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Familie Hartmann gibt nach mehr als 175 Jahren das Traditionshaus auf

Abschied vom Ulmenhof

Rahden (WB). Wie alt die Gaststätte Hartmann an der Mindener Straße tatsächlich ist, kann Friedrich-Wilhelm Hartmann nicht genau sagen.

Michael Nichau

Das letzte Bier ist im Traditionshaus gezapft: Ute und Friedrich-Wilhelm Hartmann an der Theke des Ulmenhofs. Foto: Michael Nichau

Das wohl älteste Foto, das den Ulmenhof zeigt, stammt vermutlich aus der Kaiserzeit. Die Ulmen sind dort als kleine Bäumchen zu sehen, die sich noch entwickeln müssen.

181 Jahre in der Familie

Und auch das Datum der Aufstockung, aus der sich die heutige Ansicht des Hauptgebäudes ergibt, ist nicht mehr festzustellen. Jetzt endet eine Tradition: Der „Ulmenhof“ war seit genau 181 Jahren im Besitz der Familie Hartmann, die ihn auch immer selbst bewirtschaftet hatte. „Früher hieß das Löhr und die letzte Frau Löhr hatte den Rahdener Hartmann geheiratet“, sagt dessen Nachfahre Friedrich-Wilhelm Hartmann.

Übergabe am 5. Januar

Er gibt das Wirte-Dasein auf: „Mit 64 Jahren ist jetzt Schluss. Die Übergabe an den neuen Eigentümer erfolgt am 5. Januar“, sagt Hartmann, der am 14. und 15. Dezember das Lokal zu den letzten Festlichkeiten öffnete: Am Sanstag war der Schützenverein Stelle-Stellerloh zu Gast und feierte Advent. Am Sonntag nahm der Sozialverband Rahden mit einem Frühstück Abschied von seinem „Vereinslokal“.

Keine nachfolge

„Es fällt mir schwer zu sehen, dass kein Nachfolger da ist“, meint Hartmann mit viel Wehmut. Seine Töchter Jennifer und Tanja hätten sich letztlich nicht dazu entschließen können. Und noch schwerer fällt der Verkauf des Mobiliars der Gaststätte und des Restaurants. „Vieles haben wir schon verkauft“, sagt Hartmann.

An der Theke

Zentraler Punkt der Gaststätte sei immer „das Brett“ gewesen. So hätten viele Gäste die Theke genannt, an der so manches Bier getrunken sowie geknobelt und geklönt wurde. Bald wird ausgeräumt, denn der neue Eigentümer hat andere Pläne mit dem Gebäude, das erhalten bleibt: Mario Holste hat das Haus erworben und investiert. An dieser Stelle will die Dr. Bock-Gruppe eine Wohngruppe und einen Pflegestützpunkt errichten. Später sollen barrierefreie Wohnungen folgen.

Immer modernisiert

„Um- und angebaut wurde eigentlich schon immer“, erinnert sich Friedrich-Wilhelm Hartmann. 1955 wurde der Saal angebaut, 1988 folgten Kegelbahn und Restaurant, nachdem die Schankwirtschaft und ein Lebensmittelladen bereits in vierter Generation geführt wurden.

„Alles haben die Hartmanns gebaut“, erinnert er sich. Und auch mit den Baumaßnahmen verknüpft sich so manche Anekdote: „Als 1979 die Gaststätte mit viel Aufwand umgebaut wurde, halfen die Stammgäste bei den Bauarbeiten mit. Der Ausschank erfolgte im Saal und bis tief in die Nacht wurde nicht immer nur gearbeitet . . .“, erzählt Hartmann von früheren Zeiten.

Seit 1977 dabei

Seit 1977 ist er „im Geschäft“ gewesen. 1983 heiratete er seine Frau Ute (59). Das Wirte-Ehepaar bleibt im Ortsteil Stelle wohnen. „Wir ziehen in unser Mehrfamilienhaus auf dem Grundstück“, kündigt Friedrich-Wilhelm Hartmann an.

Schwer gefallen sei ihm auch die Fällung der doch sehr alten Ulmen vor dem Gebäude. „Das war aber notwendig, das erkennt man auch, wenn man die hohlen Stämme anschaut. Die waren mit Pilzen befallen. Da hätte schon Schlimmes passieren können“, sagt er heute.

„Immer eine Familie“

Das Traditionshaus war sein Leben und seine Gäste wie eine große Familie für ihn gewesen. Dazu gehörte sei zehn Jahren auch Labrador „Luke“, der seinen Platz in der Nähe der Theke gefunden hatte. Ein Familienhund eben, der sich die Streicheleinheiten der Gäste nicht entgehen ließ.

Trotz aller Traurigkeit über die Schließung des Familienbetriebes zieht Hartmann eine positive Bilanz: „Es hat immer Spaß gemacht und war nie langweilig.“ Mit allen Gästen und auch der Barre Brauerei habe man ein gutes Verhältnis gehabt. „Viele sind in den vergangenen Tagen gekommen und haben sich von uns verabschiedet“, sagt er.

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