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Cybermobbing macht Angst: Gymnasium schickt Schüler zur Fortbildung 

Medienscouts helfen Opfern

Rahden (WB). Es sind erschütternde Geschichten über tiefe Verletzungen unter Schülern, Angst vor brutalen Videos und ein erschreckendes Maß an medialer Normalität, wenn Joshua Meier und Rosanna Matthäus anfangen, über ihre Arbeit zu sprechen.

Anna-Lena Wehbrink

Rosanna Matthäus und Joshua Meier gehören zur Gruppe der Medienscouts am Gymnasium Rahden. Sie arbeiten viel mit jüngeren Schülern, um denen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet beizubringen. Foto:

Die beiden Schüler des Gymnasiums Rahden haben vor einem Jahr eine Fortbildung zum so genannten Medienscout absolviert und unterstützen ihre Schule seither bei Themen wie Smartphones, Internet und dem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien. Mit der RAHDENER ZEITUNG sprechen sie über das, was sie als Medienscouts bisher erlebt haben.

 Ein großes Problem, insbesondere jüngerer Schüler, sei das Cybermobbing (siehe Kasten). »Das geht teilweise in der vierten Klasse schon los – unabhängig von der Schulform. Hauptsächlich nutzen die Schüler dazu Whatsapp (Software zum Versenden von Nachrichten/ Anm. d. Red.), da man dort in zugangsbeschränkten Gruppen kommuniziert«, erklärt Rosanna Matthäus. Meist würde das Mobbingopfer herausgeworfen, damit die Anderen ungestört über es lästern können. »Teilweise ist die ganze Klasse in dieser Gruppe, nur eben der Gemobbte nicht«, schildert Rosanna.

Scouts raten zu eingagiertem Eingreifen

 Gut in Erinnerung ist den beiden Medienscouts ein besonders beleidigender Fall von Cybermobbing geblieben. »Da haben Schüler eine Gruppe bei Whatsapp eröffnet, die ›Todeskrankheit XY‹ hieß. XY stand für den Namen des ausgeschlossenen Schülers«, erläutert Joshua. Mobbing werde häufig als Spaß angesehen, die Verletzungen auf Seiten des Opfers verdrängten die Täter. »Mobber haben meist eigene Probleme und sind selbst unsicher. Sie fühlen sich besser, wenn sie Andere heruntermachen können.«

 Seine Kollegin Rosanna fügt ärgerlich hinzu: »Es ist ja auch viel einfacher, jemandem etwas über das Internet an den Kopf zu werfen als ihm das von Angesicht zu Angesicht zu sagen.« Schülern, die sich für die Mobbingopfer einsetzen wollen, raten die Medienscouts von allzu engagiertem Eingreifen ab: »Das kann schnell ein Bumerang werden und der Helfer wird selber zur Zielscheibe.« Besser sei es, sich an die Medienscouts zu wenden, damit diese mit den Mobbern ins Gespräch kämen: »Wir sind auf solche Situationen spezialisiert und es ist auch egal, ob uns ein paar Fünftklässler nicht mögen«, erklärt Joshua. Leider kämen bisher nur wenige betroffene Schüler auf die Medienscouts zu.

Problem sind Videos

 Ein weiteres Problem sehen die Beiden in diversen Videos aus dem Internet, mit denen viele Jugendliche in Kontakt kämen: Erst kürzlich hätte eine Aufnahme unter den Schülern kursiert, in dem ein unbekanntes Mädchen Selbstmord begangen hätte.

 Heiklen Inhalt weisen auch so genannte digitale Kettenbriefe auf, die besonders unter jüngeren Schülern verbreitet seien: »Sie werden darin aufgefordert, den Inhalt weiterzusenden. Falls das nicht geschieht, wird in den Briefen angedroht, dass beispielsweise jemand nachts neben dem Bett des Schülers stehen und ihm die Kehle durchschneiden wird«, erzählt Rosanna.

 Joshuas kleine Schwester, die zurzeit die fünfte Klasse besucht, hat ebenfalls Erfahrungen damit gemacht: »Sie war völlig aufgelöst, nachdem sie einen solch bedrohlichen Kettenbrief erhalten hat und musste erst einmal beruhigt werden«, erinnert sich Joshua.

 Für das kommende Jahr planen die Medienscouts des Gymnasiums Rahden, zu denen nicht nur Joshua und Rosanna gehören, einen Projekttag zum Thema »Besserer Umgang mit dem Handy«, um Jugendlichen auch andere sinnvolle Apps, wie etwa die des Dudens, nahe zu bringen.

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