Attacken auf Hochsitze

Preußisch Oldendorf/Düsseldorf (WB). Seit März sind in Preußisch Oldendorf bereits fünf Hochsitze in Flammen aufgegangen. Auch im benachbarten Kreis Herford, in Bünde und Spenge, sowie im nahen Niedersachsen bei Melle wurden mehrere Fälle registriert. Der Landesjagdverband NRW ist empört: »Das ist eine Straftat, die durch nichts zu entschuldigen ist.«

Dietmar Kemper

Anfang April wurde ein Hochsitz am Waldrand in Bad Holzhausen angesteckt und schwer beschädigt. Foto: Polizei

Auch in anderen Kreisen Ostwestfalen-Lippes werden Hochsitze beschädigt oder brennen nieder – zuletzt am vergangenen Sonntag in Horn-Bad Meinberg. Besonders alarmiert ist zur Zeit aber die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke. »Fünf Fälle seit März im Bereich Preußisch Oldendorf, das ist auffällig, und man kann durchaus von einer Serie sprechen«, sagte Sprecher Ralf Steinmeyer dem WESTFALEN-BLATT.

Ermittler aus den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford sowie dem Landkreis Osnabrück arbeiten bei den Ermittlungen eng zusammen. »Wir haben einen Verdächtigen«, sagte am Freitag der Sprecher der Kreispolizeibehörde Herford, Steve Haydon. Es gebe eine Indizienkette und den konkreten Verdacht, dass der Mann grenzübergreifend tätig war.

Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich um einen Mann aus Bünde handeln, der von einer Wildkamera erfasst und fotografiert wurde. Außerdem sollen Jäger auf ihn aufmerksam geworden sein und ihn festgehalten haben. Ob er der Täter ist und wie viele Sachbeschädigungen auf sein Konto gehen, müssen jetzt die weiteren Untersuchungen zeigen.

Aufklärung schwierig

Ansonsten ist die Aufklärung in solchen Fällen schwierig. Nur ganz selten sieht jemand, wenn ein anderer kokelt. Das kann zum Beispiel ein Pyromane mit der kranken Freude an Bränden und Flammen sein. Der Landesjagdverband NRW vermutet militante Tierschützer und Jagdgegner hinter den Bränden. Dessen Sprecher Andreas Schneider sagt: »Die Gesellschaft schätzt zunehmend die Arbeit der Jäger, aber es gibt einen Bodensatz von Kriminellen, der aus ideologischen Gründen Sachbeschädigungen und sogar Körperverletzungen in Kauf nimmt.« In einigen Fällen seien Leitersprossen angesägt worden.

Bei den Attacken gegen Hochsitze gingen zudem hunderte Euro in Flammen auf, ärgert sich Schneider. Ein Hochsitz kostet je nach Ausstattung 1000 Euro und mehr, die Arbeitszeit gar nicht mitgerechnet. Der Schaden kann sich sogar auf bis zu 5000 Euro summieren wie bei dem Hochsitz, der am 23. Juli 2017 bei Scherfede im Kreis Höxter abbrannte.

Regulierung der Population von Tierarten

Durch Hege und Pflege und die Regulierung der Population von Tierarten leisteten Jäger einen »erheblichen Beitrag für die Gesellschaft«, betont Schneider. Land- und Forstwirtschaft bräuchten sie. In NRW gibt es 90.000 Jäger und gut 7500 Reviere. Ihren Gegnern, die Waidmänner für schießwütige, auf Trophäen versessene Zeitgenossen halten, entgegnen die Jäger, Jagdausübung und Tierschutz seien keine Gegensätze. Der Schutz der Natur und der wildlebenden Tiere sei ihre oberste Aufgabe, die Jagd daher »angewandter Naturschutz«.

Das NRW-Innenministerium schaut sich gemeldete Sachbeschädigungen an Hochsitzen darauf hin an, ob es sich um politisch motivierte Gewaltdelikte aus dem Umfeld militanter Tierschützer handelt. Im Jahr 2014 war das mindestens in zwei Fällen so, im Jahr 2015 in fünf und in den Jahren 2016 und 2017 in jeweils einem. Aber nicht alle Beschädigungen werden auch gemeldet.

Weil Hochsitze im Brandstiftungsparagrafen 306 des Strafgesetzbuches nicht auftauchen, gelten Attacken auf sie als Sachbeschädigung (Paragraf 303). Tätern drohen Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahre oder eine Geldstrafe. Brandstiftung liegt allerdings dann vor, wenn das Feuer vom Hochsitz auf den Wald oder einen Hof überspringt. Manchmal brennt nichts, und es geht auch nichts kaputt – so wie bei dem Fall im Mai 2017 in Delbrück. Hier wurde ein Hochsitz am Waldrand schlicht gestohlen.

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