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Für Facebook-Gruppe ist Medizinkonzept der MKK vom Tisch

Mahnwache abgesagt

Rahden (WB). Die Mahnwache vor dem Krankenhaus in Rahden am Samstag ist abgesagt. Das sei eine Reaktion auf die neue Entwicklung erklärte Sven Borcherding

Elke Bösch

Eine Szene, wie beim WDR-Dreh am 22. Juni wird es am Samstag nicht geben: Die Mahnwache ist abgesagt worden. Foto: Michael Nichau

Er ist einer der Sprecher der Facebook-Gruppe »Gegen die Pläne der MKK – die Zerstörung unserer Krankenhäuser«. Borcherding weiter: »Da der Ältestenrat des Kreistages und der Verwaltungsrat der Mühlenkreiskliniken (MKK), das Medizinkonzept fallen ließen, (wir berichteten am Donnerstag auf der Seite Lübbecke) haben wir beschlossen, die Mahnwache nicht durchzuführen. Wir begrüßen den Entschluss der beiden Gremien sehr und hoffen, dass es laut deren Aussage ›eine zukünftige medizinische Strategie unter breiter Beteiligung‹ gibt.«

»Wollen wachsam bleiben«

Borcherding betont: »Wir Bürger haben es geschafft, dass dieses Konzept vom Tisch ist. Wir haben dagegen gekämpft und gewonnen. Und darauf können und sollten wir stolz sein.« Borcherding kündigt an, dass die Gruppe weiterhin wachsam bleiben und die Ohren spitzen werde. Denn, wenn ein neues Konzept in den nächsten Jahren nicht dem entspreche, was der Bürger wolle, nämlich die medizinische Versorgung für den Bürger im Kreis Minden-Lübbecke sicher zu stellen, werde die Gruppe wieder in voller Entschlossenheit dagegen ankämpfen und protestieren.

In der Bevölkerung ist man geteilter Meinung. Da werden auch Stimmen laut, dass es besser wäre, an der Mahnwache festzuhalten, um Einigkeit und Stärke zu demonstrieren. Selbst in der Gruppe gehen die Meinungen auseinander. Es gibt User, die die Entscheidung gegen die Mahnwache für richtig halten. Und glauben, dass das Konzept jetzt endgültig verworfen ist, andere warnen, dass doch der MKK-Vorstand nicht Jahre an diesen Plänen gearbeitet habe und jetzt so schnell die Flinte ins Korn werfe.

»Thema müssen wir am Kochen halten«

Ein User befürchtet sogar, dass diese Reaktion, also die Absage der Mahnwache, genau das Ziel gewesen sei, das MKK und Landrat Dr. Ralf Niermann erreichen wollten.

Am Ball bleiben will auch Gundel Schmidt-Tschech. Jedoch hält die UfR-Ratsfrau es für sinnvoll, jetzt nicht unbedingt an der Mahnwache festzuhalten. »Wir sollten solche Maßnahmen nicht aufgeben. Aber die gewonnene Zeit nutzen, um uns besser aufzustellen. Das Thema müssen wir am Kochen halten. Mich würde zum Beispiel brennend interessieren, was nicht nur dieses Gutachten gekostet hat, sondern auch die Arbeit des MKK-Vorstands.« Und Bürgermeister Bert Honsel meint, dass es vernünftig ist jetzt erst einmal die Kräfte zu schonen und neue zu sammeln: »Wer weiß, wozu wir die noch brauchen?«

Ein Kommentar von Elke Bösch

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob es falsch war, die Mahnwache am Krankenhaus abzusagen. Allerdings dürften Landrat und MKK-Vorstand zumindest ein wenig erleichtert sein. Denn hunderte von Menschen, die friedlich demonstrieren, deutlich zeigen, wie enorm wichtig ihnen »ihr Rahdener Krankenhaus« ist, sind keine gute Publicity. Aber: Die Unterschriftenaktion, die tausende Befürworter fand, wollte nicht nur den Erhalt der medizinischen Grundversorgung, sondern auch die Stärkung der Standorte Rahden und Lübbecke. Sprich, diese Einrichtungen sollten so ausgestattet werden, dass sie auch wirtschaftlich arbeiten können. Denn dass Rahden ausgeblutet wird, ist doch nicht von der Hand zuweisen. Beispiele dafür: Herzschrittmacher weg, Dialyse knapp gescheitert, Geria­trie auch und jetzt sollen Magen- und Darmspiegelungen entfallen. Das ist für das Krankenhaus wie ein Tod auf Raten. Deshalb hätte die Mahnwache ein Zeichen gesetzt. Und überhaupt: Dieses Konzept ist zwar vom Tisch. Doch das Misstrauen in der Bevölkerung ist groß: Auf den Beitrag in der Facebook-Gruppe, die Pläne seien verworfen, also im Papierkorb, argwöhnt ein User: »Und wer garantiert jetzt, dass niemand sie wieder aus den Mülleimer holt . . .?«

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