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Rahdener Stadtwehr hält Rückschau und ehrt aktive Kameraden

Einsätze werden arbeitsintensiver

Rahden-Preußisch Ströhen (WB). Dass das ehrenamtliche Feuerwehrengagement den Einsatzkräften unvermindert jede Menge abverlangt, ist beim Jahresschlussdienst der Rahdener Stadtwehr deutlich geworden. Mit 180 Alarmierungen gab es 17 Einsätze weniger als im Vorjahr, jedoch mit rund 1000 mehr geleisteten Stunden wesentlich mehr zu tun.

Anja Schubert

Jahresbilanz hat Rahden Wehrführer Mark Ruhnau beim Jahresschlussdienst in der Gaststätte Buschendorf gezogen. Foto: Anja Schubert

Viel Lob und Dank für das geleistete Engagement am Nächsten, für die Jugendarbeit und den immer stärker werdenden Zusammenhalt unter allen Einheiten der Rahdener Stadtwehr gab es bei der Zusammenkunft am Freitagabend.

Arbeitsvolumen vergrößert

Das Jahr der Stadtwehr in Zahlen: »Nicht nur die Anzahl, sondern auch das Arbeitsvolumen, das hinter jedem Einsatz steht, ist entscheidend«, stellte der Wehrführer angesichts der mehr als 4500 geleisteten Einsatzstunden heraus, die wieder die ganze Bandbreite der Feuerwehrarbeit abforderten. »In der Summe war damit jede Kamerad und jede Kameradin für 24 Stunden im Einsatz, wenn es darum ging, Hab und Gut, Leib oder Leben von Mitbürgern in Gefahr zu retten.«

30 Brandeinsätze, 110 technische Hilfeleistungen, 23 Falschalarme und 17 Brandsicherheitswachen galt es abzuarbeiten. Sturmeinsätze hätten erneut die Einsatzkräfte im Dauereinsatz gehalten. »Die Flächenbrände im Sommer waren nicht mehr als sonst, aber durch die lange Trockenheit des Sommers deutlich gefährlicher und größer.«

Zwölf Personen gerettet

Insgesamt konnten bei allen Einsätzen zwölf Personen gerettet, einmal eine Person nur noch tot geborgen werden. Hinzu kamen zahlreiche reguläre und Sonderdienste sowie ein nicht zu unterschätzender Zeitaufwand, der in Aus- und Fortbildung investiert wurde. »In 2018 waren dies etwa 3800 Stunden« zeigte Ausbildungsbeauftragter Carsten Kunter auf.

Vorbildliche Jugendarbeit

Andreas Berg gab als stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart einen Rückblick auf die abwechslungsreiche Jugendarbeit beider Gruppen, die von den Heranwachsenden gut angenommen würde. »Das spricht für die engagierte vorbildliche Arbeit der Betreuerteams.« Berg verwies zudem auf das große viertägige Zeltlager, dass die Preußisch Ströher Gruppe anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens am Pfingstwochenende mit mehreren Gastwehren durchführt.

188 Aktive

Mit 188 Einsatzkräften, davon zehn Frauen, sei die Feuerwehr Rahden gut aufgestellt, so der Wehrführer. 83 Kameraden hielten der Wehr in der Ehrenabteilung die Treue. In den beiden Jugendfeuerwehrgruppen erlernten 54 Heranwachsende, darunter fünf Mädchen, spielerisch das »Einmaleins« der Feuerwehrarbeit. »Nur so haben die Freiwilligen Feuerwehren auch in Zukunft Bestand.« Ruhnau und Honsel erinnerten in diesem Zusammenhang an die Verleihung des Ehrenamtspreises an die Betreuerteams der Jugendgruppen Preußisch Ströhen und Rahden.

Weiteres Gerätehaus

Dass dem Highlight des vergangenen Jahres, der Einweihung des neuen Gerätehauses Varl-Sielhorst nebst Aufstockung des Fuhrparks in absehbarer Zeit ein weiteres folgen soll, stellten Ruhnau und Honsel mit der für die Jahreswende 2020/2021 geplanten Fertigstellung der neuen Tonnenheider Einsatzzentrale ebenfalls in Aussicht. Ein weiteres Einsatzfahrzeug für die Löschgruppe Varl-Sielhorst soll bereits in diesem Sommer zur Auslieferung kommen.

Ehrenamt wichtig

Bürgermeister Honsel sprach im Namen von Rat und Verwaltung seine Anerkennung für das Ehrenamt aus. »Nicht nur bei Bränden und Verkehrsunfällen sind Sie zur Stelle, sondern auch bei Naturkatastrophen und Umweltschäden. Das erfordert immer mehr Fach- und Spezialkenntnisse, auch in der Ausbildung. Und die kostet zusätzliche Zeit, die sie von ihrer Freizeit opfern und ehrenamtlich investieren.«

»Die Stadt versucht mit ihren finanziellen Möglichkeiten das möglichste zu tun. Ich hoffe, das spüren sie«, sagte der Bürgermeister.

Kritik an Ratsmitgliedern

Auch mit Blick auf Tonnenheide habe man sich für Neubau statt Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrdomizils entschieden, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Enttäuscht zeigte sich das Stadtoberhaupt über die spärliche Präsenz der Ratsmitglieder bei der diesjährigen Zusammenkunft. »Nur vier von 37 Mitgliedern. Da hab ich mehr erwartet, damit dieses hochwichtige Ehrenamt eine entsprechende Honorierung und Wertschätzung erfährt«, machte er seinem Unmut deutlich Luft.

»Nicht alles hinterfragen«

Er mahnte, im Rat nicht jedes Detail der Feuerwehrarbeit zu hinterfragen. »Sonst kann es sein, dass freiwillige Einsatzkräfte irgendwann keine Lust mehr haben.« Man könne froh und stolz sein, dass sich solch viele Ehrenamtliche in Rahden bereitstünden. »Bei der Einführung einer Berufsfeuerwehr mit rund 65 Einsatzkräften zu je 60.000 Euro pro Jahr wären es rund 6,5 Millionen Euro allein an Personalkosten, ohne Räume und Ausrüstung«, wagte er ein Zahlenspiel.

Ehrenamtliche benötigt

»Doch auch dann bräuchten wir noch freiwillige Ehrenamtliche dazu«, stellte Kreisbrandmeister Michael Schäfer heraus. »Rahden ist ein gutes Beispiel wie zukunftsorientierte gemeinsam Entscheidungen getroffen werden. Hier lässt man auch nicht durch Gegenwind von diesem gemeinsamen Weg ab«, so Schäfer mit Blick auf die Errichtung des neuen Standortes der Löschgruppe Varl-Sielhorst in Kleinendorf.

»Wir sind für unsere Wehr auf gutem Wege«, unterstrich auch Preußisch Ströhens Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann. Die Summen, die für die Feuerwehr veranschlagt würden, erschienen Außenstehenden auf den ersten Blick teilweise sehr hoch. »Doch wir sehen, dass diese Summen gebraucht werden, es ist gut angelegtes Geld. Denn Ihr schützt ehrenamtlich unser Hab und Gut und manchmal auch unser Leben – 24 Stunden am Tag.«

Pfarrer Roland Mettenbrink, Fachberater Seelsorge und Notfallseelsorge, würdigte auch den harmonischen Gererationswechsel, für den viele junge Leute bereitstünden. »Macht weiter so«, forderte auch Jürgen Steinkamp die Wehrleute auf. Er vertrat die r Feuerwehrausschussvorsitzende Doris Bölk beim Jahresschlussdienst.

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