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Hedemer Schnatgang führt zum Naturschutzgebiet Ellerburger Wiesen

Die Aue – begradigt und renaturiert

Preußisch Oldendorf (WB). Normalerweise jagt man bei dem Wetter ja keinen Hund vor die Tür – aber die Hedemer ließen sich davon nicht abhalten. Trotz anhaltenden Regens setzten sie ihren geplanten Schnatgang am Sonntag in die Tat um. Und Hund und Mensch hatten ihre Freude dabei.

Eva Rahe

Der 4. Hedemer Schnatgang bei überwiegend regnerischem Wetter ist nur etwas für hartgesottene Naturfreunde und heimatkundlich Interessierte gewesen. Diejenigen, die dennoch mit auf Tour gingen, haben es nicht bereut. Denn sie wurden mit vielfältigen Informationen zur Geschichte der Aue versorgt. Foto: Eva Rahe

Es tröpfelte leise durch das große Blätterdach der 400 Jahre alten Linde, als sich am Sonntagnachmittag eine Gruppe von Schnatgängern auf der alten Ellerburg in Fiestel zusammen fand. An der historischen Burgruine hatte die letzte Grenzbegehung der Dorfgemeinschaft Hedem geendet. Ortsheimatführer Friedhelm Koch begrüßte alle herzlich und erklärte: »Es regnet zwar ein wenig, aber wir brauchen den Regen, und deshalb lassen wir uns davon nicht beeindrucken.« Frei nach dem Motto »schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung« hatten sich 15 Hedemer in ihre regenfeste Kleidung geworfen und waren bereit für einen Gang durch die Natur.

Von der Ellerburg ging es über den Baumpfad in Richtung Aue, die einen Teil der Grenze zu Fiestel bildet. Erst wo die Flöte in die Aue münde, würde die Hedemer Grenze den Fluss verlassen und weiter östlich an der Blasheimer Straße entlang laufen, erklärte Friedhelm Koch. Die Fußgänger blieben aber an der Aue und marschierten entlang eines Pfades weiter in Richtung Naturschutzgebiet Ellerburger Wiesen.

Bach war früher unüberwindbares Hindernis

An der nächsten Aue-Brücke trafen sie auf Schlossbesitzer Berthold von der Horst. Er erzählte, dass der Fluss, der jetzt durch seine Begradigung wie ein gemütlicher Bach anmute, früher ein unüberwindbares Hindernis gewesen sei. Übergänge habe es an der Ellerburg, am Schloss Hollwinkel und an der Hedemer Ölmühle gegeben. Auch wenn die Begradigung nach dem Zweiten Weltkrieg radikal gewesen sei, sei sie doch ein Segen für Landwirtschaft und Bevölkerung gewesen, sagte von der Horst. Die schweren Pseudo-gleyböden seien entwässert und ackerfähig gemacht worden. Zudem sei das Kanalsystem rund um die Aue so angelegt, dass mit schweren Überschwemmungen heute nicht mehr zu rechnen sei, erklärte er.

In den 1970er Jahren seien von der Horsts Vorfahren gezwungen gewesen, einen Teil ihres Landbesitzes zu verkaufen. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass das Land NRW einen Teil übernommen habe, um daraus ein Naturschutzgebiet zu machen. Das Areal entlang des Flusslaufes wurde mit typischen Baumarten wie Erlen, Pappeln und Weiden renaturiert. Die Ellerburger Wiesen würden heute Schutz und Lebensraum für Vögel, Insekten und kleine Wildtiere bieten.

Nachdem die Gruppe eine mehrere hundert Jahre alte Eiche besichtigt hatte, ging es weiter zur Erbbegräbnisstätte der Familie von der Horst und über die so genannte Tote Brücke über den Mittellandkanal. Spätestens dort legten die Schnatgänger einen Schritt zu, denn der Regen setzte nun wieder stärker ein. Am Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule wurden alle mit einer heißen Bratwurst belohnt.

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