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Ökumenischer Gottesdienst in St. Dionysius mit großer Beteiligung

Ein Zeichen des Trostes

Preußisch Oldendorf (WB/bir). Ein ökumenischer Fürbittengottesdienst hat am Sonntag vielen trauernden Menschen Raum und Zeit gegeben, inne zu halten und unter dem Dach des Glaubens Zuversicht zu finden. Der Grund für die Anteilnahme waren die Ereignisse am 5. Januar. An diesem Tag hatte ein Mann seine Ehefrau auf offener Straße erschossen. Um diese schrecklichen Ereignisse zu verarbeiten, haben nun vier Kirchengemeinden einen bewegenden Gottesdienst gefeiert.

Das Motiv der Rose von Jericho hat sich durch den Gottesdienst gezogen. Die mit warmem Wasser zum Leben erweckte Rose wurde zum Gottesdienstende mit Musik in den Vorraum der Kirche getragen. Foto: Silke Birkemeyer

Das Motiv der Rose von Jericho hat sich durch den Gottesdienst gezogen. Die mit warmem Wasser zum Leben erweckte Rose wurde zum Gottesdienstende mit Musik in den Vorraum der Kirche getragen.

Mit den Vertretern der Katholischen Kirche, der Evangelischen Freikirche „Neues Leben“ und der Gründungsinitiative Freie evangelische Gemeinde hatte Pfarrer Michael Weber von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde die Feierstunde vorbereitet. Bewusst wolle man ein Zeichen setzen und mit dem Gottesdienst der Trauer etwas entgegensetzen, sagte der Pfarrer. Alle Gäste wurden persönlich an der Eingangstür zur St.-Dionysius-Kirche in Preußisch Oldendorf begrüßte.

Alles andere als Normalität

Auch wenn die Glocken wie immer zur gewohnten Zeit läuteten, waren sowohl der Anlass wie auch die Umsetzung alles andere als Normalität. Zwei Wochen nach der für alle unfassbaren Tat sollte es eine Zeit der Erinnerung, des Nachdenkens, Mahnens aber auch der Zuversicht werden, machte der Pfarrer zu Beginn die Bedeutung der kommenden 60 Minuten deutlich. Familie und Freunde, Nachbarn, die Mitarbeiter der Feuerwehr und der Polizei, Seelsorger, Ersthelfer und Helfer mit Zivilcourage waren insbesondere angesprochen, den Ort Gottes zu nutzen, um gemeinsam Anteil zu nehmen und die Trauer zu tragen.

Die Textzeilen des ersten Liedes waren Frage und Antwort zugleich. „Wohin soll ich mich wenden?“, sang der Gottesdienstchor und antwortete: „Auf dem dunklen Weg scheint mir dein Licht.“

Bewegende Messe

Die bewegende Messe war ein deutliches Zeichen des Zusammenhalts innerhalb der Kirchengemeinde. So wurden Programm und Liedauswahl gemeinsam getroffen, Fürbitten und Texte von den Vertretern aller mitmachenden Gemeinden vorgelesen. Sowohl dem Werk von Lars Ake Lundberg „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ und dem Taizé-Kyrie von Jacque Berthier gab der Pfarrer durch eine kurze geschichtliche Erläuterung eine tiefere Bedeutung, bevor Pfarrer Karl-Heinz Graute, Diakon Oliver Sonnemann, Artur Becker und Carsten Walther abwechselnd die „Ich-bin-Worte“ aus dem Johannesevangelium vorlasen.

Zuversicht und Hoffnung waren die Themen der Predigt, in dessen Text ein Flüchtlingskind der Nachkriegszeit fasziniert beobachtet, wie das Leben in die vertrocknet aussehende Blume zurückkehrte.

Rosen durch Bankreihen gereicht

Symbolisch für dieses Zeichen des Trostes wurden zwei Rosen durch die Bankreihen gereicht. Zum Ende des Gottesdienstes diente eine bereits ergrünte Rose aus Jericho allen als sichtbares Zeichen. Sie wurde während des Nachspiels des Posaunenchors von den Kirchenvertretern durch das Mittelschiff getragen und auf dem Fürbitten-Tisch im Eingangsbereich platziert. Dem Bösen in der Welt etwas Gutes entgegensetzen – das sollten auch die Spenden des Gottesdienstes, die für den Kindergarten „Baum des Lebens“ in Schröttinghausen gedacht sind.

„In den Kindern können wir früh den Samen des Friedens säen“, sagte Weber zum Abschluss, bevor mit dem gemeinsamen Segen ein wirklich besonderer Gottesdienst sein Ende fand.

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