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Tierschützer halten Samstag Mahnwache ab – Performance soll auf Tierleid hinweisen

Nerzfarm: Gericht stellt Verfahren ein

Rahden/Varl (WB). Tierschützer sind fassungslos: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat das Verfahren gegen die Nerzfarm in Varl eingestellt. Mehr als 50 Protestanten wollen diesen Samstag von 9 bis 13 Uhr auf dem Glindower Platz mit Musik, Käfigen und körperlichen Darstellungen auf die Zustände in der Einrichtung hinweisen.

Mareile Mattlage

Vorbereitungen für die Mahnwache in der Rahdener Innenstadt (von links): Jürgen Berger, Nicole Zeisler, Cindy Weber, Tanja Behring und Marco Rahnenführer vom »Runden Tisch« setzen sich für die Schließung der Nerzfarm in Varl ein. Foto: Mareile Mattlage

»Aus den Augen, aus dem Sinn. Das wollen wir verhindern«, sagt Tanja Behring von der Initiative »Runder Tisch – Tierschutz und Tierrechte im Altkreis Lübbecke«. Dieser hatte im Juni dieses Jahres eine Demo gegen die Varler Nerzfarm organisiert und fordert nach wie vor eine sofortige Schließung.

»Es wurden viele Leute erreicht. Schon oft sind wir seit der Demo von Bürgern angesprochen worden. Doch von gerichtlicher Seite ist nichts passiert«, kritisieren die Tierrechtler.

Tierschützer bezeichnen Nerzfarmen als illegal

Zum Hintergrund: Laut PETA gibt es in Deutschland noch sechs Nerzfarmen. Organisationen und Portale wie der »Runde Tisch«, PETA, tierretter.de oder tierschutzbuero.de werfen ihnen vor, dass sich die Farmen nicht an die seit 2011 geltenden Vorschriften zu Haltungsbedingungen halten und bezeichnen sie deswegen als illegal. Das wiederholte Klagen der Betreiber gegen die Haltungsvorschriften halten sie für eine Taktik der Pelzlobby.

»Nach Veränderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung von 2011 muss ein Nerz mindestens einen Quadratmeter Bodenfläche, ein Schwimmbecken, festen Boden und Klettermöglichkeiten zur Verfügung haben. Als der Betreiber der Varler Farm diese nicht umsetzte, wurde er im Jahr 2012 von mehreren Tierschutzorganisationen, unter anderem von PETA, angezeigt«, erklären die Tierschützer.

Der Betreiber klagte.  Vor dem Verwaltungsgericht Minden erlitt er 2014 eine Niederlage und zog weiter vor das Oberverwaltungsgericht Münster.

Aus Münster wohl keine Entscheidung mehr zu erwarten

Dort ruhte das Verfahren seitdem. Die Begründung: Das OVG wollte nach eigener Aussage eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig in einem ähnlichen Fall in Schleswig-Holstein abwarten. Doch zu diesem Urteil kam es nicht, weil der Betreiber die Farm vorher aufgab (wir berichteten).

Alle Blicke richteten sich danach auf das OVG Münster – doch nun ist von dort wohl keine Entscheidung mehr zu erwarten. »Das Verfahren ist am 19. Oktober 2017 eingestellt worden«, teilte Dr. Ulrich Lau, Pressedezernent und Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht Münster, auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Es habe eine Gesetzesänderung gegeben, auf deren Grundlage der Kreis Minden-Lübbecke einen Bescheid aufgehoben habe, erklärte Lau und verwies für weitere Auskünfte auf das Rechts- und Ordnungsamt des Kreises. Von dort war über die Pressestelle gestern nach mehreren Versuchen noch keine offizielle Stellungnahme zu bekommen (weiterer Bericht folgt).

Unterschriftenliste soll ausgelegt werden

»Wir werden weiter auf das Thema aufmerksam machen, auch wenn manche Leute es nicht hören wollen«, sagt Tanja Behring.

Am Samstag wird es bei der Mahnwache auf dem Glindower Platz auch einen Infostand mit Pavillon geben und zudem eine Unterschriftenliste ausgelegt, kündigt die regionale Tierschutz-Initiative an. Zudem laufe aktuell noch eine Petition für ein bundesweites Pelztierzuchtverbot. 15 000 Unterschriften seien hierfür bisher gesammelt worden, berichtet der »Runde Tisch«. Nach Abschluss der Petition soll sie beim Bundestag eingereicht werden.

Von der Einstellung des Verfahrens wussten die Tierschützer bis gestern noch nichts. Der Termin für die Mahnwache war ursprünglich aus einem anderen Grund angesetzt worden: »Jetzt, Ende Oktober und Anfang November, wird den Tieren auf den Farmen das Fell abgezogen. Das nennt sich ›Erntezeit‹«, erklärt Tanja Behring.

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