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Nachwuchs auf dem Araber-Gestüt Ismer beim Tierpark Ströhen – Video im Internet zu sehen

Fohlengeburten sind Chefsache

Wagenfeld-Ströhen

Es ist ruhig im Stall. Nur das leise Schnauben von Pferden ist zu hören und das Rascheln von Stroh. In einer Pferdebox liegt eine braune Stute.

Eva Rahe

Das Fohlen von Papilla hatte sich Zeit gelassen. Eine Woche verspätet kam es zusammen mit einem anderen Fohlen auf die Welt. Diese Doppelgeburt konnte Dank eines Live-Videos von Nils Ismer im Internet verfolgt werden.

Ihr Name ist Papilla und sie hat grade ein Fohlen zur Welt gebracht. Das neugeborene Fohlen versucht die langen Vorderbeine in eine stabile Position zu bringen, um aufzustehen.

Dr. Nils Ismer, der Inhaber des Araber-Gestüts und des Tierparks in Hann. Ströhen ist dabei und filmt die Situation. Das Video, das er erstellt, wird mitten in der Nacht live in den sozialen Medien verbreitet. Nach einer Woche werden sich mehr als 1200 Menschen dieses Videos angeschaut haben und mehr als 300 Menschen werden es mit ‚Gefällt mir’ markieren.

Nils Ismer möchte mit diesen Live-Videos, die er regelmäßig postet, die Verbindung zu Tierparkbesuchern und Freunden des Gestüts erhalten.

Angefangen habe er mit den Videos im ersten Lock-Down, erzählt er. Da die Situation so unvorhersehbar gewesen sei, hätten sie nach Alternativen zum realen Tierparkbesuch gesucht. „Wir wollten die Menschen positiv mitnehmen und gleichzeitig auf die Situation der Zoos aufmerksam machen“, sagt Nils Ismer.

Neben Fotografien, die seine Tante Susanne Ismer regelmäßig einstellt, gehören die Videos nun zum festen Repertoire an digitalen Nachrichten aus Tierpark und Gestüt. Und die Idee ist aufgegangen. „Es gibt viele Menschen, die sich sehr verbunden fühlen mit uns und das auch regelmäßig kund tun“, erklärt er.

Dass er die Fohlengeburt gefilmt habe, die jetzt im Internet viral geht und es auch schon bis in die Sat.1 Nachrichten geschafft hat, war eher Zufall. „Wir hatten eigentlich schon seit einer Woche auf das Fohlen von Papilla gewartet.

Als es bei einer anderen Stute losging, hat sich Papilla auch hingelegt und ihr Fohlen bekommen. So hatten wir in dieser Nacht eine Doppelgeburt“, erzählt der studierte Tierarzt. Das Überwachen der Geburten übernimmt Nils Ismer in der Regel selbst, beziehungsweise zusammen mit seiner Frau Julia. Fohlengeburten sind Chefsache.

Er verrät, dass sie dafür extra einen Monitor neben dem Bett installiert hätten, um immer einen Blick auf die werdenden Mütter werfen zu können. Denn Fohlengeburten passieren in der Regel nachts „Eine Säugetier-Geburt birgt immer eine Gefahr“, erklärt der Tierarzt. Obwohl die Natur das natürlich meistens alleine regeln würde, hätten sie trotzdem immer ein Auge darauf.

Auf dem Gestüt Ismer gibt es pro Jahr ungefähr 30 bis 45 Geburten. In diesem Jahr seien es allerdings nur 25, erklärt Nils Ismer. Durch die Pandemie seien sie etwas vorsichtiger vorgegangen. Die meisten der Stuten würden vor Ort gedeckt. Grade stehen auf dem Araber-Gestüt drei hochkarätige neue Deckhengste, einer davon ist Subhayan. „Eigentlich gehört ein ‚EBT’ vor den Namen“, erklärt Nils Ismer. EBT steht für European Breeders Trust, eine Aktiengesellschaft für die europäische Araberzucht.

Der European Breeders Trust bietet Aktionären besondere Vorteile und ein gutes Netzwerk. Zudem investiert die Gesellschaft in besondere Zuchthengste. Subhayan ist einer von ihnen. Sein Vater gehörte einst dem Emir von Dubai. Da das Gestüt Ismer einer der Aktionäre der Gesellschaft ist, residiert der Hengst noch bis Ende März auf dem Gestüt.

Ein weiterer neuer Hengst, den das Gestüt zusammen mit einem chinesischen Investor gekauft hat, ist Ascot DD. Der in Belgien geborene Hengst ist zweimaliger Reserve Welt Champion Sieger. Auch dieser Hengst sei außergewöhnlich in seiner Vererbung und man wolle damit vor allem einen Markt im mittleren Osten und China bedienen, sagt Nils Ismer.

Da Ascot vor vier Jahren schon einmal auf dem Gestüt war, gäbe es schon einige Stuten hier, die seine Töchter seien. Der Dritte im Bunde ist Santorini, ein Hengst, den das Gestüt gerade aus Frankreich geholt hat. Mit Vervaldee habe dieser Hengst eine Vaterlinie, die es bislang auf dem Gestüt noch nicht gegeben habe und die sie explizit nutzen wollten.

Zu einem persönlichen Kontakt zwischen Hengsten und Stuten kommt es allerdings nicht. Um es den Hengsten etwas leichter zu machen und das Sperma besser nutzen zu können, werden die Stuten künstlich belegt. Die Fohlen wachsen zusammen mit ihren Müttern und später unter Gleichaltrigen in Gruppen auf. Das sei wichtig für ihr Sozialverhalten, erklärt Nils Ismer. Die Tiere sollten so lange wie möglich in der Herde sein und über Spiel und Bewegung eine normale Entwicklung haben.

Insgesamt laufen im Betrieb 180 Pferde und jedes hätte seine Besonderheiten, sagt Nils Ismer. Für Gestüt und Tierpark beginnt jetzt mit den Fohlen und den anderen Tierkindern eine besondere Zeit, die sie gerne mit den Besuchern teilen möchten. „Wie hoffen, dass es bald wieder los geht“, erklärt Nils Ismer. Und die Community in den sozialen Netzwerken stände auch schon bereit, um endlich wieder real und nicht im Netz Besuche im Tierpark zu machen.

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