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Ausstellung mit Karikaturen zum Thema »Flucht und Integration« in Gemeindehaus und Rathaus zu sehen

Motive, die das Herz berühren

Rahden (WB). Die Karikaturen berühren, sie rütteln auf, machen traurig und stimmen nachdenklich. So in etwa beschrieb Oliver Nickel vom CVJM seine Eindrücke von den Werken, die noch bis zum 1. Juni im Jugendbereich des evangelischen Gemeindehauses und im Rathaus der Stadt Rahden die Wände schmücken. Schmücken ist eigentlich in diesem Fall nicht der treffende Begriff. Denn es sind zwar zutiefst beeindruckende Werke, doch schöne Motive haben die Karikaturisten nicht gewählt. Wie auch – Flucht, Vertreibung Verfolgung, der Verlust der Heimat, das sind keine Themen für nette, heitere Ansichten. Aber diese Ausstellung mit dem Titel »Ein Ort. IRGENDWO« ist sehenwert.

Elke Bösch

Die Karikaturen von 83 internationalen Künstlern sind noch bis zum 1. Juni in Rahden zu sehen. Foto: Elke Bösch

Wer möchte, kann sich selbst ein Bild davon machen, zu den jeweiligen Öffnungszeiten oder nach Absprache mit der Flüchtlings- und Integrationsbeauftragten, Cornelia Riemer-Griebel, unter Telefon 05771/7367 oder per E-Mail an: c.riemer-griebel@rahden.de. »Das so etwa in Rahden überhaupt gezeigt wird, das haben wir Cornelia Riemer-Griebel zu verdanken. Sie hat als Flüchtlingsbeauftragte der Stadt und Vorstand des Präventionsrates für diese Ausstellung gekämpft und gewonnen«, dankte Wolfgang Adam, ebenfalls im Vorstand der »besten Frau im Präventionsrat« für ihre Hartnäckigkeit. Und auch Christina Zimmermann vom CVJM galt sein Dank für das große Engagement.

Gemeindehaus und Rathaus

Die beiden Orte der Ausstellung Gemeindehaus und Rathaus sprach auch Oliver Nickel bei der Eröffnung an. 2015 hätten der damalige Bürgermeister Bernd Hachmann und Jürgen Filbert (Präventionsrat) eine kluge, Entscheidung getroffen. Nicht nur die enge Zusammenarbeit von Sozialamt und Verein sei vereinbart worden und die funktioniere immer noch toll, sondern man sei sich einig gewesen, dass es keine zentrale Unterbringung der Flüchtlinge geben solle, sondern sie Wohnungen – im Stadtgebiet verteilt – beziehen sollten.

Dazu wollte Dr. Adam wohl auch etwas sagen, aber sein Kommentar als er das Wort ergriff, lautete: »Jetzt hat Oliver mir 80 Prozent meiner Rede geklaut.« Er lobte dann noch einmal rückschauend, die in 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefällte Entscheidung, die Flüchtlinge ins Land zu lassen: »Sie hat richtig gehandelt, auch wenn ihr das großen Ärger eingebracht hat. Und wir in Rahden haben viel auf die Beine gestellt seit 2015. Kirchengemeinde mit CVJM, Präventionsrat und Stadt können stolz sein.«

Gute Zusammenarbeit

Und dass diese Zusammenarbeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist, für die Integration Gold wert war, dafür nannt Adam ein Beispiel: »Meines Wissens tendiert die Zahl der kriminellen Delikte begangen von Flüchtlingen gegen Null.« Und: »Wir haben zudem schon andere Flüchtlingswellen erlebt und überstanden, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Vertriebenen kamen und dann in den 90-er Jahren die Flüchtlinge vom Balkan.

Übrigens die Eröffnung der Wanderausstellung selbst zeigte, wie Zusammenleben aussehen kann: friedlich und harmonisch. Mit Musik unterhielt ein Junge aus Syrien. »Yazan hat sich das selbst beigebracht«, berichtete ein Besucher.

Ein Kommentar von Elke Bösch

Natürlich gibt es auch in Rahden Skeptiker. Menschen, die offen sagen, dass sie sich nicht mehr so sicher fühlen wie vor der Ankunft der zahlreichen Flüchtlinge. Doch es sind weniger Kritiker als in anderen Städten. Das liegt wohl daran, dass ja bislang kaum etwas passiert ist, keine Schlägereien, keine Messerattacken, nicht einmal ein Handtaschenraub, kaum Straftaten, die Flüchtlingen oder Asylbewerbern zugeschrieben werden können. Und dass es in Rahden ganz gut läuft, dazu haben der Präventionsrat, die Sozialarbeit der Stadt und CVJM entschieden beigetragen. Sie haben nicht nur für dezentrale Unterbringung gesorgt, sondern sich gekümmert und das intensiv. Nicht reden, sondern machen. Dieser Vorsatz war ein guter, bis jetzt hat er sich ausgezahlt.

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