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Autorin Anne Siegel präsentiert Biografie »Senora Gerta«

Flucht aus dem Nazi-Reich

Rahden (ko). Die Journalistin und Autorin Anna Siegel aus San Francisco und Köln hat auf Einladung des Rahdener Kulturvereins KUL-TÜR in der Stadtbücherei aus ihren Werken gelesen. Vorsitzende Monika Büntemeyer freute sich, dass sie die Autorin von Büchern, in denen meist Frauen im Vordergrund stehen, gewinnen konnte.

Monika Büntemeyer (links) und Büchereileiterin Andrea Meyer (rechts) begrüßen Autorin Anne Siegel. Foto: Andreas Kokemoor

Anne Siegel las aus ihrem Werk »Senora Gerta – eine Biografie über die Flucht einer Wiener Jüdin vor den Nazis nach Panama«.

»Dies ist meine 545. Lesung in sieben Jahren«, erklärte Siegel. Aber es sei ihre erste nach dem Tod von Gerta Stern. Diese starb vor wenigen Tagen im Alter von 102 Jahren. Zu ihr sei über viele Jahre eine Freundschaft entstanden. Stern habe ihr vor gar nicht allzu langer Zeit noch gesagt, wie sehr sie sich auf die Fußball-WM freute, für die sich Panama qualifiziert habe.

Mann kommt ins Konzentrationslager

Mit den Worten »Es wird düster. Geht weg von hier«, beginnt die Flucht der gelernten Schauspielerin und Kosmetikerin sowie des Profifußballers Moses Stern. Ihr Ziel war es, nach Südafrika auszuwandern. Mit dem Zug fuhr das Paar nach Hamburg. Das südafrikanische Konsulat und auch weitere Konsulate wiesen sie ab.

Und es kam noch schlimmer. Moses Stern wurde verhaftet und kam in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Gerta konnte sich vor der SS verstecken. Sie nahm all ihren Mut zusammen und klopfte unerschrocken an der Tür des Gestapo Hauptquartiers. Ein Otto, dessen Nachnamen sie erst viel später erfahren würde, öffnete die Tür. Es war der Reeder Otto Dettmers.

»Es gibt keine Zufälle«

Die gelernte Schauspielerin spielte all ihr Talent und Können vor ihm aus und behauptete, dass die Verhaftung ihres Manns ein Versehen sei. Es geschah das nicht mehr für möglich Gehaltene: Moses kam frei. Das Paar reiste nach Panama.

An Gerta Sterns 99. Geburtstag habe Anne Siegel gefragt, was sie sich wünsche. »Ich möchte wissen, wer dieser Otto war«, sagte Gerta. Gerührt von diesem Wunsch recherchierte Siegel und stieß auf jenen Otto Dettmers. Was Anne Siegel außerdem erfuhr, war dass Dettmers noch mindestens vier jüdischen Familien das Leben gerettet hatte.

»Es gibt keine Zufälle«, ist sie sich sicher. Und doch stieß sie – wie bei den meisten ihrer Werke – durch Zufall auf ihre Romanfigur Gerta, als sie für einen Sender in Panama arbeitete und dabei Stern kennenlernte. »Ich biss mich an ihrer Geschichte fest. Alles war so faszinierend«, erzählte sie. Die Besucher der Lesung hingen ihr an den Lippen und hörten der Autorin zu, wie sie auch Geschichten rund um ihre Bücher erzählte.

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