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Heinz Grundmann denkt nach dem Ausstieg aus der Kommunalpolitik nicht ans Aufhören

Auch mit 70 noch voller Tatendrang

Wehe

Ex-Ratsmitglied aus Rahden-Wehe engagiert sich für Heimatdorf

Peter Götz

„Unser Dorfplatz wird gemeinschaftlich von allen Gruppierungen gepflegt, das klappt recht gut“ , freut sich Heinz Grundmann über das „Wehe Aktiv“-Projekt, das für Ihn das Aushängeschild des Dorfes ist. Auch hier wird gerade eine neue Holzhütte fertiggestellt. Foto: Peter Götz

„Zur Verbesserung der Zukunftsperspektiven und zur Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum haben Bürgerinnen und Bürger mit hohem Engagement Vorbildliches geleistet.“ So oder so ähnlich lauten die Inschriften zahlreicher Urkunden an der Wand des „Wehe Aktiv-Raums“ im Obergeschoss der ehemaligen Hauptschule in Wehe. Daneben hängt, säuberlich gerahmt, ein beeindruckendes Presse-Portfolio in chronologischer Reihe.

Neben Überschriften wie „Auf Platz eins – Wehe jubelt“ oder „Weher Wappen-Wünsche“ sticht vor allem die Schlagzeile „Machtvolle Demonstration des Bürgerwillens“ ins Auge. Das Schwarz-Weiß-Foto darüber zeigt den damaligen Schulpflegschaftsvorsitzenden Dieter Echmann mit einem Megafon vor einem wahren Meer an kämpferischen Transparenten, beim Zug durch die Rahdener Innenstadt. Mit dabei sind auch Bürgermeister Wilhelm Möhring und mindestens 500 weitere Demonstranten aller Altersgruppen, die am 12. August 1989 für den größten jemals dagewesenen Demonstrationszug in der Geschichte der Stadt Rahden sorgten. Für einen der Teilnehmer ist es die erste, und, wie er sagt, bislang einzige „Demo“ – Heinz Grundmann, seit 1975 Mitglied der Christdemokraten.

Ansprechpartner

Was damals im Sommer 89 lautstark mit dem Kampf für den Schulstandort Wehe aufflammte, mündete wenige Monate später im ersten gewählten Mandat im Rahdener Stadtrat. Von da an wurde die Lokalpolitik gleichermaßen Amt und Steckenpferd, neben der Familie, dem heimischen Betrieb und der Mitgliedschaft in den Vereinen. Themen gab es stets genug, sowohl formal im Rat, wo er mehr als 31 Jahre für die CDU im Bauausschuss tätig war und jetzt am Ende der alten Legislaturperiode ausschied, als auch im dörflichen Umfeld in Wehe mit seinen 14 Vereinigungen, denen er oft und gerne als Ansprechpartner diente.

So gut wie alles, was mit Grundmanns Beteiligung an Projekten begann, wurde zu einem erfolgreichen Ende geführt. Halbe Sachen machte der gelernte Hausschlachter und Agrarwirt nicht. Außerdem bewies er stets ein Gespür dafür, welche finanziellen Töpfe im Zuge einer sinnvollen Weiterentwicklung des 1700 Einwohner zählenden Dorfes Wehe angezapft werden konnten.

Seit 2009 bekleidete Heinz Grundmann das Ehrenamt des Ortsvorstehers. Hier hatte er die Vision, das dörfliche Gemeinschaftsleben nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erweitern. Selbst die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken sind und waren für den Macher Grundmann genauso selbstverständlich wie das Versammeln aller Weher Vereine unter dem Dach des Vereins „Wehe Aktiv e. V.“.

Hier werden auch heute noch die Energien für wichtige Aufgaben in der zukunftsorientierten Gestaltung des Ortes gebündelt, hier treffen sich die „Aktivposten“ der Vereine zur Beratung und Planung – auch über die politischen Parteigrenzen hinweg.

