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ZDF-Sendung würdigt den Einsatz von Nicole und Frank Pape aus Preußisch Oldendorf

„Wir sehen uns nicht als Helden“

Preußisch Oldendo...

Geht es nach der ZDF-Sendung „Volle Kanne“, dann sind Nicole und Frank Pape aus Getmold die „Helden 2020“. Ein ausführlicher Fernsehbeitrag – nicht der erste in diesem Jahr – widmete sich vor wenigen Tagen der Arbeit des Vereins „Ein Lächeln für dich“. Seit März 2014 begleiten die Papes schwer kranke Menschen, ihre Lebenspartner, Eltern und Geschwister in ihrem Leben und Erleben von Abschied, Trauer, Angst und Hoffnung. Dass ihr Wirken in diesem Jahr noch viel mehr Menschen als sonst angerührt hat, liegt auch an einem Spielfilm, der im September in die Kinos kam.

Stefan Lind

Nicole und Frank Pape berichten in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ über ihre Arbeit. Die Redaktion des Magazins ernennt sie zu „Helden 2020“. Foto:

„Gott, du kannst ein Arsch sein“ beruht auf dem gleichnamigen Buch von Frank Pape. Er hat darin die 296 Tage im Leben seiner damals 15-jährigen Tochter Mary (im Buch heißt sie Steffi) von der Krebsdiagnose bis zu ihrem Tod mit 16 Jahren beschrieben. Es erschien im Februar 2015 und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller.

Irgendwann wurde Filmproduzent Tommy Wosch auf die anrührende Geschichte mit dem provokanten Titel aufmerksam. Ihm gelang es, eine hochkarätige Riege an deutschen Schauspielern zu verpflichten. Til Schweiger (er spielt Frank Pape) Sinje Irslinger (Steffi), Heike Makatsch, Jürgen Vogel, Benno Fürmann, Jasmin Gerat und Dietmar Bär sind unter anderem mit von der Partie. Wosch, der auch als Drehbuchautor mit im Boot ist, hat sich bei der Story einige künstlerische Freiheiten erlaubt – stets jedoch in enger Absprache mit Frank Pape. Der findet es faszinierend, dass ein Film mit einem solchen inhaltlichen Schwergewicht so leicht daher kommt: „Das ist eine Liebeserklärung ans Leben.“ Zum Start im Herbst lief der Film in 450 Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nicole und Frank Pape luden Freunde und Weggefährten zu lokalen Premierenfeiern ein, unter anderem in Bünde.

War es seltsam, sich selbst auf der Leinwand zu sehen, dargestellt von Til Schweiger? „Nein, gar nicht“, sagt Frank Pape. „Ich habe mich in ganz vielen Situationen wiedererkannt, aber das merke ja nur ich, nicht das Publikum.“ Die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler während der Dreharbeiten sei eng gewesen, „ich habe Til sehr schätzen gelernt.“

Nicole Pape freut sich darüber, dass es gelungen ist, über die Medien mehr Menschen mit ihrem Anliegen vertraut zu machen,. Aber sie sagt auch: „Wir werden im Fernsehen als Helden bezeichnet. Aber so sehen wir uns gar nicht. Die Menschen, die den Mut aufbringen, uns anzurufen oder zu uns zu kommen, sind die wahren Helden.“

Die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie haben die Arbeit in Getmold natürlich beeinflusst. „Aktuelles Beispiel ist eine Frau, die über Weihnachten zu uns kommen wollte, um nicht allein zu sein. Sie hat nur noch wenige Monate zu leben. Jetzt aber hat sie es sich anders überlegt“, sagt Nicole Pape. Andere dagegen lassen sich von ihrem Wunsch nicht abhalten: „Eine Frau, die schon drei Anläufe gemacht hatte, bei denen immer etwas dazwischen kam, ist nun tatsächlich bei uns eingetroffen.“

Nicole und Frank Pape ist es wichtig, kranken, ja todkranken Menschen ein Gefühl der Gemeinschaft zu geben, sie an einem Familienleben teilhaben zu lassen, das sie womöglich schon seit vielen Jahren gar nicht mehr gekannt haben. „Die Zahl der Anfragen steigt stetig“, weiß Nicole Pape, auch und gerade nach dem Film. Es sei schon vorgekommen, dass jemand unangekündigt vor der Tür gestanden und gesagt habe: „Ihr seid doch die, wo man sterben kann.“ Auf der Homepage des Vereins liest sich das so: „Wir geben Menschen, die sich auf ihre letzte Reise vorbereiten müssen, einen Ort, an dem sie liebevoll begleitet werden.“ Der Umgang mit Hunden und Pferden auf der weitläufigen Anlage in Getmold soll dabei helfen. Frank Pape formuliert es so: „Die Betroffenen brauchen einen Rückzugsort, an dem sie mal nicht stark sein müssen.“

Die Eheleute haben vor, sich zu vergrößern, aber nur vorsichtig, um das familiäre Miteinander nicht zu beeinträchtigen: „Wir können maximal sieben schwer Erkrankte hier betreuen.“ Geplant ist, neue Gästezimmer zu errichten, außerdem soll im kommenden Jahr ein Café hinzu kommen als neuen Ort der Begegnung. Da es seit gut einem Jahr eine Kaffeerösterei und einen Chocolatierbereich auf dem Gelände gibt, wäre das eine ideale Ergänzung.

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