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Bürgermeister verlangen bessere Kommunikation und kritisieren Pläne der MKK für Rahden

Klares Nein zum Medizinkonzept

Von Elke BöschRahden/Lübbecke (WB). Vier Bürgermeister aus dem Altkreis Lübbecke sagen »Nein« zu den Plänen der Mühlenkreiskliniken (MKK) und lehnen das neue Medizinkonzept rundweg ab. Bert Honsel hat Frank Haberbosch (Lübbecke), Kai Abruszat (Stemwede) und Marko Steiner (Preußisch Oldendorf) am Dienstagmorgen im Rahdener Rathaus begrüßt.

Frank Haberbosch (von links), Bert Honsel, Kai Abruszat und Marko Steiner. Die Bürgermeister wollen sich für den Erhalt der medizinischen Grundversorgung und Notfallambulanz in Rahden sowie der Gynäkologie und Urologie in Lübbecke einsetzen. Foto: Elke Bösch

Die drei Gäste ließen keinen Zweifel daran, dass sie mit der Umwandlung der Portalklinik in Rahden von einem Haus der medizinischen Grundversorgung in eine Fachklinik für Psychosomatik und Sucht nicht einverstanden sind . Auch die Verlagerung von Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Urologie vom Krankenhaus Lübbecke ins Mindener Klinikum ist für sie keine Option. »Bürgermeister Heinrich Vieker hatte leider einen wichtigen auswärtigen Termin, konnte deshalb nicht an dem Gespräch teilnehmen«, sagte Espelkamps Pressesprecher Torsten Siemon. Und sein Vertreter sei im Urlaub. »Aber Espelkamp steht hinter Rahden und Lübbecke. Wir sind absolut solidarisch«, betonte Siemon. Der Bürgermeister der Gemeinde Hüllhorst, Bernd Rührup, hatte sich ebenfalls entschuldigt. Er ist im Spanien-Urlaub.

Dr. Bert Honsel

»Liest man die Presseerklärung der MKK, dann meint die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Kristin Drechsler ja, dass Rahden gewinnt, weil die Stadt nach dem neuen Konzept eine Fachklinik erhält. Das sehen wir in Rahden mitnichten. Wir wollen auf keinen Fall die medizinische Grundversorgung verlieren. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat doch selbst einmal betont, dass unsere Portalklinik für die Versorgung im Nordkreis und der niedersächsischen Nachbarschaft zwingend erforderlich sei.

»2008 haben die MKK das genauso gesehen, und wünschten zudem, dass wir niedergelassene Ärzte mit ins Boot holen. Das hat Rahden mit dem Gesundheitszentrum realisiert. Was hat sich am Sachverhalt von 2008 in 2018 geändert? Aus Rahdener Sicht nichts. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die MKK zu dem Ergebnis kommen, dass das Krankenhaus Rahden in seiner jetzigen Form verschwinden muss.«

Kaputt gespart?

Und zur angeblich nur 60 Prozent Bettenauslastung sagte Honsel: »Sollte das tatsächlich so sein, hat möglicherweise der MKK-Vorstand selbst dazu beigetragen, dass dieses Haus nicht mehr so gut angenommen wird. Es wurden Betten und Personal abgebaut, Operationszeiten eingeschränkt – alles um die Kosten zu senken. In dieser Form darf bei der medizinischen Grundversorgung nicht gespart werden«, machte Dr. Honsel seinen Standpunkt deutlich.

Frank Haberbosch

Auch Frank Haberbosch kann die Entscheidungen der MKK nicht nachvollziehen. Von dem Medizinkonzept habe er aus den Medien erfahren, da hätte man vorher mit uns sprechen müssen. »Ich möchte Bert Honsel voll unterstützen. Die Menschen erwarten zurecht eine medizinische Grundversorgung«, sagte Haberbosch. Der Lübbecker Bürgermeister sieht zudem überhaupt nicht ein, warum Gynäkologie und Geburtshilfe ins Klinikum Minden verlegt werden sollen: »Werdende Mütter fragen übrigens jetzt schon an, ob sie überhaupt noch nach Lübbecke kommen können?« Wenn ich Böses denken würde, könnte ich zu dem Schluss kommen: Genau das haben die MKK beabsichtigt.«

Kai Abruszat

»Der Kreis ist zu 100 Prozent Eigentümer aller Häuser. Damit gehören die Krankenhäuser den Menschen im Kreis«, warf Kai Abruszat ein. Als Träger habe der Kreis die Verantwortung, qualitativ hohe und erreichbare medizinische Grundversorgung zu bieten. Die Begründung der MKK für das Medizinkonzept wie »Personalnot, Kostendruck sowie speziell Fachkräfte und Ärzte wollen nicht in Rahden arbeiten«, lässt der Stemweder Bürgermeister nicht gelten. »Die MKK haben versäumt, ein vernünftiges Marketing und eine Strategie zu entwickeln, um diese Häuser attraktiv für Mitarbeiter zu gestalten.«

Marko Steiner

Marko Steiner versicherte: »Preußisch Oldendorf steht für den Sozialraum Lübbecker Land ein.« Natürlich seien Veränderungen manchmal erforderlich, aber die wohnortnahe Grundversorgung müsse bleiben. Steiner befürchtet, dass die Pläne schon ziemlich festgezurrt sind. »Da werden doch schon konkrete Jahreszahlen, wie 2025 für den Umzug der Gynäkologie, genannt.« Auch den Punkt, dass ältere Menschen nicht mehr so mobil seien griff er auf: »Wie soll zum Beispiel ein Senior aus Dielingen mit dem Bus nach Minden kommen?« Wirtschaftliche Aspekte spielten natürlich bei den Entscheidungen eine Rolle, aber besonders mit Gesundheit und Bildung sollte verantwortungsvoll umgegangen werden und es nicht auf den letzten Cent ankommen. Der Preußisch Oldendorfer Bürgermeister sprach auch die Kosten für Umzugs- und Umbauten an: »Das soll zwölf Millionen Euro kosten. Mit den Maßnahmen in Bad Oeynhausen sogar vielleicht einen dreistelligen Millionenbetrag.« »Und das müssen wir Kommunen im Altkreis Lübbecke dann mitbezahlen«, befürchteten alle. Die Bürgermeisterrunde war sich einig, dass die Kommunikation falsch läuft und das Medizinkonzept in dieser Form nicht umgesetzt werden darf.

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