Motiv der niederen Beweggründe bei Preußisch Oldendorfer sei bewiesen

Ehefrau erschossen: Staatsanwalt und Nebenklage fordern lebenslange Haft für Albert S.

Preußisch Oldendorf (WB/fs). „Er hat uns mit der Tat endgültig zerstört. Unsere Seelen sind kaputt. Ich hoffe, dass er nie wieder frei kommt.“ Die letzten Worte einer der Töchter von Albert S. klingen hart. Verzeihen werde sie es ihm nicht können, dass er ihre Mutter Evelina S. am 5. Januar dieses Jahres auf offener Straße in Preußisch Oldendorf erschossen hat . Ähnlich hart könnte nun auch das Urteil gegen den 59-Jährigen ausfallen, der seit dem 22. Juni vor dem Bielefelder Landgericht steht. In seinem Schlussplädoyer hat Staatsanwalt Christopher York am Donnerstag eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert.

Rechtsanwalt Peter Rostek (links) mit dem Angeklagten Albers S. Foto: Freya Schlottmann

Er sehe es als erwiesen an, dass Albert S. bewusst und absichtlich unweit des Busbahnhofes an besagtem Januartag auf Evelina S. geschossen hat – aus Wut über die Trennung seiner Frau nur 38 Tage vor der Tat und wegen ihrer Weigerungshaltung, ihm Gründe für die Trennung zu nennen.

„Eine völlig absurde Geschichte“

Zeugen der Tat hatten während der Beweisaufnahme vor der Ersten Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Zimmermann ausgesagt, dass Albert S.’ Handeln „wie eine Hinrichtung“ ausgesehen habe . Keine einzige Aussage stimme mit der Aussage des Angeklagten überein, er habe sich selbst erschießen wollen, führte der Staatsanwalt in seiner Begründung aus. Und auch, dass sich während einer Rangelei mit seiner Frau versehentlich ein Schuss gelöst habe, der die 54-Jährige in der Brust traf und sie schließlich verbluten ließ, sei für ihn nicht plausibel. „Das ist eine völlig absurde Geschichte“, wurde York deutlich.

Deshalb sehe er das Mordmerkmal der niederen Beweggründe als gegeben. Eine Affekthandlung sei seiner Ansicht nach ausgeschlossen. Schließlich habe Albert S. bewusst eine scharfe Waffe mitgenommen, als er seine Frau am 5. Januar an ihrer Arbeitsstelle in Nettelstedt abfing, um gegen ihren Willen noch einmal mit ihr zu sprechen.

„Niederer geht es kaum“

Dieser Meinung schlossen sich auch die beiden Nebenklagevertreter Alexander Klemme und Dr. Alexander Ahlswede an und forderten ebenfalls eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten. Die vor Gericht angegebenen Erinnerungslücken zum Tathergang seinen nach Ansicht von Alexander Klemme lediglich eine Verfahrensstrategie gewesen, aber keineswegs glaubwürdig. Im Vergleich mit den Aussagen der gehörten Zeugen sei die Unfallerklärung von Albert S . „nicht passend“. Sein Fazit zum Mordmerkmal niederer Beweggrund: „Niederer geht es kaum.“ Auch Dr. Alexander Ahlswede betonte, dass bei dem fast aufgesetzten Schuss auf Evelina S.’ Brust keineswegs von einer fahrlässigen Tötung die Rede sein könne.

Rechtsanwalt sieht fahrlässige Tötung gegeben

Genau das sah der Verteidiger des Angeklagten, Peter Rostek, dagegen als zutreffende Verurteilungsmöglichkeit an. Nach der Trennung habe Albert S. ein „Leben in Einsamkeit und Dunkelheit“ gefürchtet. Zudem habe er schon vorher Suizidgedanken geäußert. Dass er sich am Tattag nicht doch, so wie es Albert S. selbst vor Gericht geschildert hatte, vor den Augen seiner Frau umbringen wollte, sei auch durch die Zeugenaussagen nicht widerlegbar. Das Mitbringen der Waffe sei „ausschließlich für die beabsichtigte Selbsttötung“ gedacht gewesen, so Rostek in seinem Plädoyer. Nicht zuletzt habe auch keiner der Zeugen den Schuss, der Evelina S. schließlich tötete, gesehen, geschweige denn ihre schwere Verletzung auf Anhieb erkannt. Vielmehr seien fast alle Angehörten sogenannte Knallzeugen, die nur durch das Geräusch des Schusses auf das Geschehen aufmerksam geworden seien.

Die Erinnerungslücken seines Mandanten begründete Rostek mit der „Ausnahmesituation“, in der sich Albert S. befunden habe. Ein Mordmotiv sei seiner Meinung nach nicht erkennbar. Er forderte deshalb eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung mit einer „angemessenen Freiheitsstrafe“.

Urteil soll am Montag fallen

Die beiden Töchter von Albert S. erhielten die Gelegenheit, noch etwas zu sagen. Sie warfen ihm vor, sich nie bei ihnen entschuldigt zu haben. Der Angeklagte rechtfertigte die vielen Vorwürfe zu seinem Verhalten ausschweifend und wurde von seinem Anwalt nach einigen Minuten energisch unterbrochen. Schließlich sagte er unter Tränen: „Ich bin der einzige Schuldige. Es tut mir leid.“

Das Urteil soll am Montag gesprochen werden.

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