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»KUL-TÜR«: Pianist Armin Fischer und Menü des Westfalen-Hofs begeistern Besucher

»Ein unglaublicher Hochgenuss«

Rahden (WB). Die Liebe zum Klavier reicht bei Armin Fischer im wahrsten Sinne des Wortes bis in die Zehenspitzen. Nicht nur, dass er sich auf der Bühne regelmäßig vor dem Instrument der Marke Schimmel verbeugt. Er trägt die schwarz-weißen Tasten der Klaviatur sogar auf seinen Socken.

Florian Hemann

Perfekte Paarung: Armin Fischer hat mit Witz und Musik überzeugt. Foto: Florian Hemann

Überhaupt stand der Pianist da adrett gekleidet auf der Bühne. Das Frack passte perfekt. Die Schuhe glänzten im Scheinwerferlicht mit dem Lack seines Flügels um die Wette. Anlass zu diesem Auftritt im Westfalen-Hof bot die Soirée von »KUL-TÜR«. Und es war eine ganz besondere Auflage. Seit 20 Jahren existiert die hochklassige Veranstaltung, die stets mit der besonderen Mélange aus Kultur und delikatem Menü zu überzeugen weiß.

Ein erfolgreiches Konzept

»Das Konzept wurde inzwischen von vielen übernommen«, sagte die Vorsitzende des Rahdener Kulturvereins Monika Büntemeyer nicht ohne Stolz und sprach außerdem von einem »besonderen Jahr« für »KUL-TÜR«. Denn auch der Verein als solcher feiert runden Geburtstag. 30 Jahre gibt es ihn nun schon. Und auch die zehnte Auflage des Neujahrskonzertes liegt hinter dem Verein.

Es ist erfreulich, dass Büntemeyer und ihre Mitstreiter für dieses Jahr einen ebenso besonderen Gast nach Rahden holen konnten. Denn Armin Fischer entpuppte sich als echter Glücksgriff und er sorgte für eine Premiere. Als am Ende der letzte Ton verstummte, brauchte es nicht viele Sekunden und die Zuhörer im Spiegel-Saal standen auf und applaudierten. An solche Reaktionen konnte sich Monika Büntemeyer nicht erinnern und sprach von einem »unglaublichen Hochgenuss«. Recht hat sie.

Kein klassischer Pianist

Armin Fischer ist kein klassischer Pianist, wie man ihn sich vorstellt. Er nennt sich selbst das »verkan(n)tete Genie« und besticht durch seinen Humor. Ursprünglich hätte auch aus ihm ein ganz klassischer Pianist werden können, lernte er das Klavierspiel doch schon als Kind und studierte später zudem Musik. Aber die Liebe zur Klassik kennt bei ihm auch Grenzen. »Ich hatte immer Angst sie zu lernen«, offenbarte Fischer und machte sich auch über bestimmte Konzertbesucher lustig: »Viele gehen für mehrere Stunden in die Oper Turandot, nur um diese eine Arie ›Nessun dorma‹ zu hören.« Jazz findet er aber auch nicht viel besser: »Das kann man auch mit zwei Promille spielen.« Lange Zeit musizierte er auf Kreuzfahrtschiffen. »Als Pianist in einer Bar wird man erst wahrgenommen, wenn man nicht mehr spielt. Die bekommen dann immer alle Angst. Ich beruhige die Menschen dann, dass ein Kreuzfahrtschiff nur sinkt, wenn der Kapitän Italiener ist.«

Mit einem Drei-Gänge-Menü

Zusätzlich zu den kulturellen Genüssen, kredenzte das Team des Westfalen-Hofes Genüsse für den Gaumen. Als Vorspeise gab es eine Steckrübenrahmsuppe mit Serrano-Schinkenchip, danach einen rosa Rinderrücken mit Merlot-Buttersauce an Schnittlauchschaum, Zuckerschoten und tournierten Karotten sowie als süßen Abschluss eine Variation vom Baumkuchen mit Mousse von dreierlei Kuvertüren.

Armin Fischer freute sich über die Unterstützung aus der Küche: »Selbst wenn Ihnen meine Musik nicht gefallen hat, können Sie immer noch sagen: Geschmeckt hat es trotzdem«, witzelte der Pianist. Viel Klamauk war dabei. Fischer ist aber nicht nur lustig – sondern auch ein Meister am Klavier. Sein großes Vorbild hat er dabei immer vor sich. Franz Liszt stand auch in Rahden als weiße Büste auf dem Flügel. Ähnlich dem ungarischen Pianisten lud Fischer das Publikum zum Ende ein, ihm Musikwünsche zu nennen. Von Tschaikowski und Schostakowitsch über Queens »Bohemian Rhapsody« bis hin zum »Fröhlicher Landsmann« war gefühlt alles dabei. Und Fischer gelang es daraufhin, jedes Lied ohne Noten zu spielen und die Lieder auch noch zusammen zu kombinieren. Derweil sprach er obendrein ein Gedicht. Diese bemerkenswerte Leistung begeisterte und sorgte für den Höhepunkt des Abends.

Was sein geschätzter Franz Liszt für die Klassik ist oder Udo Jürgens für die Schlagerwelt und Elton John für die Pop-Musik, ist Armin Fischer für das Kabarett – ein großartiger Pianist.

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