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Kulturfrühstück: Detthard Wittler trägt Werke des Wiedensahler Dichters vor

Busch, wie ihn kaum jemand kennt

Rahden (WB). Es wird wohl nur sehr wenige unter der geneigten Leserschaft dieser Zeitung geben, denen der Name Wilhelm Busch nicht geläufig ist. Der „Vater“ von Max und Moritz und somit auch Urheber der ersten deutschsprachigen Comic-Geschichte berührt seit Generationen nicht nur die Jugend mit seinem schwarzen Humor und den unkonventionellen, frechen und tiefgründigen Reimen und Zeichnungen.

Peter Götz

Detthard Wittler liest Busch: Das ist immer wieder ein Erlebnis, denn der Rahdener trägt nicht nur vor, sondern interpretiert die Gedichte und Werke des Wiedensahler Dichters. Foto: Peter Götz

Allen voran natürlich Detthard Wittler, dessen Popularität als Kulturschaffender und -botschafter im Raum Rahden und Umgebung für ein ausverkauftes Mühlenhäuschen gesorgt hat. Friedrich Schepsmeier hat im ausklingenden Geklapper von Geschirr und Besteck des reichhaltigen Frühstücksbuffets das einleitende Wort ergriffen und die Besucher des Kulturfrühstücks in Wehe begrüßt.

Auch ohne Hut und Rauschebart holte Detthard Wittler den Wiedensahler Literaten mit auf das Podium, und zwar eben nicht mittels wohlfeiler Klassiker, sondern mit markanten Auszügen aus weniger bekannten, wenn auch nicht minder spannenden Werken.

Es durfte gelacht werden, geschmunzelt und kräftig mitgesungen, wenn Wittler alias Busch sich selbst und seinem Publikum den virtuellen Spiegel vorhielt, sich gemeinschaftlich und unterschwellig an den Abgründen von Tugend und Moral des (wilhelminischen) Kleinbürgertums ergötzte.

Dazu brauchte er nicht einmal viele Requisiten: Zwei Luftballons, ein Frosch, ein Vöglein und ein Taschentuch genügten vollauf für einen gelungenen Vortrag. Zur Abrundung dienten noch ein Glas Wein und ein Schnäpschen, zwei Motive, die sich immer wieder durch das reichhaltige literarisch-satirische Werk von Wilhelm Busch ziehen.

„Ich habe mir für den heutigen Vortrag einerseits den relativ unbekannten jungen Busch rausgesucht, insbesondere seine Zeit in München, wo er mit der Absicht hinfuhr, die Kunstakademie zu besuchen, aber sich ziemlich schnell den anderen, weniger akademischen Aspekten des Studentenlebens zugewandt hat, beispielsweise Karikaturen und Texte für die freie Presse schuf und auch das Libretto für mehrere zeitgenössische Opern seines musikalischen Kollegen Krempelsetzer lieferte“, erläuterte Wittler.

Andererseits gab es Auszüge aus Gedichtbänden wie „Kritik des Herzens“ oder „Schein oder Sein“, die teilweise ein Rumoren unter den Lesern auslösten, abgerundet durch postum veröffentlichte Lyrik aus dem Spätwerk des 1908 verstorbenen Künstlers.

Wittler beschloss seinen Vortrag mit einer „Laut- und Wortsonate“ die aus allen Bildergeschichen zusammengestellt das Gesamtwerk seines Wilhelm Busch repräsentieren – „Busch complete“, sozusagen.

Beim Heimatverein Wehe geht es am 21. Februar weiter mit einem Vortrag zum Thema „Heuerlingswesen“ von Karin Keller und Karl-Heinz Tiemeier. Zudem konnten Friedrich Schepsmeier und sein Team für den 5. September ein weiteres musikalisch-literarisches Bonbon verpflichten, das noch gesondert angekündigt werden soll.

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