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Archäologe Dr. Otfried Ellger stellt Ergebnisse der Grabungen in St.-Ulricus-Kirche vor

Forschung löst nicht alle Rätsel

Preußisch Oldendorf (eva). Viele Erkenntnisse und ein Rätsel: 13 Jahre nach den Grabungen in der St.-Ulricus-Kirche hat Dr. Otfried Ellger die Ergebnisse seiner Forschungen der Öffentlichkeit in Börninghausen vorgestellt.

Mit großer Begeisterung informiert Dr. Otfried Ellger (links) über die Forschungsergebnisse der Ausgrabungen vor 13 Jahren in der St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen. Foto: Eva-Kristina Rahe

Gruben-Rätsel

Er konnte historisch zuordnen, wann die Kirche gebaut wurde, wann sie ihr heutiges Aussehen bekam und was vor der Kirche an diesem Platz gestanden hatte. Ein Rätsel blieb dem Forscher bislang eine große Grube, die sich im westlichen Teil der Kirche befand und fast die gesamte Breite der Kirche einnahm. Ellger vermutet, dass diese Grube eine Art Hindernis für Eindringlinge darstellen sollte, die in den Turm gelangen wollten.

Sicher sein könne er sich nicht. »Als die Grube ausgehoben wurde, war ich ja nicht dabei«, schildert er ein Grundproblem der Archäologie. Sie müsse sich damit begnügen, die eigenen Befunde im Nachhinein mit den bekannten historischen Ereignissen zu verknüpfen und so zu sinnvollen Schlussfolgerungen zu kommen.

Kirche im 11. oder 12. Jahrhundert gebaut

So zum Beispiel bei der Annahme, dass vor der Kirche an dieser Stelle ein Bauernhaus gestanden hat. Diesen Befund führte der Archäologe auf Spuren eingegrabener Pfosten zurück, die er in der sogenannten Kulturschicht gefunden hat, einer tieferen Erdschicht die Spuren menschlicher Existenz enthält. Diese Grablöcher von Pfosten seien typisch für die Zeit Karls des Großen, ebenso wie eine bestimmte Art von Gefäß, die Ellger in derselben Schicht fand. Im Rückschluss bedeute dies, dass die Kirche nicht vor dem 10. Jahrhundert erbaut wurde.

Das erste Kirchengebäude wurde nach Ellgers Erkenntnissen wahrscheinlich im 11. oder 12. Jahrhundert erbaut und der Kirchturm wurde erst nachträglich angebaut. »Das Grabungs-Team hat unterhalb des Kirchturms Gräber gefunden. Zu dieser Zeit war es nicht unüblich, Kirchengebäude ohne Turm zu bauen, ein Friedhof gehörte aber in jedem Fall zur Kirche dazu«, erklärte Ellger zusammen. Typische Gegenstände aus dem 11. und 12. Jahrhundert seien darüber hinaus ein weiteres Indiz dafür, dass das erste Kirchengebäude, dessen Teile heute nicht mehr erhalten sind, aus dem Mittelalter stammt. »Somit ist der heutige Turm das älteste noch erhaltene Gebäude der Kirche«, sagte Otfried Ellger. Ungefähr im 13. Jahrhundert erhielt das Kirchenschiff einen neuen Chor und neue Außenwände.

Obwohl der Archäologe sehr detailliert und fachlich präzise auf die Befunde einging, kam bei den zahlreichen Zuhörern nie Langeweile auf. Vielmehr vermittelte er seine ganze Leidenschaft für seine Forschung.

Dank an Helfer

Gleich zu Beginn stellte Otfried Ellger schmunzelnd fest, dass er nicht alleine für die Ausgrabungen verantwortlich gewesen sei. Zusammen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Kirchbauverein Börninghausen habe damals eine tolle Mannschaft von ehrenamtlichen Helfern, Zivildienstleistenden und wissenschaftlichen Volontären zusammengearbeitet: »Ohne die wäre es nicht gegangen. Denn sie hatten zwar wenig Geld, aber dafür um so mehr Zeit.« Um den Helfern zu danken, stellte Ellger er diese noch einmal namentlich in seiner Präsentation vor.

Auch die Vorsitzende des Kirchbauvereins Maritta von Haugwitz freute sich über die gelungenen Ergebnisse. »Unglaublich, dass nach den Ausgrabungen die Kirche heute wieder in so einer guten Form ist. Dafür war viel Geld, Kopf- und Handarbeit nötig, viel Zeit und Arbeitskraft wurde investiert, dafür danke ich allen Helfern noch einmal herzlich«, erklärte sie.

Nach dem Vortrag waren alle Gäste und ehemaligen Helfer noch mal eingeladen, gemeinsam auf die erfolgreiche Zeit anzustoßen. Otfried Ellger hatte zudem einige Funde mitgebracht, so dass die Gäste die Ergebnisse im Original bestaunen konnten.

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