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Ein Blick in die mehr als 150-jährige Geschichte der Realschule in Preußisch Oldendorf

Bewegte Historie geht zu Ende

Preußisch Oldendorf (WB). Wo derzeit noch das alte Realschulgebäude leer geräumt und entkernt wird, soll bald ein Aldi-Markt stehen. Bevor die Bagger und Planierraupen anrücken, um das Gelände für das Geschäftsgebäude frei zu räumen, wirft diese Zeitung noch einmal einen Blick in die bewegte Historie der Schule im Herzen Preußisch Oldendorfs.

Arndt Hoppe

Noch steht das Gebäude der ehemaligen Realschule. Bis es zu dieser Schulform kam, gab es eine Reihe von Vorgängern. Foto: Arndt Hoppe

Informationen und Material über deren Geschichte finden sich zum Beispiel im umfangreichen Buch des Stadthistorikers Dieter Besserer „300 Jahre Stadtgeschichte“ und bei Helmut Recker im Stadtarchiv. Dort gibt es auch zwei Festschriften von 1987 und 2012, als die Schule ihr 125-jähriges beziehungsweise 150-jähriges Bestehen groß feierte.

Die Candidatenschule

Aus den Festschriften ist nicht nachvollziehbar, wieso 1862 als Geburtsstunde der

Schule angenommen wurde. Aber es wird erklärt, dass die höhere Schule der Stadt aus der Candidatenschule aus dem 19. Jahrhundert hervorging. Erste Belege für diesen privaten Vorläufer sind laut Dieter Besserer schon aus dem Jahr 1820 datiert. Die Candidatenschule bereitete Kinder wohlhabender Familien vor Ort auf den späteren Besuch eines Gymnasium vor. Dafür musten sie dann weit entfernte Orte wie Rinteln oder Gütersloh aufsuchen, wo sie fern der Eltern in Heimen lebten. Die private Candidatenschule Oldendorfs hatte allerdings kein eigenes Schulgebäude. Der Unterricht für die etwa ein Dutzend Schüler wurde zunächst in der „Großen Stube“ der Schulleiter erteilt. Später wurden zwei weitere Räume angemietet, um die steigende Schülerzahl unterzubringen. Die wichtigsten Fächer neben Deutsch, Latein und Französisch waren Rechnen, Erdkunde und Geschichte.

Die Höhere Stadtschule

Ab 1910 bemühten sich 42 namhafte Bürger Oldendorfs darum, eine „Höhere Stadtschule“ zu gründen. Eine Genehmigung erteilte die Königliche Regierung in Minden im Jahr 1912. Zu Beginn wurden dafür noch Räume im Haus des Kaufmanns Löwenstein angemietet. Geleitet von Rektor Hermann Bockhorst trug die Einrichtung auch den Namen „Rektoratsschule“. Später wurden Räume im Pollerts Hof gemietet und bis 1916 stieg die Zahl der Schüler auf 81 in fünf aufsteigenden Klassen. 1913 beschlossene Pläne für einen Schulneubau konnten aber erst nach dem Ersten Weltkrieg umgesetzt werden. Er konnte schließlich am 1. April 1920 bezogen werden.

Die Mittelschule

Im Jahr 1925 wurde die „Höhere Stadtschule“ in eine „Mittelschule“ umgewandelt, an der die Schüler den Abschluss der „Mittleren Reife“ erlangen konnten. Dieser ermöglichte den Schülern den Übergang in gehobene mittlere Laufbahnen, zu Ingenieurschulen, zum Lehramt und in den Staatsdienst. Am Übergang zum Gymnasium änderte sich nichts. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule im Dezember 1945 wieder eröffnet.

Stadtarchivar Helmut Recker ist 77 Jahre alt und weiß aus eigener Erinnerung, dass sich nach dem Krieg bei weitem nicht alle Familien leisten konnten, ihre Kinder zur Mittelschule zu schicken. „Ich selbst habe die Volksschule in Oldendorf besucht. An mehr war nicht zu denken.“ Doch mit der Zeit stiegen die Schülerzahlen in der Mittelschule stetig an, von 277 (1948) auf 414 (1953). Deshalb mussten für die Unterbringung der elf Klassen zusätzliche Räume angemietet werden, unter anderem in der Hindenburghalle.

Die Realschule

Per Ministerialbeschluss wurde die Mittelschule 1951 zur Realschule umbenannt. Schon 1952 konnte ein Erweiterungsbau eingeweiht werden. Während der Leitung von Rektor Heinrich Surberg wurden 1965 eine Turnhalle und ein mehrgeschossiges Schulgebäude errichtet. Die größten Schülerzahlen erreichte die Realschule 1976 mit 524. Danach sanken sie allmählich.

2010 plante die Stadt aufgrund der Veränderungen in der Schullandschaft die Gründung einer Sekundarschule, in die die Realschule und die Hauptschule integriert werden sollten. Nach der Genehmigung 2013 begann der stufenweise Übergang in die Sekundarschule. Gleichzeitig wurden die Real- und Hauptschule aufgelöst. Beide liefen 2018 aus.

Abbruch steht bevor

Recker bedauert, dass das historische Gebäude nun abgerissen wird. „Es gab, als ich noch im Rat aktiv war, Überlegungen, dass das Rathaus in das Schulgebäude umziehen könnte“, erinnert er sich. Dafür habe die SPD aber keine Mehrheit gefunden. Am Dienstag hat sich der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss unter anderem mit der Änderung des Flächennutzungsplans „Kerngebiet Stadtzentrum-Ost“ befasst, auf dem die Realschule noch steht. Ein Beschluss dieser Änderung ist notwendig, damit Aldi an dieser Stelle einen Markt bauen kann.

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