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Polin wollte 85-jährige Seniorin aus Preußisch Oldendorf um hohen Geldbetrag prellen

Trickbetrügerin muss lange ins Gefängnis

Preußisch Oldendorf/Herford (WB).Ein Geständnis führt nicht immer zu einem milden Urteil – vor allem dann, wenn man von der Polizei auf frischer Tat ertappt wird und die kriminelle Energie offensichtlich ist. Eine 31-jährige Angeklagte aus Polen, die mit dem Enkeltrick eine 85-jährige Seniorin aus Preußisch Oldendorf übers Ohr hauen wollte, muss jedenfalls für 28 Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht in Herford sah während der Verhandlung am Freitag wenig Reue, eine relativ stumme Angeklagte und hörte nur kurze schwammige Antworten auf die vielen Fragen der Richterin.

Bärbel Hillebrenner

Symbolbild Foto: dpa

Seit drei Monaten sitzt die Frau in Untersuchungshaft – somit wurde sie mit Fußfesseln und Handschellen in den Saal geführt. Ihre Mutter, extra aus Polen angereist, weinte bei dem Anblick. Es sollten nicht die einzigen Tränen sein. Gewerbsmäßig und in einer Bande soll die Angeklagte gehandelt haben – doch war sie wohl nur die Botin, die das Geld holen sollte. Im Hintergrund, so schien es dem Gericht »lebensnah und üblich«, steht vermutlich eine ganze Bande – doch Namen der Hintermänner wollte die Polin aus Angst nicht nennen.

In Breslau angeheuert

Sie selbst war es jedenfalls nicht, die am 31. Juli die alte Dame aus Preußisch Oldendorf morgens angerufen hatte. Ihr wurde vorgegaukelt, dass es die Schwiegertochter sei, die für einen Immobilienkauf sehr schnell 25.000 Euro benötigte. Über mehrere Stunden wurde sie in zahlreichen Anrufen unter Druck gesetzt, bis sie schließlich einwilligte und 15.900 Euro bereithielt. Eine Taxifahrerin aus Bünde wurde telefonisch von den Betrügern beauftragt, den Umschlag zu holen – mit angeblichen Dokumenten. Die Angeklagte, die für den Enkeltrick in Breslau, ihrer Heimatstadt, angeheuert worden war, sollte das Geld in Empfang nehmen und an die Hintermänner weiterreichen. Dazu kam es nicht. Die Taxifahrerin wurde misstrauisch: Sie befühlte den Jutebeutel und ahnte, dass es sich nicht um Dokumente, sondern um einen Batzen Geld handelte. Nur ihrer Initiative war es zu verdanken, dass die Polizei am Übergabeort in Bünde zuschnappen konnte.

Bei der Vernehmung kam heraus, dass die alleinerziehende Polin Geld für sich, ihre vier Kinder und die Mutter brauchte – und sich deshalb auf den Betrug eingelassen hatte. Sie bekam ein Handy, 400 Euro und die Zusage, zehn Prozent von der Beute zu bekommen. Sie fuhr nach Bielefeld, quartierte sich in einem Hotel ein und bekam dort ihre telefonischen Anweisungen. Scheinbar kannte sie den Enkeltrick, denn in einem ähnlichen Betrugsfall war sie bereits verurteilt worden – auf Bewährung, die nun widerrufen wird. Wie die Richterin aus dem Strafregister aufzählte, war die Frau polizeibekannt. »Die Strafen haben Sie aber wohl nicht beeindruckt«, sagte die Richterin. Das sah nach der Verlesung des Urteils anders aus: Die 31-Jährige begann zu weinen und zu jammern, hörte der Begründung kaum mehr zu. Mit der anderen Strafe hat sie nun vier Jahre im Knast vor sich.

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