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CDU-Ratsherr und Familienvater Jakob Giesbrecht verfasst zweiten offenen Brief an führende Politiker

Schulpolitik sorgt weiter für Unmut

Preußisch Oldendorf

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Jakob Giesbrecht schon einmal die Nase gestrichen voll hatte von der Corona-Politik in Land und Bund und ihren Folgen für junge Familien und Kinder. Damals verfasste er einen gepfefferten offenen Brief an die Bundeskanzlerin. Ein Jahr später und der Preußisch Oldendorfer CDU-Ratsherr, der auch Beisitzer seiner Partei im Stadt- und Kreisverband Minden-Lübbecke ist, macht erneut seinem Unmut in einem offenen Brief Luft. 

Schüler müssen in NRW auch zu Beginn des neuen Schuljahrs weiter in Innenräumen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das ist ein Punkt, den CDU-Ratsherr Jakob Giesbrecht in seinem gepfefferten offenen Brief zur Schulpolitik in Corona-Zeiten kritisiert. Foto: Matthias Balk/dpa

Er ist gerichtet an die heimische CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann, die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), und an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Vergeblich habe er auf diversen Wegen versucht, Gehör zu finden, schreibt der 38-jährige Familienvater Giesbrecht: „Immer noch ignorieren, peinigen und malträtieren Sie meine Familie, mich und meine Kinder mit Ihren Vorschriften. Immer noch entwerten und widersprechen Sie der Meinung, der Wertigkeit und dem Willen der Kinder und ihren Familien. Immer noch setzen Sie auf ein ‚weiter so‘, was bisher nachweislich einem Unterrichtsinhalt von Sommerferien gleichgekommen ist.“

Jakob Giesbrecht, CDU-Ratsmitglied der Stadt Preußisch Oldendorf Foto:

Giesbrecht kritisiert besonders die Maskenpflicht: „Während Sie unkommentiert eine Fußball-EM sowie internationale Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele mit deutscher Beteiligung akzeptierten, und auch eine Sommer-Reisewelle mit vorhersehbaren Folgen dulden, beschließen Sie in NRW schon vor (!) Beginn der Ferien eine Masken- und Testpflicht aller Schüler, die nach (!) den Ferien auferlegt wird.“ Keiner anderen Personengruppe werde, so Giesbrecht, vom Gesetzgeber eine derartig umfangreiche Maßnahme auferlegt. „In allen anderen Bereichen können sich Erwachsene durch eine Testung weitestgehend von Einschränkungen befreien. Schüler jedoch müssen verdachtsfrei mehrmals wöchentlich getestet werden und haben immer noch mitunter die härtesten Auflagen.“

Maske trotz Tests

Jakob Giesbrecht vertritt die Ansicht, dass die Kinder keinerlei Einfluss auf das Pandemietreiben nehmen könnten: „Es liegt einzig und allein bei den Erwachsenen. Nur Erwachsene haben die Möglichkeit, mit einer eigenen Impfung die Impfquote zu beeinflussen und nur Erwachsene können mit Zurückhaltung im Freizeitbereich eine Reduzierung der Infektionen herbeiführen.“

Die angesprochenen Politiker könnten, schreibt Giesbrecht, „schwerlich behaupten, in Ihren Planungen die Interessen der Familien und die der Kinder in gleicher Weise zu berücksichtigen, wie die Interessen der finanzstarken Fußball-, Arbeitgeber- oder anderer Interessenverbänden“. Dieser Eindruck dränge sich auf, wenn man die getroffenen Maßnahmen und Lockerungen gegenüber stelle: „Während der breiten Bevölkerung Öffnungen im Bereich der Gastronomie und Großveranstaltungen zugestanden werden, muss jedes Schulkind, als potenzieller Gefährder für das öffentliche Infektionsgeschehen, mehrmals wöchentlich getestet werden und es muss trotzdem am festgelegten Platz eine Maske tragen.“

Die Folgen auffangen

Der Vater zweier Schulkinder fragt: „Was genau bringt Sie dazu das als richtig, notwendig oder verhältnismäßig zu erachten? Gibt es noch einen Weg, Ihre einbahnartige Fahrt zu bremsen oder zu stoppen? Gibt es einen Weg, dass Sie und/oder Ihr Ministerium Anfragen Ihrer Bürger annehmen, beantworten oder zumindest berücksichtigen? Er fordert die Adressaten auf: „Bieten Sie mir und allen anderen Eltern einen Weg. Bieten Sie uns einen Weg ein wirklich offenes Ohr zu treffen, falls dies in Düsseldorf oder Berlin noch möglich ist. Bieten Sie uns eine Möglichkeit für die physische und psychische Gesundheit meiner Kinder wieder selbst einzustehen. Bieten Sie uns einen Ausweg aus Ihrer Angstphilosophie ohne als Querdenker, Leugner oder Hetzer dazustehen, denn das bin ich in keiner Weise und möchte mich von diesen Gruppen ausdrücklich distanzieren.“

Der Preußisch Oldendorfer formuliert weitere Wünsche: „Machen Sie Schulpolitik mit dem Blick auf die Kinder. Geben Sie uns und unseren Kindern eine Möglichkeit, die Defizite der letzten Monate aufzuholen und die gesundheitlichen und zwischenmenschlichen Folgen durch die unnötig langen Lockdownphasen mit Fern- und Wechselunterricht wieder aufzufangen.“ Insbesondere fordert er: „Nehmen Sie Abstand von der Maskenpflicht am Platz für alle Schüler, gerade bei negativen Testungen. Legen Sie fest, dass der Regelunterricht mit normalem Schulablauf durchgängig sichergestellt und beibehalten wird.“

„Sie sind am Zug“

Von den Angesprochenen verlangt er: „Stellen Sie sich den Gesprächen, den Meinungen und den Bitten der Eltern.“ Niemand könne die Situation der Schüler besser einschätzen und wiedergeben als diese. „Die Kindheit sei statistisch gesehen die kürzeste Zeit im Leben eines Menschen. „Wir alle sollten nun sehr stark daran arbeiten, allen Kindern auch eine schöne Kindheit zu ermöglichen“, so Giesbrecht. „Wir Eltern werden durch die einschränkenden Maßnahmen in weiten Teilen sehr daran gehindert, unseren Kindern eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Sie sind am Zug, dies zu ändern!“ Er hoffe mit seinem Brief einen Denkanstoß zu geben, der zu raschen Änderungen führt.

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