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Demonstration am 10. Juni ab Bahnhof Rahden – Tierschützer legen Route fest

Protest gegen Nerzfarm in Varl

Rahden-Varl (WB). In ihren Gitterkäfigen können sie sich laut Angaben von Tierschützern gerade einmal um sich selbst drehen. Ein Leben lang schneiden ihnen Metall­stäbe in die Pfoten. Schließlich werden sie getötet, gehäutet und an die eigenen Artgenossen verfüttert. Das werde als »Ernte« bezeichnet. .

Mareile Mattlage

Die Route steht fest: Für den 10. Juni haben die Mitglieder der Gruppe »Runder Tisch – Tierschutz/Tierrechte im Altkreis Lübbecke« eine Demonstration vom Rahdener Bahnhof bis zum Eingangstor der Nerzfarm in Varl (Foto) organisiert. Von hier aus werden Shuttle-Busse eingesetzt, die die teilnehmenden Demonstranten im Anschluss zurück zum Bahnhof bringen. Foto: Mareile Mattlage

Was klingt wie aus einem schrecklichen Horrorfilm, ist für etwa 5000 Tiere auf der Nerzfarm in Varl tägliche Realität. Eine im Dezember 2016 gebildete Gruppe von Tierschützern ist nicht länger bereit, dieses entsetzliche Leid stillschweigend zu erdulden. Sie nennt sich »Runder Tisch – Tierschutz/Tierrechte im Altkreis Lübbecke« und machte bereits mit Petitionen gegen die Ponykarussells auf dem Blasheimer Markt und dem Espelkamper City-Fest auf sich aufmerksam. Die Gruppe ist auf Facebook zu finden und denkt über eine Vereinsgründung nach.

Ihr momentan größtes Projekt ist die Organisation einer Demonstration gegen die Varler Nerzfarm, die am Samstag, 10. Juni, parallel zum Rahdener Stadtfest laufen wird. Hierfür haben die Tierschützer nun in Absprache mit der Polizei eine Route festgelegt. Sie beginnt um 11 Uhr am Bahnhof Rahden und führt entlang der Marktschänke über die Flachs- und Feldstraße und über die Bundesstraße 239 bis hin zur Nerzfarm in Varl in der Straße Westerheide. Die Strecke ist 6,5 Kilometer lang und wird schätzungsweise eineinhalb Stunden dauern. Es sind laut der Tierschützer auch mehrere Redevorträge geplant. 2014 hatte es bereits eine Demo gegen die Varler Nerzfarm gegeben, diese hatte seinerzeit allerdings eine andere Gruppierung organisiert.

Fünf Farmen

Laut der Tierschutzorganisation PETA existieren in Deutschland aktuell noch fünf Nerzfarmen, welche die seit 2011 geltenden Vorschriften zu Haltungsbedingungen ignorieren: »Für gewöhnlich werden Nerze auf Farmen in Käfigen gehalten, die 90 mal 30 mal 40 Zentimeter groß sind, wobei sich zeitweise bis zu vier Jungtiere in einem Käfig befinden. Diese extreme Beengtheit bedeutet für die Nerze größten Stress – in freier Natur durchstreifen die Wildtiere sonst Flächen von 10 bis 20 Quadratkilometern und halten sich als geschickte Schwimmer gerne an Gewässern auf. Nach Veränderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung von 2011 muss ein Nerz mindestens einen Quadratmeter Bodenfläche, ein Schwimmbecken, festen Boden und Klettermöglichkeiten zur Verfügung haben. Doch die Besitzer weigern sich aus finanziellen Gründen, ihre Pelzfarmen aufzurüsten, und wehren sich mit juristischen Verfahren gegen die Schließungsanordnungen der Veterinärämter. Der Betreiber der Varler Farm ist einer davon. Da die Farmen sich nicht an geltende Vorschriften halten, werden sie von Portalen wie PETA und Tierretter.de als illegal eingestuft«, teilen die Tierschutzverbände mit.

Besitzer klagt

Nachdem der Kreis Minden-Lübbecke den Varler Nerzfarmbetreiber aufgefordert hatte, die Käfiggrößen anzupassen, klagte dieser. Vor dem Verwaltungsgericht Minden erlitt er 2014 eine Niederlage und zog vor das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster. Dort ruht das Verfahren bis heute. Das OVG wollte eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig in einem ähnlichen Fall in Schlesen in Schleswig-Holstein abwarten. Der Betreiber dieser Farm in Schlesen hat nun vor einigen Tagen aufgegeben und seine Farm geschlossen – nun dürfte Münster wieder am Zug sein. Vorsitzender Richter am OVG Münster, Dr. Ulrich Lau, erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung: »In das Verfahren am Bundesverwaltungsgericht hatte man hier große Hoffnungen gesetzt, dass offene Fragen geklärt werden.«

Musterverfahren

Jetzt wollen die hiesigen Tierschützer den Varler Fall zum Musterverfahren machen und eine Petition an den Bundestag übergeben. Ihr Ziel ist ein deutschlandweites Pelztierzuchtverbot. »Das gesamte Engagement der Interessenvertretung zielt auf die sofortige Schließung der Nerzfarm ab, allein durch die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen ist niemandem geholfen«, sagt Nicole Zeisler vom »Runden Tisch«.

Jürgen Brokamp ist Vorsitzender des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter (ZDP). Auf Nachfrage sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung: »Die deutschen Nerzfarmen verstoßen nicht gegen geltendes Recht.« Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnungen seien aus wirtschaftlichen Gründen für die Betreiber nicht umsetzbar und deswegen gegen das Grundgesetz. Brokamp: »Das sagen nicht die undefined Pelztierzüchter, sondern das Oberverwaltungsgericht in Schleswig-Holstein hat es so entschieden.« Mit Blick auf Nerzfarmen wie die in Varl versicherte der ZDP-Vorsitzende: »Den Tieren geht es gut!«

Weitere Infos sowie Videos und Bilder von der Varler Nerzfarm gibt es online bei www.tierretter.de oder bei www.peta.de undefined .

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