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Rahdener Politik will wachsam bleiben – Proteste waren entscheidend

Ein gewisses Misstrauen bleibt

Rahden (WB). MKK-Vorstand und Landrat haben am Freitag für eine Überraschung gesorgt, als sie erklärten, dass sie den aktuellen Entwurf des Medizinkonzeptes nicht weiter verfolgen wollen. (siehe Seite Lübbecke). Natürlich ist das in Rahden kommentiert worden:

Elke Bösch

Bei Dreharbeiten des Fernsehens hat es eine kleine Demonstration der Initiativgruppe gegen die Pläne der MKK gegeben. Foto: Nichau

»Das ist ein Ding. Unser Widerstand hat sich gelohnt«, freute sich Hans Waltemate vom Sozialverband Rahden, »Ich bin glücklich, dass die Proteste der Bevölkerung, eine solche Wirkung gezeigt haben«, reagierte Dr. Dierk Schulte auf die Nachricht.

Wolfgang Hesse erreichte die Kunde an seinem Geburtstag: »Ich freue mich, dass unser Krankenhaus als Portalklinik erhalten bleibt. Auch der Betrieb der Rettungswache des Kreises ist sichergestellt. Den Verantwortlichen ist für diese Entscheidung Respekt zu zollen und den vielen Akteuren bei den Prostesten Dank und Anerkennung. Ich bin mir sicher, dass der Druck der Bevölkerung für den Erhalt des Hauses in Rahden und der beiden Stationen in Lübbecke einzutreten, der mitentscheidende Faktor war.«

»Allianz der Vernunft«

»Diese Entwicklung ist ein Schritt in die richtige Richtung«, bewertete Bürgermeister Bert Honsel die Nachricht. »Ich bin stolz auf diese Bewegung im Altkreis, auf den Zusammenhalt in der Bevölkerung, in der Politik und der Einigkeit der Bürgermeister. Das ist eine Allianz der Vernunft, die zum Erfolg geführt hat.«

»Wir freuen uns, dass der Protest Früchte getragen hat und dieses unausgegorene Konzept vom Tisch ist. Trotzdem bleibe ein gewisses Misstrauen und wir werden die Entwicklung genau beobachten.« Denn das Thema Umstrukturierung sei noch nicht vom Tisch, meinte CDU-Fraktionschef Guido Peitsmeier. Ihm sei noch in Erinnerung, mit welchen Winkelzügen Landrat Ralf Niermann damals die Portalklinik verhindern wollte.

»Traue dem Frieden nicht«

So ganz groß ist auch das Vertrauen der SPD-Fraktionsvorsitzende Dorothee Brandt nicht: »Das klingt erst mal positiv und erfreulich. Aber ich glaube, die richtige Arbeit kommt noch auf uns zu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass MKK und Landrat nichts von diesen Pläne umsetzen wollen. Wir müssen sehr wachsam bleiben und auch eigene Vorschläge einbringen. Ich habe ein Vertrauensproblem und traue dem Frieden nicht so ganz.« Für Brandt ist es sehr wichtig, dass die Rahdener Politiker aller Fraktionen weiter gemeinsam agieren.

Auch für Hans-Eckhard Meyer sind insbesondere die massiven Proteste aus der Öffentlichkeit ausschlaggebend für diese Entscheidung gewesen. »Aus Sicht des FDP-Kreistagsabgeordneten aus Rahden begrüße ich diese Entscheidung, die nunmehr – zumindest vorerst – die negative Entwicklung für unser Krankenhaus gestoppt hat«, sagte der Chef der Rahdener FDP-Ratsfraktion.

»Landrat hat Angst . . .«

Auch Doris Bölk ist happy, aber vorsichtig: »Das ist ein Erfolg, aber jetzt darf es keine Gespräche mehr hinter verschlossenen Türen geben. Der Landrat hat angesichts des Sturms der Entrüstung wohl Angst bekommen Damit hat er nicht gerechnet.«

Knapp und kurz reagierte Grünen-Fraktionssprecher Winrich Dodenhöft: »Prima«, lautete sein Kommentar.

»Jetzt geht das auf einmal einfach so. Gucken wir mal, was die hintenherum wieder daraus machen. Ich glaube denen kein Wort mehr und verlange zudem auch Antworten auf meine Fragen und, dass MKK-Vorstandsmitglied Dr. Kristin Drechsler ihre Aussage zurücknimmt, junge aufgeklärte Menschen wollten nicht ins Rahdener Krankenhaus. Das ist eine Verunglimpfung«, ärgert sich UfR-Fraktionschefin Gundel Schmidt-Tschech.

»Kaum zu glauben, hoffentlich wahr«, mailte Kinder-und Jugendarzt Dr. Wolfgang Adam aus dem Urlaub in Sardinien. Sein Statement: »Danke an alle aktiven Bürger unserer Stadt, aber auch Danke an den Landrat und die MKK-Leitung, denn es ist in der heutigen Zeit auch für kommunale Krankenhäuser nicht leicht zu überleben. Mein Motto heißt: im Gespräch bleiben.«

Ein Kommentar von Elke Bösch

»Die Schlacht ist geschlagen, der Rauch hat sich aber noch nicht verzogen und der Krieg ist noch nicht gewonnen. Wer jetzt in Minden denkt, dass es ein kollektives Aufatmen in Rahden und Umgebung gibt, liegt falsch. Natürlich sind die Menschen, ist die Politik erst einmal erleichtert, dass der Vorstand der Mühlenkreiskliniken (MKK) und Landrat Dr. Ralf Niermann, das Medizinkonzept zwar noch nicht entsorgt haben, aber zumindest neu beraten wollen. Das ist ein guter Anfang. Und dass nicht alles beim Alten bleiben kann, dass die MKK auf die Herausforderungen reagieren müssen, sollte allen klar sein. Allerdings muss dieser Anfang zwingend bedeuten, dass nicht hinter verschlossenen Türen etwas ausgeheckt wird, das völlig den Bedürfnissen der Menschen widerspricht. Und darauf wird nicht nur die Politik ein wachsames Auge haben. Noch einmal will auch die Bevölkerung eine so böse Überraschung nicht erleben. Und deshalb können MKK und Landrat gern in die Sommerpause gehen, viele Bürger werden ihnen nicht folgen, sondern wollen weiter machen. Auch die Mahnwache am Samstag, 30. Juni, wird nicht abgesagt, weil demonstriert werden soll: »Wir beobachten, was passiert bei den MKK und im Kreishaus.« Natürlich gehen die Unterschriftensammlungen noch weiter und die Listen werden dem Landrat überreicht. Kreis und MKK müssen verstehen, dass der Vertrauensverlust massiv gewesen ist. Der Heilprozess wird dauern, die Wunde ist zu tief.

Fazit: Also der Norden kann durchatmen, aber noch nicht ganz aufatmen. Denn das war nicht der erste Versuch, dem Rahdener Krankenhaus den Gar­aus zu machen und vermutlich nicht der letzte. Allerdings eins ist so gut wie sicher: Bis zu den Kommunalwahlen 2020 droht dem Krankenhaus sicher keine Gefahr. Und wer diesen Zustand gerne länger bewahren möchte, der hat 2020 ja die Landratswahl.«

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