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Dersa-Kino will erst zur Jahresmitte öffnen – Betrieb mit reduzierter Besucherzahl ist nicht rentabel

„Die Verleiher liefern keine Filme“

Rahden

„Dass es kein gutes Jahr werden würde, war schon klar“, meint Alexander Thye, Betreiber des Dersa-Kinos Rahden

Michael Nichau

Das Dersa-Kino in Rahden. Der Betrieb mit den fünf Vorführsälen wird wohl erst zur Jahresmitte wieder öffnen. Foto: Dersa Kino

. Seit März 2020 ist das Filmtheater, das über mehrere Säle verfügt, komplett geschlossen.

„Von Insolvenz, wie immer wieder ein Gerücht in Rahden aufkommt, kann überhaupt keine Rede sein“, sagt Thye, der in Damme eine Firmengruppe mit Lichtspielhäusern und mobilen Veranstaltungen leitet, auf Anfrage dieser Zeitung.

Bewusst habe er sich dazu entschieden, die Kinos in Damme und Rahden komplett für die Zeit des Lockdowns zu schließen. Schon vor der Pandemie hatte er die Kino-Immobilie in Soltau verkauft. „Das Grundstück bot keine Erweiterungsmöglichkeiten und mit zwei Sälen kann man heute nicht mehr existieren“, erläutert er.

Aleyander Thye, Dersa Kino Rahden Foto: privat

Thye rechnet damit, im Mai oder Juni wieder komplett aufmachen zu können. „Es bringt nichts, hur halb zu öffnen oder nach kurzer Zeit wieder zu schließen“, sagt er. Denn: Die Film-Verleihfirmen haben derzeit keine Filme zur Verfügung. „Jedenfalls keine Kassenschlager, mit denen es sich in Großkinos profitabel arbeiten lässt“, meint Alexander Thye.

So hätten die Verleiher die Premiere des neuen James Bond-Films bereits mehrfach verschoben. „Die wären dumm, solch einen Film zu präsentieren, wenn die Kinos geschlossen sind.“

Zwar würden kleine Familien-Kinos auch in der Pandemie unter Hygiene-Vorschriften für wenige Besucher öffnen. „Das bringt uns aber nichts“, sagt Thye, der derzeit auf Mallorca Autokino-Events vorbereitet. Auch in Rahden und Minden soll es im Sommer wieder Autokino und Open Air-Kino geben, „wenn wir das wieder anbieten dürfen“, sagt er.

„Wir werden als letzte Einrichtungen wieder öffnen dürfen“, ist sich der Kino-Betreiber sicher. „Die Entscheidung, komplett zu schließen, war richtig“, sagt er. Von den Teilzeitkräften habe man sich damals trennen müssen. Jetzt sucht Alexander Thye für den Neustart schon wieder (vorsorglich) nach Personal.

„Wir existieren derzeit vom Überbrückungsgeld der Regierung. Damit können wir die Fixkosten zum Großteil auffangen“, erläutert er. Doch werde manches nicht berücksichtigt, wie etwa Kredit-Tilgungsraten an die Geldinstitute. „Die werden nicht übernommen.“ Und auch kämen die Hilfen nicht wirklich zeitig. „Die September-Hilfe wurde im Januar ausgezahlt“, bemerkt Thye. „Wir schaffen das, und ich denke nicht, dass das klassische Kino mit der Pandemie tatsächlich aussterben wird.“

Sicherlich würden in der ersten Zeit noch Vorbehalte wegen möglicher Infektionen existieren. „Doch das Kino-Erlebnis kann man nicht nehmen.“

Bei zu niedrigen Einnahmen hätten Großkinos wie in Rahden ein Problem. „Die ersten 6000 Besucher bringen gerade die Fixkosten wieder herein. Erst dann wird wieder Geld verdient“, erläutert Thye. Eine Öffnung mit begrenzten Zuschauerzahlen würde nicht die erforderlichen Einnahmen bringen. „So werden wir erst aufmachen, wenn tatsächlich genügend Kinos wieder ihre Türen öffnen“, sagt der Kino-Betreiber aus Damme.

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