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Öffentliche Mobilität Thema in Preußisch Oldendorf – MHV-Geschäftsführer stellt Pilotprojekt vor

Tolle Tickets und ein dickes Defizit

Preußisch Oldendorf

Auf Antrag der SPD-Fraktion hat sich der Preußisch Oldendorfer Rat mit dem Pilotprojekt „Schülerticket Westfalen“ befasst.

Arndt Hoppe

Mit dem Schülerticket Westfalen könnten Schüler das gesamte Jahr rund um die Uhr mit dem Bus in ganz Westfalen unterwegs sein. Der Rat in Preußisch Oldendorf hat sich dieses Pilotprojekt jetzt näher erläutern lassen. Foto: dpa

Zur Erläuterung war der Geschäftsführer der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV), Achim Overath, eingeladen. Doch bevor er in die Details gehen konnte, wollte Jan Hendrik Maschke (SPD) von Overath wissen, wie es komme, dass die MHV für Preußisch Oldendorf mit einem Verlust von rund 380.000 Euro für das Jahr 2021 rechnet (wir berichteten).

„Das hängt damit zusammen, dass die MHV eine Spitzabrechnung macht“, sagte Overath. Die MHV hat einen Vertrag mit dem Kreis und die Kosten für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden an die Kommunen gerechnet. Die Abrechnung erfolgt nicht pauschal, sondern wird spitz abgerechnet. Der Preis pro Kilometer liege zwischen zwischen 2,75 und 3,40 Euro. Diese würden mit den Kilometern multipliziert und die Einnahmen aus den Fahrten und aus Zuschüssen abgezogen. Dass die fehlenden Einnahmen irgendwann nicht mehr wie bislang aus Rücklagen ausgeglichen werden könnten, sei absehbar gewesen, sagte Overath. Doch der starke Anstieg auf 380.000 Euro hänge mit der Pandemie zusammen. „Corona hat ein größeres Loch in die Kasse gerissen als erwartet“, sagte er. Zusätzlich hätten die Tariferhöhungen bei den Busfahrern von sieben bis zehn Prozent zur Kostensteigerung beigetragen. Die Einbußen im Jahr 2020 hätten bei 50 Prozent gelegen. Sie seien zwar durch den Rettungsschirm des Landes ausgeglichen worden. „Niemand weiß, wie sich 2021 entwickelt und ob es wieder einen Rettungsschirm gibt. Deshalb haben wir uns für die Hochrechnung an 2020 orientiert.“

Wilfried Niemeyer (CDU) sagte, das Defizit von 380.000 Euro sei erschreckend. Er wollte wissen, ob es Möglichkeiten zur Einsparung gebe, ob etwa alle Linien weiter genutzt werden müssten. Overath sagte, die MHV überprüfe stets die Nachfrage und Taktung. „Wir sitzen da immer zwischen Baum und Borke.“

Bei seinen Erklärungen zum Schülerticket Westfalen machte der Verkehrsfachmann zunächst den Unterschied zu den üblichen Schülerfahrkarten deutlich. Diese bekommt nur wer einen Anspruch nachweisen kann. Bei Grundschülern gilt als Kriterium eine Entfernung von mindestens zwei Kilometern, bei Schülern der Sekundarstufe 1 (bis Klasse 10) sind es 3,5 und in der der Sekundarstufe 2 (Oberstufe) 5 Kilometer. „In Preußisch Oldendorf trifft das auf etwa 500 Schüler zu“, sagte Overath. Zwar dürften die Schüler inzwischen mit dem so genannten „Chillticket“ auch zu bestimmten Zeiten in der gesamten „Chill Area“ (dem gesamten Kreis) unterwegs sein. Doch das neue Schülerticket Westfalen böte noch erheblich mehr: „Damit können die Schüler rund um die Uhr 365 Tage im Jahr in ganz Westfalen fahren, von Petershagen bis Dortmund und von Olpe bis Enschede.“ Overath nannte weitere Vorteile: Das „Taxi Mama“ werde nicht mehr benötigt., auch der Besuch eines getrennt lebenden Elternteils wäre problemlos möglich, ohne sich Gedanken um die Tageszeit und die Entfernung machen zu müssen.

Laut Overath gibt es zwei Varianten, wie das Schülerticket Westfalen an Schulen umgesetzt werden könne. Beim Fakultativmodell zahlen die Eltern anspruchsberechtigter Schüler einen geringeren Eigenanteil (12 Euro, und 6 Euro für jedes weitere Kind) als die Eltern der Schüler, die keinen Anspruch haben (36 Euro). Jeder entscheidet, ob er das Ticket erwerben möchte. Beim Soli­darmodell könnten alle Schüler das Ticket zum gleichen günstigen Preis nutzen. „Das bedeutet zwar Mehrkosten für den Schulträger, aber dafür erheblich weniger Verwaltungsaufwand, um die Berechtigungen zu überprüfen“, erläuterte er.

Für Preußisch Oldendorf hätte die Beteiligung laut Achim Overath einen weiteren Vorteil: Der Betrag von etwa 90.000 Euro, den die Tickets für 500 Schüler erwirtschaften würden, könne mit den 380.000 Euro verrechnet werden – also das Defizit an dieser Stelle senken.

Rainer Köster (AfD) wollte wissen, wie viele Kommunen mitmachen müssen, damit das Projekt nicht scheitere. „Eine“, sagte Overath und zeigte sich überzeugt: „Ich glaube, dass das Projekt bestehen bleibt. Der Druck auf mehr öffentliche Mobilität wird eher steigen.“

Jan Henrik Maschke erklärte, dass das Ziel der SPD mit dem Antrag zur Beteiligung an dem Pilotprojekt sei, die Attraktivität des Schulstandortes Preußisch Oldendorf zu stärken. „Wir wollen nicht noch mehr Schüler verlieren.“ Achim Overath berichtete, dass dieses Argument in Löhne dazu beigetragen habe, sich für das Ticket zu entscheiden. „Rödinghausen ist nicht dabei“, sagte er. Die Kommunalpolitiker müssen sich nun bis Ende März entscheiden, ob sich die Stadt am Schülerticket Westfalen beteiligen soll. Bis dahin wird das Thema noch in drei Ausschüssen und einer Ratssitzung beraten.

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