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Corona-Lage im Kreis Minden-Lübbecke ist uneinheitlich – Todesopfer sind die Älteren

Nicht überall ist Espelkamp

Minden/Lübbecke (WB)

Mit einem Wocheninzidenzwert deutlich über 200 hat sich der Kreis Minden-Lübbecke auf der NRW-Landkarte dunkelrot eingefärbt.

Friederike Niemeyer

Für jeden Tag eine Maske – die Corona-Zahlen im Kreis Minden-Lübbecke mahnen zur Vorsicht. Foto: Felix Kästle/dpa

Der eigentliche Grenzwert von 50 Neuinfektionen (je 100.000 Einwohnern in sieben Tagen) ist trotz der bundesweiten Schutzmaßnahmen im November und Dezember sehr weit entfernt. Die am Donnerstagabend im Kreishaus verhängten neuen Maßnahmen sollen eine Kehrtwende bringen: im ganzen Mühlenkreis und insbesondere in Espelkamp.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die schwierige Lage: Der Mühlenkreis hat mit 217,8 nach dem Kreis Lippe mit 311,6 den höchsten Wocheninzidenzwert in OWL. Etwa 30 Patienten liegen auf den Intensivstationen im Kreis. Mittlerweile gibt es 44 Todesfälle, davon 12 allein in Espelkamp. 31 der Verstorbenen waren 80 Jahre und älter, 13 waren zwischen 60 und 79 Jahre alt.

Die Altersverteilung bei den Infizierten sieht anders aus: Von den 5159 insgesamt im Kreis seit Beginn der Pandemie positiv Getesteten (Stand 11. Dezember) sind 3733 zwischen 15 und 59 Jahre alt. 501 sind jünger als 15 Jahre und 922 sind 60 Jahre und älter.

Alle Todesopfer stammen also aus der Altersgruppe, die weniger als ein Fünftel der Infizierten ausmacht.

Dieses Zahlenbild ist kein Beweis, aber es stützt doch die These von den vielen Ansteckungen im familiären Umfeld: Nicht die Älteren stecken sich untereinander an, sondern die Jüngeren infizieren ihre Eltern und Großeltern beziehungsweise die Heimbewohner.

In Espelkamp liegt die Wocheninzidenz mit 581,1 derzeit weit über dem Kreiswert. Doch nahe der 300er-Marke sind auch Rahden mit 298,7 und Bad Oeynhausen mit 290,1. Es folgen (jeweils Stand 10. Dezember) Lübbecke mit 227,1, Preußisch Oldendorf mit 221,5 sowie unter dem Kreisdurchschnitt Minden mit 195,8, Hüllhorst mit 168,8, Stemwede mit 130,6, Hille mit 110, 6, Porta Westfalica mit 89,8 und Petershagen mit 47,8.

Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch sagt, dass er angesichts der Infektionsentwicklung mit solchen oder ähnlichen Maßnahmen, wie sie nun im Kreis gelten, gerechnet habe. Die Verwaltung habe so schnell wie möglich die betroffenen Akteure etwa an den Schulen und im Einzelhandel informiert und auch im Rathaus mit entsprechenden Maßnahmen für die Arbeitsplätze reagiert. Außerdem überwache die Stadtverwaltung weiter in enger Absprache mit dem Kreis die Einhaltung der Quarantäneanordnungen. Viel werde aus seiner Sicht vom Ergebnis der Ministerpräsidentenkonferenz am Sonntag abhängen. „Ich denke, in der nächsten Woche werden wir dann Klarheit über die Maßnahmen für die nächste Zeit haben“, sagte Haberbosch.

Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) Foto: Friederike Niemeyer

Die Befürchtung, dass sich die kritische Situation in Espelkamp auf Lübbecke ausweite, teilt der Bürgermeister nicht. „Die Infektionen dort gehen eher vom häuslichen Bereich aus. Selbst wenn viele Espelkamper in Lübbecke einkaufen sollten, kann ich mir mit dem Blick in die Innenstadt und auf das Verhalten der Menschen nicht vorstellen, dass dort ein besonderer Infektionsherd entstehen könnte. Man kann das Geschehen in Espelkamp nicht eins zu eins auf Lübbecke übertragen.“

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