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Preis für Projekt des Offenen Ganztags an der Grundschule Bad Holzhausen

Grundschulkinder gehen Müll-Fischen

Preußisch Oldendorf-Bad Holzhausen (WB/jw). Schon oft hat die Corona-Pandemie bewiesen: Not macht erfinderisch. Im offenen Ganztag der Grundschule Bad Holzhausen ist zwar nichts „er-“, dafür aber ganz viel „ge“-funden worden: eine bisher größtenteils unbeachtete Fläche des Schulgeländes, eine neue Beschäftigung für die Kinder – und jede Menge Müll. All das wurde jetzt mit 1000 Euro belohnt.

Die Kinder des Offenen Ganztags an der Grundschule haben – so wie hier Kaylan, Jason, Logan, Mike und Marie – fleißig Müll an der Großen Aue gesammelt. Für dieses Projekt hat die Schule jetzt einen mit 1000 Euro dotierten Preis bekommen. Foto: Joscha Westerkamp

Die „Innogy Westenergie GmbH“ vergibt jährlich einen Klimaschutzpreis für Leistungen, die „im besonderen Maße zur Erhaltung natürlicher oder zur Verbesserung ungünstiger Umweltbedingungen“ beitragen. In jeder Gemeinde, in der Innogy tätig ist, zeichnen sie zusammen mit der Stadtverwaltung ein Projekt aus. Die Kriterien: Wirksamkeit für den Umweltschutz, Innovationsgrad, Kreativität, Vorbildwirkung/ Nachhaltigkeit, persönlicher Einsatz. Als die Schulleiterin der Grundschule, Dorothee Bieber, ihren Kollegen im Frühling vorschlug, sich für den hoch dotierten Preis zu bewerben, interessierte sich gar keiner: „Die Lehrer waren alle viel zu beschäftigt“, sagt OGS-Leiterin Claudia Klinksiek. Dann sei die Schulleiterin auf sie zugekommen – und Klinksiek habe sich mit einem Projekt an der Großen Aue beworben.

Besuche am Bach

Begonnen habe alles mit dem Corona-Lockdown Mitte April. Damals war die Schulleitung gezwungen, neue Ausweichflächen des Schulgeländes einzuteilen – und bezog dabei auch die Fläche um die Große Aue mit ein. „Es war ein Segen von Corona, dass wir diesen Bereich entdeckt haben“, lächelt Dorothee Bieber später. Die Schüler begannen, sich für den Bach zu interessieren. „Beim täglichen Besuch am Bach wurden Tiere entdeckt und die Natur erlebt“, sagt Claudia Klinksiek. Reine Idylle? Keinesfalls. „Den Kindern ist aufgefallen, dass sich im Bach viel Müll befindet.“

Daraufhin hätten sie begonnen, nachmittags mit kleinen Gruppen der OGS den Müll aus der Aue zu fischen. Hilfswerkzeuge: provisorische viel zu große Gummistiefel, Eimer für die Fundstücke, Grillzangen zum Anfassen. „Die Kinder haben schon Schuhe, Gürtel und Wärmflaschen gefunden“, berichtet Klinksiek. „Da haben sich die Kinder gefragt: ›Wer wirft denn seine Schuhe in die Aue?“ Noch Wochen später fänden sie binnen kürzester Zeit Schuhsohlen, Glasflaschen oder große Plastikplanen. Mittlerweile gibt es eine eigene große Mülltone für die ganzen Fundstücke, die schon mehrfach gelehrt wurde. Dass beim Müll-Fischen auch schon mal Wasser in die Stiefel schwappt und die Hose nass wird: kein großes Problem. „Für die Eltern ist das okay. Am Anfang waren sie verwundert, was passiert ist, aber dann haben die Kinder es ihnen erklärt.“

Begeisterung

Innogy und Stadtverwaltung waren begeistert von dem Projekt; am Dienstag überreichten Bürgermeister Marko Steiner und Innogy-Westenergy-Kommunalbetreuer Johannes Geers den Preis an die OGS-Leiterin. „Jede Initiative für den Umweltschutz verdient unsere Hochachtung und Wertschätzung“, sagte Geers. „Bei diesem speziellen Projekt können wir darüber hinaus mit der Auszeichnung das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer in dieser herausfordernden Zeit herausstellen. Das freut uns besonders.“ Für die Preisverleihung beobachteten sie erst die fleißigen Kinder im Bach – und stellten sich anschließend an die direkt angrenzende Blühwiese. „Wenn die Kinder im Bach sind, vergessen sie ganz, was um sie herum ist. Sie genießen die Freiheit“, sagt Claudia Klinksiek.

Neue Ausrüstung

Nur das Wissen über viele ökologische Zusammenhänge und umweltbewusstem Verhalten fehle noch – obwohl die Kinder sehr interessiert seien. Dem wolle man jetzt abhelfen: Im September gebe es eine gemeinsame Begehung des Bachs mit dem Aueverband. Weitere Kooperationen sind geplant. Möglicherweise wolle man eine Patenschaft für den Aue-Teil an der Schule übernehmen.

Und das Preisgeld? „Mit unserem Preisgeld können wir vernünftige Gummistiefel in den passenden Größen kaufen. Die jetzigen sind ja nicht optimal“, sagt Klinksiek und lacht. Auch passende Fischerhosen für den Winter und Mikroskope zur genaueren Untersuchung der Wasserlebewesen können mit dem Geld gezahlt werden. „Wir wollen aber erstmal abwarten, was uns der Aueverband für Tipps gibt.“

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