1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Rahden
  6. >
  7. Kritische Tage im Rahdener Wasserwerk

  8. >

Verbrauch stieg durch Gartenbewässerung enorm an – Appell an die Bürger gerichtet

Kritische Tage im Rahdener Wasserwerk

Rahden (WB). Nach den negativen Erfahrungen der beiden vergangenen trockenen Jahre weiß Christoph Flieder (40), Betriebsleiter Wasser und städtische Bäder in der Rahdener Stadtverwaltung nur zu gut, welche Probleme ein extrem hoher Trinkwasserverbrauch dem Wasserwerk in Wehe bereiten kann. Die Folge: Schon im Mai, also sehr früh im Jahr, musste die Stadt Rahden an ihre Bürger appellieren, sparsam mit Wasser umzugehen und vor allem die Gartenbewässerung einzuschränken (wir berichteten).

Dieter Wehbrink

Christoph Flieder (40), hier im Wasserwerk der Stadt in Wehe, ist Betriebsleiter „Wasser und städtische Bäder“. Foto: Andreas Kokemoor

„Im März und April war es viel zu trocken“, sagt Flieder. „Wir haben zudem in Rahden sandigen Boden. Bei Regen versickert das Regenwasser sofort. Zusätzlich trocknete der über viele Tage anhaltende Wind die Vegetation aus.“ Die Folge: Die Bürger griffen zum Gartenschlauch, um ihre Pflanzen und den Rasen zu retten. Prompt habe dies zum hohen Wasserverbrauch geführt, sagt Flieder. „Die Wasserwerksmitarbeiter warnten mich, dass die Entnahme sehr steige und die Lage bedenklich werde, wenn sich dies so fortsetze. Deshalb schickten wir den Appell raus.”

Nachfrage nach Rasensprengern

Problematisch waren die Morgen- und die späten Abendstunden. „Es lag an der dann durchgeführten Gartenbewässerung. Darauf deutete auch die große Nachfrage nach Rasensprengern im Fachhandel hin“, ist Flieder überzeugt.

Zwar sei in der Tiefe ausreichend Wasser für die Wasserwerksbrunnen vorhanden. Doch es müsse lebensmitteltauglich aufbereitet werden und deshalb eine Filterstraße durchlaufen, bevor es an die Haushalte abgegeben werden könne. Die Anlage kam dem hohen Bedarf nicht mehr nach. „Sie füllt an normalen Tagen unsere beiden jeweils 1250 Kubikmeter fassenden Reinwasserbehälter jeden Abend komplett. In den kritischen Spitzenabgabezeiten war der Verbrauch aber höher als die Menge, die unsere Filterstraße aufarbeiten konnte. Die Behälter liefen nachts nicht mehr voll,“ sagt Flieder. „Wenn dieser Zustand länger anhält, bekommen wir Probleme.“ Das Rahdener Wasserwerk – es steht in Wehe – darf laut Förderrecht maximal täglich 4000 Kubikmeter aus der Tiefe pumpen. „Bei diesem Wert läuft die gesamte Technik – so wie in der jüngsten Trockenphase – allerdings auf Volllast. Der Verschleiß an Material ist höher“, weiß Flieder.

Normal verbrauchen die Rahdener Haushalte und Betriebe pro Tag etwa 2500 bis 3000 Kubikmeter. „Wir können einen höheren Verbrauch noch abmildern, in dem wir die Landwirtschaft bitten, ihr Wasser – etwa für die Viehversorgung – kurzzeitig nicht aus der städtischen Leitung, sondern aus ihren eigenen Brunnen zu nehmen.“ Landwirte wie Milchviehhalter nutzen auf Anraten von Tierärzten das Stadtwasser, weil ihr eigenes Wasser nicht gut genug für die empfindlichen Tiere ist. Eine eigene Wasseraufbereitung wäre sehr teuer für die Bauernhöfe. Christoph Flieder stellt aber klar: „Die Landwirte müssen wie jeder Verbraucher auch jeden entnommenen Stadtwasser-Kubikmeter bezahlen. Es gibt keinen Bauernrabatt.“

Verbund ist für Notfälle gedacht

An den trockenen Tagen kamen weitere Probleme für das Rahdener Wasserwerk hinzu. So hatte die Gemeinde Stemwede – sie ist wie die Stadt Espelkamp ein Wasser-Verbundpartner von Rahden – um Rahdener Wasser gebeten. Grund waren Arbeiten an der Stemweder Filteranlage. Um die Entnahmemenge für den Nachbarn gewährleisten zu können, habe Rahden Espelkamper Wasser nach Stemwede leiten müssen, sagt Flieder. Gegenseitige Hilfe unter den drei Kommunen ist üblich. Sie ist aber eher für Notfälle gedacht: Etwa für Wasserrohrbrüche, Reparaturarbeiten oder bei der Entnahme von ungewöhnlich großen Mengen von Löschwasser bei Bränden. Kommt es noch schlimmer, gibt es noch Notfall-Verbindungen zu Hunteburg und zu Uchte.

„Anfang vergangener Woche musste Rahden allerdings auch wegen seiner hohen Verbrauche über kurzen Zeitraum Wasser aus Espelkamp beziehen“, räumt Flieder ein. Der Betriebsleiter warnt: „Rahden darf sich nicht darauf verlassen, dass uns die Nachbarkommunen ständig mit Wasser aushelfen. Diese Zusammenarbeit ist für Notfälle gedacht – nicht aber als Dauerversorgung in Rasensprengerzeiten. Auch Stemwede und Rahden müssen das Förderrecht beachten. Zudem entstehen ihnen Kosten.”

Aktuell hat sich die Lage aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage entspannt – bis zur möglichen nächsten Trockenphase.

Startseite