Breitbandausbau: Gemeinsame Stellungnahme der Hedemer Vereine

„Erstaunliche Einstellung“

Preußisch Oldendorf-Hedem (WB/aha). Schnelles Internet wird immer wichtiger, auch im ländlichen Raum. Das erweist sich auch in der Corona-Krise. Für einen flächendeckenden Ausbau machen sich jetzt alle Hedemer Vereine in einer gemeinsamen Stellungnahme stark.

Ein gut ausgebautes Glasfasernetz ist aus Sicht der Hedemer Vereine ein Muss, um auch auf dem Land für die Zukunft gerüstet zu sein. Das machen sie in einer Stellungnahme deutlich Foto: dpa

Sie erklären, es scheine bei einigen Kommunalpolitikern die Meinung zu geben, der Breitbandausbau sei kein kommunalpolitisches Ziel, da bei einem Großteil der hiesigen Bevölkerung aus Altersgründen kein Interesse an schnellem Internet bestehe. Die Versorgung der Dörfer mit flächendeckendem und stabilem Internet sei Aufgabe der Dorfgemeinschaften und nicht der Kommunen.

Zielvorgabe des Ministeriums

Diese Einstellung halten die Hedemer aus verschiedenen Gründen für „erstaunlich“: „Zu allererst ist anzumerken, dass der flächendeckende Ausbau der Glasfaserinfrastruktur – und zwar bis hin zur oft zitierten ‚letzten Milchkanne’ – eine Zielvorgabe der Bundesregierung ist.“ Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW schreibe dazu auf seiner Homepage: „Internetzugänge, die auch große Datenmengen schnell übertragen, gehören zu einer modernen Infrastruktur und haben sich zu einem wichtigen Standortfaktor entwickelt. (...) Zeitgemäße Breitbandinfrastrukturen eröffnen damit den Zugang zu nicht, oder als Folge des demografischen Wandels nicht mehr direkt vor Ort vorhandenen infrastrukturellen Grundausstattung.“

Der demografische Wandel mache auch vor den hiesigen Kommunen nicht halt, sind die Hedemer überzeugt: „Daraus zu schließen, man bräuchte keine Gigabit-Versorgung, weil die Mehrzahl der älteren Bewohner diese sowieso nicht nutzen würde, verschließt den Blick in die Zukunft. Will man den Weggang der jungen Generation stoppen oder sie zumindest dazu einladen, nach Ausbildung oder Studium wieder in die Heimat zurück zu kommen, ist eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet maßgeblich.“

„Junge Menschen würden in andere Regionen ausweichen“

Würden die Kommunen im Mühlenkreis den Breitbandausbau in den noch fehlenden Gebieten (den „Grauen Flecken“) nicht fördern, werde dies zu einer weiter fortschreitenden Alterung der Bevölkerung führen: „Jüngere Menschen werden auf andere Regionen ausweichen, was die Landflucht weiter begünstigt.“

Zum demografischen Wandel gehöre auch, dass die Ärzteversorgung weiter abnehme. Eine Alternative sei eine Beratung per Videosprechstunde. Wie solle das möglich sein, wenn das Internet nicht funktioniert?, fragen die Hedemer.

Wixhtiger Faktor: Home Office

Ein weiterer Faktor sei das Arbeiten von zu Hause aus. „Gerade jetzt in der Phase der Corona-Quarantäne-Maßnahmen wird deutlich, wie wichtig ein stabiles und schnelles Internet ist“, betonen sie. Die Firma Eifelnet, die zum Beispiel in Hedem der vorrangige Anbieter sei, verbiete in seinen privaten Nutzungsverträgen das Home-Office. So müssten deren Kunden auf einen teuren Gewerbe-Vertrag wechseln, wollten sie ihren Privathaushalt als Telearbeitsplatz nutzen. In Hedem sei eine Alternative eine Funkverbindung via LTE. Dieses Netz sei allerdings zu Stoßzeiten so überlastet und instabil, dass größere Datenmengen nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden verarbeitet werden können.

Ein weiteres Problem sei während der Corona-Krise seien die Schulschließungen. Schüler und Abiturienten seien aufgefordert worden, sich über das Internet weiterzubilden. „Wenn dieses nicht funktioniert, hat das Nachteile für diejenigen, die im ländlichen Raum leben“, sagen die Hedemer. Auch Arbeitnehmer seien betroffen, wenn sie Home-Office arbeiten sollten: „Wenn sie ihre Arbeit nicht über das Internet ausführen können, wird ihnen teilweise Kurzarbeit angedroht.“

„Netze zeitweise komplett überlastet“

Als weiteren Punkt führen die Hedemer an, dass ein Grundstücks- und Hausverkauf von schnellem Internet abhänge. Zurecht habe ein Bürger beim Breitbandgespräch in Hedem gesagt: „Wenn heute jemand eine Immobilie kaufen will, fragt er zuerst, ob Glasfaser liegt.“

Während der aktuellen Krise sind nach den Erfahrungen der Hedemer sowohl das Internet als auch das Mobilfunknetz zeitweise komplett überlastet. Der Schluss der örtlichen Vereine lautet: „Das zeigt, dass der ländliche Raum noch lange nicht ausreichend versorgt ist mit einer flächendeckenden Breitbandversorgung, wie sie von der Bundesregierung gefordert wird.“

„Notwendig und zukunftsweisend“

Aus den genannten Gründen halten die Vereine und Gruppen eine flächendeckende Breitbandversorgung im ländlichen Raum für absolut notwendig und zukunftsweisend: „Wir fordern die kommunalpolitischen Vertreter dazu auf, hierzu Stellung zu nehmen.“

Die Unterzeichner sind: Eva Rahe (Digitales Dorf Hedem), Friedhelm Koch (Dorfgemeinschaft), Kevin Schmidt (Freiwillige Feuerwehr, Löschgruppe Hedem-Lashorst), Patrick Brüls (HSC Alswede), Wilhelm Tiemeyer (Jagdgenossenschaft), Patrick Braun (Jugendbetreuer), Angelika Barlach (Landfrauen), Karl-Heinz Barlach (Landwirtschaftlicher Ortsverein), Jens Tiemeyer (Mittwald Webhosting), Nico Deeke (Schützengemeinschaft), Heiner Bering (Sozialverband), und Thomas Brückner (Sparclub).

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