Dorfwettbewerbe

Seit dem Jahr 1985 beteiligten sich die Weher an Wettbewerben des Kreises oder an Landeswettbewerben der Landwirtschaftskammer Westfalen Lippe. Dafür erhielten sie regelmäßig Auszeichnungen für vorbildliche Leistungen um den Erhalt dorfgerechter Strukturen und der Schaffung von Zukunftsperspektiven für die Einwohner und die örtlichen Betriebe. Zuletzt errang Wehe im Jahr 2017 den 1. Preis der Gruppe B im Mühlenkreis.

Solche Erfolge kommen natürlich nicht von alleine, gehen nicht auf das Konto eines Einzelnen, sondern sind vor allem das Ergebnis einer lebendigen Dorfgemeinschaft, sprich einer guten Kommunikation und Koordination innerhalb der ansässigen Gruppierungen. Dazu braucht es noch ein mutiges und doch umsichtiges Konzept für die Zukunft der Gemeinde – eine Herzensangelegenheit für Heinz Grundmann. So wurde auf sein Betreiben hin ein Dorfentwicklungsplan teilweise heftig diskutiert und letztlich auf den Weg gebracht.

„Das kostete natürlich Geld, aber ab diesem Zeitpunkt konnten wir unsere Projekte vernünftig planen, unsere Eigenleistungen koordinieren und somit viele Tausend Euro durch unsere Arbeit und unsere Geräte mit einbringen und somit Geld sparen“, erläutert der ehemalige Ortsvorsteher.

Im Ergebnis war dies ein Glücksfall für Wehe, wo es sogar mehrere „Dorfmittelpunkte“ gibt. Zum einen ist da der gemeinschaftlich gepflegte Dorfplatz mit der 1000-jährigen Eiche als Treffpunkt für gesellige Anlässe, nebst historischem Schlauchturm und modernem Feuerwehrhaus. Dann gibt es die ehemalige Schule mit Familienzentrum, Turnhalle und Spielplatz, wo der Kindergarten untergebracht ist und die örtlichen Vereine eigene Räume bezogen haben.

15 neue Bauplätze

Nicht zuletzt gibt es die liebevoll originalgetreu restaurierte Bockwindmühle mit Backhaus und Kulturscheune unter der Regie des Heimatvereins, wo besonders Kultur und Brauchtum gepflegt werden. Mit dem Landmarkt Wiegmann findet sich in Wehe sogar noch ein Einkaufsladen, der in dörflichen Gebieten längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Hinzu kommen die 15 neuen Bauplätze, die in den vergangenen vier Jahren in Wehe geschaffen und auch bebaut wurden – eine wichtige Investition in die Zukunft.

Aktuelle Weher Projekte sind der Bau eines Dorfgemeinschaftshauses auf dem Schützengelände und die Neugestaltung des Friedhofs. Trotz seines „politischen Ruhestands“ beteiligt sich Heinz Grundmann daran mit Leib und Seele – und sei es nur mit einer Ladung Thermoskannen, gefüllt mit koffeinhaltigen Heißgetränken, die er den fleißigen Heckenpflanzern auf dem Friedhofsgelände zum Aufwärmen vorbei bringt.

Ruhig wird es auch nach Heinz Grundmanns 70. Geburtstag nicht werden, nicht für ihn und nicht um ihn herum: „Besonders gefreut habe ich mich über die vielen Glückwünsche und Besuche anlässlich meines Geburtstags. Obwohl ich niemanden eingeladen hatte, haben zwischen 9 und 21 Uhr beinahe 60 Gratulanten angeklopft, natürlich nicht gleichzeitig, sondern über den Tag verteilt, was ja auch auf Grund der Corona-Bestimmungen nicht anders ging. Vielen Dank an alle meine Freunde und Mitstreiter, es gibt noch viel zu tun.“

„Auch nach meinen politischen Mandaten gibt es in Wehe viele Aufgaben, die es zu bewältigen gilt“, betont Grundmann. „Wir müssen die Digitalisierung voran bringen, unser Vereinsleben für die jungen Generationen attraktiv machen, also modernisieren, ohne den Bezug zur Tradition zu verlieren. Ich habe 31 Jahre Erfahrung aus meiner Ratstätigkeit, die ich gerne weiterhin aktiv in Wehe einbringen werde.“

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