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Vereinigung der Rahdener Kaufleute fordert Lockerungen in Einzelhandel und Gastronomie

Gewerbebund: „Stoppt diese Regeln“

Rahden

„Stoppt diese nicht nachvollziehbaren Regeln“, fordert Martin Wlecke im Namen des Gewerbebundes Rahden.

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Ein Bild kurz vor dem neuen Lockdown. Zurzeit fahren nur noch vereinzelt Autos durch die Rahdener Innenstadt Foto: Michael Nichau

Der Vorsitzende holt in einer Stellungnahme zum Rundumschlag in Sachen Umgang mit Corona aus:

„Corona ist da – Corona ist gefährlich – das Gesundheitssystem darf nicht überlastet werden – all das ist unumstritten“, schreibt Wlecke. Die Discounter allerdings würden neben Lebensmitteln auch Schuhe, Bekleidung, Fernseher, Kühlschränke und hunderte anderer Artikel aus dem Non-Food-Bereich verkaufen, führt er an.

„Der reguläre Einzelhandel ist nun schon seit Monaten geschlossen, darf nur über Click & Collect Waren veräußern. Die Umsatzeinbrüche sind dramatisch. Viele Einzelhändler werden bei dieser Regelung ihre Existenz verlieren. Der Verlust von Arbeitsplätzen und das Sterben des Einzelhandels in denInnenstädten ist nicht mehr zu verhindern, wenn nicht kurzfristig die Öffnung der Geschäfte ermöglicht wird“, warnt der Vorsitzende des Gewerbebundes.

„Alle mir bekannten Einzelhändler und Dienstleister haben ein erprobtes Hygienekonzept und achteten bis zur Schließung streng auf die Einhaltung der maximal zulässigen Kunden im Geschäft. Und dann schaue man sich doch einfach mal das Gedränge an den Kassen in den großen Einkaufsmärkten an, die öffnen dürfen“, entrüstet sich Wlecke.

Die Wahrscheinlichkeit, sich dort mit dem Virus anzustecken, sei seiner Meinung nach deutlich höher als im „kleinen“ stationären Einzelhandel mit einer deutlich niedrigeren Kundenfrequenz und Dichte.

„Die Friseure dürfen ab dem 1. März öffnen – gut so. Der Fußpfleger oder das Nagelstudio aber nicht. Auch das ist doch eigentlich nicht nachvollziehbar. Der Frisör arbeitet direkt an deinem Kopf. Der Fußpfleger ist davon weit weg und im Nagelstudio können die Damen ihre Hände durch eine Öffnung in den vielfach vorhandenen Plexiglasscheiben stecken. Warum dürfen diese Berufsgruppen – die hier nur als Beispiele genannt werden – nicht öffnen?“, fragt Martin Wlecke.

Am Dümmer, am Steinhuder Meer, am Kleihügelsee und vielen anderen attraktiven Plätzen hätten sich bei schönem Wetter die Menschen gedrängt. Der Tierpark Ströhen sei aber weiterhin geschlossen. „Eine riesige Anlage mit viel Platz unter freiem Himmel mit Erlebnis- und Erholungswert.“ Auch diese Schließung sei mit normalem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar.

Die Gastronomie leide ebenfalls massiv unter der Schließung. Jetzt komme das „schöne“ Wetter. „Was spricht gegen eine Gastronomie, ob innen oder außen, unter Einhaltung aller Corona-Regeln und entsprechender Hygienekonzepte? Ich denke: nichts.“

Auch hier sieht Wlecke die Gefahr einer Ansteckung eher im privaten Bereich, wo beispielsweise in manchem Partyraum im Keller kein Abstand, keine Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen und die weiteren Regeln eingehalten würden.

„Der Onlinehandel der großen Internetanbieter boomt ohne Ende. Millionen von Paketen werden versendet und zu einem großen Teil als Retoure wieder zurück geschickt. Keiner dieser großen Internethändler bietet Arbeitsplätze vor Ort und zahlt hier Steuern. Die Ertragseinbrüche der lokalen Wirtschaft werden die Kommunen mit massiven Auswirkungen auf die Steuereinnahmen belasten“, blickt Wlecke düster in die Zukunft.

Weniger Arbeitsplätze hätten auch eine Reduzierung des Anteils der Einkommenssteuerumlage für die Kommunen zur Folge. „Viele Gemeinden und Städte werden in den nächsten Jahren voraussichtlich in die sogenannte Haushaltssicherung fallen. Das heißt dann konkret: Einschränkungen aller freiwilligen Leistungen“, befürchtet der Chef des Rahdener Gewerbebundes. Davon könnten beispielsweise für die Stadt Rahden der Museumshof, das Frei- und Hallenbad, Zuwendungen an Vereine und Kultur und vieles mehr betroffen sein.

„Fordern Sie Ihre Landtagsabgeordneten auf, die Schließungen mit gesundem Menschenverstand zu beurteilen, um diese Ungerechtigkeiten zu beenden und alles dafür zu tun, den Fokus auf die zügige Impfung aller Impfwilligen zu richten“, sagt Wlecke.

Etwa 800 Millionen Euro habe Deutschland in die Entwicklung von Impfstoffen investiert – und andere Länder bekämen früher und mehr Impfstoff. „Und das Impfen in Deutschland ist natürlich wie alles mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. In Israel geht das per Drive-in oder sogar in Bars und bei Ikea. Warum muss das bei uns in Deutschland immer so kompliziert gemacht werden?“, fragt er.

Alle halbwegs vernünftigen Bürger würden sich an die Corona-Regeln halten, schützten sich und andere vor einer Ansteckung. Das werde auch weiterhin neben den Impfungen die Grundlage für ein Beherrschen und Überwinden der Pandemie sein. „Nicht nachvollziehbare Einschränkungen helfen da nicht weiter und führen eher zu kaum einhaltbaren Abständen in den großen Märkten“, schreibt Wlecke.

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