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Schreiben des Ordnungsamtes verärgert Grundstückseigentümer

Unkraut rupfen soll Pflicht werden

Preußisch Oldendorf (WB). Dass im Winter der Schnee vor der eigenen Haustür entfernt werden muss, ist bekannt. In Preußisch Oldendorf sind Bürger jetzt zum Unkrautjäten aufgerufen. Sie sollen den kombinierten Geh-und Radweg an der Ortsdurchfahrt im Stadtteil Hedem säubern, einschließlich der Bankette. Das sorgt für Verdruss.

Kai Wessel

Da gibt’s viel zu tun: Grundstückseigentümer sollen die Ortsdurchfahrt in Preußisch Oldendorf-Hedem von Unkraut befreien – eine Mammutaufgabe. Foto: Kai Wessel

Vor wenigen Tagen hatte der SPD-Ortsverband die Stadtverwaltung auf starken Unkrautbewuchs in den Ortsteilen Schröttinghausen und Hedem hingewiesen. Bushaltestellen und Gehwege seien betroffen. Die Genossen mahnten eine Verbesserung der Situation an. Die Stadt reagierte prompt – zumindest, was die Gehwege betrifft. Sie forderte die Grundstückseigentümer entlang der Ortsdurchfahrt Hedem mit Verweis auf die Straßenreinigungssatzung zum Grüneinsatz auf – und das »zeitnah«. Das Schreiben des Ordnungsamtes flatterte in die Briefkästen von einer Handvoll Familien.

Bürger sind sauer

In Hedem sorgt es für Unmut: »Die betroffenen Bürger sind sauer«, sagt Friedhelm Koch, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. Vor den bebauten Grundstücken ist der Gehweg nämlich akkurat gepflegt. Doch an der Ortsdurchfahrt (einige 100 Meter lang) gibt es rechts und links unbebaute Grundstücke und landwirtschaftliche Flächen. Dass die Besitzer dieser Flächen sich nun zusätzlich um das Unkraut auf dem Rad- und Gehweg an der Kreisstraße kümmern sollen, hält Friedhelm Koch für problematisch. »Das sind ja nicht nur ein paar Meter, das ist eine gewaltige Aufgabe. Wenn sich hier einer an die Arbeit macht, braucht er mindestens zwei Tage, bis er fertig ist.« Damit nicht genug: Das Unkrautrupfen auf der Straßenseite, wo kein Gehweg ist, hält Koch für extrem schwierig: »Wenn man da nicht aufpasst, kann man von einem Auto erfasst werden.« Ohne entsprechende Absicherung sei jeder Arbeitseinsatz auf dem schmalen Grünstreifen lebensgefährlich, so Koch. Er sieht Gesprächsbedarf.

Buß- oder Zwangsgeld droht

Die Stadt bislang nicht. Bürgermeister Marko Steiner erklärte am Mittwoch, dass er in der Unkrautfrage wenig Spielraum sehe. Das Ordnungsamt habe sich an der Straßenreinigungssatzung orientiert. An der gäbe es kein Vorbei: »Mit jeder Ausnahme würde man einen Präzedenzfall schaffen.« Sollten die aufgeforderten Bürger nicht handeln, könnte ein Buß- oder Zwangsgeld drohen. Die Option, den Bürgern mit technischem Gerät der Stadt auszuhelfen, beispielsweise mit Fugenkratzer oder Fugenbürste, sieht der Bürgermeister nicht: »Wir können unsere Ausrüstung leider nicht verleihen.« Steiner wies aber darauf hin, dass die zwei völlig verkrauteten Bushaltestellen Sache der Stadt seien. Man sei bislang aber noch nicht dazu gekommen, dort aktiv zu werden.

Der Kreis kann beim Jäten und Rupfen an der K 84 übrigens nicht helfen. Sprecherin Sabine Ohnesorge erklärte die Nichtzuständigkeit. Es handele sich zwar um eine Kreisstraße, aber: »Wir kümmern uns nur außerorts um die Pflege. In der Ortsdurchfahrt ist das Sache der Stadt.« Und wie die Stadt das regele, das bleibe ihr überlassen.

Mit solchen Schreiben fordert das Ordnungsamt der Stadt Preußisch Oldendorf die Grundstücksbesitzer zum Grüneinsatz auf. Foto: Kai Wessel

Kommentar

Wer schon einmal den Gehweg vor seinem Haus auf Knien von Unkraut befreit hat, wird wissen, wie anstrengend das sein kann. Da reichen ein paar Meter Gehweg, um tüchtig ins Schwitzen zu kommen. Im Preußisch Oldendorfer Stadtteil Hedem sollen jetzt ein paar Bürger eine Strecke von beachtlicher Länge säubern. Allein aus dem Grund, weil ihnen die Freiflächen entlang der Ortsdurchfahrt gehören. Dass bei den Betroffenen Unmut sprießt wie Löwenzahn ist verständlich.

Laut Straßenreinigungssatzung sind Bürger für die Reinigung des Gehwegs vor ihrer Haustür zuständig. Das ist nicht nur in Preußisch Oldendorf so. Doch es gibt immer wieder Streit- oder Härtefälle, die nicht selten vor Gericht landen. Die Stadtverwaltung in Preußisch Oldendorf wäre gut beraten, wenn sie es nicht so weit kommen lässt. Immerhin zahlen die Bürger ihrer Stadt mit die höchsten Grundsteuern in Ostwestfalen-Lippe.

Sollte die Stadt auf der Straßensatzung beharren, käme für die betroffenen Bürger im Winter wohl auch noch der Schneedienst auf dem Gehweg hinzu. Den sollen bislang Mitarbeiter des Bauhofs erledigt haben, heißt es aus Hedem. Kai Wesse

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