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Die Neuen im Landtag, Teil 6: Bianca Winkelmann (49) aus Rahden geht für die CDU in den Landtag

Familienentscheidung

Rahden (WB). Vermutlich hat keiner der anderen 198 Abgeordneten eine längere Anreise als sie. »Von unserem Bauernhof bis nach Düsseldorf bin ich mehr als dreieinhalb Stunden unterwegs«, sagt Bianca Winkelmann (49), die als Neue für die CDU im Parlament sitzt.

Christian Althoff

Hartmut und Bianca Winkelmann in ihrem Rinderstall: Die 49-Jährige wurde am 14. Mai in den Landtag gewählt. Foto: Oliver Schwabe

Sie muss den Zug um 6.05 Uhr in Rahden erreichen, wenn sie um 10 Uhr im Landtag sein will. Aber Bianca Winkelmann ist das frühe Aufstehen gewohnt. Denn bisher stand sie morgens um 6 mit Gummistiefeln im Stall, um die Bullen zu füttern. Nach dem Frühstück kümmerte sie sich um die Buchhaltung des Familienbetriebs: »Bis zu drei Stunden am Tag. Die EU zwingt uns schon zu einer Menge Bürokratie, aber NRW-Umweltminister Remmel hat noch eine Schüppe draufgelegt.«

Der Hof im Stadtteil Preußisch Ströhen ist seit 1588 in Familienbesitz. Der Liebe wegen zog Bianca Winkelmann vor 26 Jahren aus einem Nachbardorf hierher und heiratete Hartmut Winkelmann, der heute 56 ist.  Sie hatte Einzelhandelskauffrau gelernt und wurde Bäuerin. Heute mästen die Winkelmanns Schweine und Bullen und bauen auf 130 Hektar das Futter für ihre Tiere an.

Sohn löst Mutter im Betrieb ab

Dass sie für den Landtag kandidiert habe, sei eine Familienentscheidung gewesen, sagt die 49-Jährige. »Das ging nur, weil unser Sohn Hanno im August seine Ausbildung an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Herford beenden wird.« Dann steigt der 22-Jährige voll in den Betrieb ein. Seine zwei Jahre ältere Schwester Carolin studiert Illustration in Schwerte, und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Bennet beginnt nach seiner Ausbildung zum Elektroniker bei Harting ebenfalls ein Studium.

Politik ist für Bianca Winkelmann nichts Neues. Als sie sich 2003 als Mitglied des Kindergarten-Fördervereins für eine dritte Gruppe stark machte, merkte sie: »Ehrenamt ist gut und schön, aber die Entscheidungen fallen in der Politik.« Ein Jahr später war sie Mitglied der CDU und saß im Stadtrat. Später wurde Bianca Winkelmann CDU-Stadtverbandsvorsitzende, Fraktionsvorsitzende und Ortsvorsteherin. »Die Weichen in Richtung CDU wurden schon in meinem Elternhaus gestellt. Ich fühlte mich in der CDU immer zu Hause.«

Als der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Friedhelm Ortgies (67) ankündigte, sich

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen:

Matthias Goeken (CDU) aus Höxter, Markus Wagner (AFD) aus Bad Oeynhausen, Christina Weng (SPD) aus Minden, Stephen Paul (FDP) aus Herford, Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) aus Delbrück

nach 17 Jahren im Landtag zurückzuziehen, trat die CDU an Bianca Winkelmann heran, und die berief den Familienrat ein. »Denn natürlich ändert sich mit einer Kandidatur das Leben«, sagt sie. Zu Hause hätten aber alle hinter ihr gestanden, und je länger der Wahlkampf gedauert habe, umso mehr Feuer habe ihr Mann gefangen. »Wenn der beim Frühstück las, was mein Herausforderer gesagt hatte, gab er mir Tipps, wie ich reagieren sollte«, sagt sie und lacht. Der Herausforderer – das war der SPD-Landtagsabgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe (SPD), der 2012 direkt in den Landtag gewählt worden war.

»Die längste Ausdehnung sind 70 Kilometer«

Bianca Winkelmanns Wahlkreis 88 (Minden-Lübbecke I) umfasst den Altkreis Lübbecke, Hille und Petershagen und ist einer der größten in NRW. »Die längste Ausdehnung sind 70 Kilometer«, sagt die Abgeordnete. In den letzten sechs Wochen ihres Wahlkampfs sei sie 6000 Kilometer gefahren. »Denn natürlich mussten mich die Menschen in Hille und Petershagen erst einmal kennenlernen.«

Die Rahdenerin holte 43,5 Prozent der Erststimmen und nahm der SPD mit 6,8 Prozentpunkten Vorsprung das Direktmandat ab. In ihrem Ortsteil Preußisch Ströhen kam sie sogar auf mehr als 75 Prozent. Nun hofft sie, für die CDU in den Umweltausschuss des Landtags zu dürfen. »Aber auch Kommunales und Schule interessieren mich.«

Trotz ihres Landtagsmandats möchte Bianca Winkelmann Ortsvorsteherin und Ratsfrau bleiben, um eine enge Verbindung zur Basis zu halten. Die ersten Wünsche wurden schon an sie herangetragen: »Etliche Bürger klagen über den schlechten Zustand vieler Wirtschaftswege. Und sie möchten, dass wir die Inklusion in den Schulen anders organisieren.«

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