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Frau aus Rahden verliert Klage gegen Gynäkologen

Arzt haftet nicht für Schwangerschaft

Rahden (WB/ca). Es kommt gelegentlich vor, dass Gerichte Ärzte zu Unterhaltszahlungen für Kinder verpflichten – etwa wenn eine Sterilisation nicht fachgerecht vorgenommen wurde und deshalb ein Kind zur Welt kam.

Der AMH-Wert wird aus einer Blutprobe bestimmt. Foto: dpa

Eine Patientin aus Rahden (Kreis Minden-Lübbecke) ist jetzt allerdings mit ihrer Klage gegen ihren Gynäkologen gescheitert. In letzter Instanz entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass dem Arzt kein Vorwurf zu machen sei.

Die Frau hatte bereits Kinder und nahm die Pille. Als sie jenseits von 40 war, ließ sie von ihrem Arzt den sogenannten Anti-Müller-Hormon-Wert (AMH-Wert) bestimmen. Der Name geht auf den Berliner Forscher Johannes Peter Müller zurück, der Mitte des 19. Jahrhunderts die nach ihm benannten Müller-Gänge (embryonale Anlagen der Geschlechtsorgane) erstmals beschrieben hat.

Der AMH-Wert gilt unter anderem als Marker für die Fruchtbarkeit. Er liegt bei jungen Frauen zwischen einem und zehn Mikrogramm pro Liter Blut, in den Wechseljahren sinkt er unter 0,4 Mikrogramm.

50.000 Euro Schmerzensgeld verlangt

Bei der Patientin aus Rahden ermittelte das Labor einen AMH-Wert von 0,1. Sie entschloss sich daraufhin, die Anti-Baby-Pille abzusetzen. Die Frau wurde ungewollt schwanger und brachte mit 45 Jahren ein weiteres Kind zur Welt.

Sie verklagte den Frauenarzt. Sie verlangte 50.000 Euro Schmerzensgeld und die Zahlung des Kindesunterhalts bis zum 18. Geburtstag. Zur Begründung erklärte die Patientin, der Arzt habe sie nicht ausreichend über die Bedeutung des AMH-Wertes aufgeklärt, und eine Praxismitarbeiterin habe ihr sagt, bei dem Wert von 0,1 brauche sie nicht mehr zu verhüten.

Keine Beweise

Die Klage hatte keinen Erfolg. Wie schon das Landgericht Bielefeld in erster Instanz stellte nun auch der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm keine fehlerhafte Behandlung fest. Den Behandlungsunterlagen zufolge habe der Gynäkologe die Frau beim ersten Gespräch über den AMH-Test auch auf die Unsicherheit des Tests und die Notwendigkeit weiterer Verhütung hingewiesen.

Dass ihr Wochen später bei der Bekanntgabe ihres AMH-Wertes von einer Mitarbeiterin fälsch­licherweise mitgeteilt worden sei, dass sie nicht mehr verhüten müsse, habe die Klägerin nicht beweisen können.

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