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Vollversammlung des Arbeitskreises Asyl PrO im »Mosaik« – Langenhegge im Gespräch

»Brennpunkt« soll verhindert werden

Preußisch Oldendorf(WB). In den vergangenen Monaten sind nur wenige Flüchtlinge neu in Preußisch Oldendorf angekommen. Doch für die ehrenamtlichen Helfer gibt es nach wie vor alle Hände voll zu tun.

Arndt Hoppe

Der Arbeitskreis Asyl PrO lädt Bürgermeister und Ratsmitglieder zu einem Besuch des Wohnheims Langenhegge ein. Bei Vollbelegung bestehe die Gefahr eines sozialen Brennpunktes.Archiv- Foto:

Am Dienstagabend bei der Vollversammlung des Arbeitskreises Asyl PrO, der sich im Begegnungszentrum »Mosaik« traf, wurde deutlich, dass sich die Aufgaben der Helfer gewandelt haben, aber nicht weniger geworden sind. Pfarrer Steffen Becker, der die Runde leitete, berichtete zunächst über den aktuellen Stand der Asylbewerberzahlen: »Zurzeit sind etwa 190 Flüchtlinge bei uns, von denen etwa 130 noch keinen rechtskräftigen Bescheid haben.«

Psychosoziale Belastungen

Helfer und Flüchtlinge hätten mit neuen, psychosozialen Belastungen zu tun. »Häufig erhalten Asylbewerber jetzt Ablehnungsbescheide. Die Verunsicherung steigt, die Formalitäten bei Behördengängen sind für sie schwer nachvollziehbar. Die Betreuungsarbeit hat sich verschoben. Es ist komplizierter geworden.« Die anwesenden Helfer stellten sich und die jeweiligen Arbeitsgruppen vor, in denen sie aktiv sind. Die Themengebiete reichen von »Sprache« und »Ausbildung/Beruf« über »Prävention/Fürsorge« bis hin zu »Café International«, »Mosaik« und »Wohnen«.

Ortstermin mit Ratsmitgliedern

Bezüglich der Wohnsituation sagte Ulrich Krauss: »Die Tendenz bei Rat und Verwaltung geht dahin, mehr Flüchtlinge in die Langenhegge unterzubringen statt wie bisher dezentral.« Steffen Becker berichtete von Missständen dort: »Die hygienischen Bedingungen sind zum Teil unzumutbar.« Der Arbeitskreis plane einen Ortstermin mit dem Bürgermeister und Ratsmitgliedern für Juni an der Langenhegge, damit sich alle ein Bild von der Situation machen könnten. Die Runde vertrat die Auffassung, die Ratsmitglieder seien gefordert, die Erkenntnisse in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Wenn in der Langenhegge 70 Personen wohnten, sei zu befürchten, dass dort ein sozialer Brennpunkt entstehe. Schon jetzt würde in der Langenhegge gedealt und gestohlen, hieß es. Becker sagte, er habe schon Sätze gehört wie: »Dann kann man da gleich die Polizeiwache einrichten«.

Neuer Betreuer wird gesucht

Andere AK-Mitglieder erklärten, bei einer Belegung mit so vielen Bewohnern müsse auf jeden Fall ständig ein Betreuer vor Ort sein. Für diese Aufgabe hatte die Stadt früher zwei Stellen, von denen eine nicht mehr vorhanden ist. Flüchtlingsbeauftragte Lisa Cordes sagte dazu: »Für die zweite Stelle suchen wir einen adäquaten Ersatz. In diesem Bereich kann nicht jeder arbeiten.« Um nicht alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, wies die Sozialarbeiterin ausdrücklich darauf hin, dass es unter den Bewohnern der Langenhegge auch viele gut ausgebildete, wohlerzogene junge Männer gebe. »Sie leiden besonders unter der Situation.«

Den Mitgliedern des Arbeitskreises stellte sich die besonders drängend Frage: »Wo bekomme ich neue Ehrenamtliche her?« Während des Stadtfestes hätten sich viele Interessierte im Mosaik informiert: »Wir haben uns den Mund fusselig geredet, aber neue Helfer sind nicht gekommen.«

Kirche braucht Ansprechpartner

Eine organisatorische Frage wollte Pfarrer Michael Weber klären. Ihm fehle ein direkter Ansprechpartner für das »Café International«, das im Jugendtreff der Gemeinde veranstaltet wird. »Wir haben eine Hausordnung aufgestellt, die für alle Gruppen gilt. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, möchten wir wissen, an wen wir uns wenden können.« Die Helferinnen ihrerseits kritisierten, dass die Räume zum Teil schmutzig hinterlassen worden seien. Es wurde vereinbart, sich wieder mit dem Pfarrer in Verbindung zu setzen. Eine mögliche Option sei überdies, mit dem »Café International« ins »Mosaik« umzuziehen.

Die Vertrag mit dem »Mosaik« laufe noch bis März 2018, erklärten die Koordinatoren. Der Treff sei wegen Lage und Barrierefreiheit ideal und habe sich bestens etabliert. Laut Pfarrer Weber kann der Arbeitskreis voraussichtlich Anfang nächsten Jahres auch die Räume im dann sanierten Alten Pfarrhaus beziehen.

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