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Zoo-Betreiber fordern Öffnung der Tierparks – Dr. Nils Ismer aus Wagenfeld wirbt für Lockerungen

„Tiere machen keine Kurzarbeit“

Wagenfeld-Ströhen

Durch die beiden Lockdowns sind viele Zoos in Deutschland und somit auch der Tierpark Ströhen nun fast ein halbes Jahr auf behördliche Anordnung aufgrund der Corona-Pandemie für Besucher geschlossen.

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Schöne Szenen kann man jetzt im Tierpark Ströhen beobachten: Hier erkunden die Tigerbabys aufmerksam ihre neue Umgebung und spielen Foto: Susanne Ismer

„Dabei ist gerade der Zoobesuch als soziale Ausgleichsfunktion eine der ganz wichtigen Aufgaben, die deutschen Zoos und Tierparks wahrnehmen. Vor Corona besuchten rund 50 Millionen Menschen jährlich die Zoos in Deutschland“, sagt Tierparkbetreiber Dr. Nils Ismer.

Der Sommer habe gezeigt, dass die Hygienekonzepte der einzelnen Einrichtungen wirken. „Wir haben Konzepte, haben Platz und frische Luft. Wir haben viel in die Konzepte investiert, wir sind gut aufgestellt“, erklärt Gert Emmrich, Präsident der Deutschen Tierparkgesellschaft (DTG). „Lasst die Menschen wieder Tiere an der frischen Luft erleben!“

Im Stich gelassen

„Wir fühlen uns aktuell aber im Stich gelassen“, erklärt der Präsident mit Blick auf die jüngsten Entscheidungen der Bundes- und Landesregierungen weiter. Denn statt aufgrund der guten Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer nun wieder öffnen zu können, bleiben Zoos in vielen Bundesländern weiter geschlossen. „Wir haben noch keine Öffnungsperspektive“, sagt Emmrich.

Schlimmer noch: Bei den Coronahilfen gleiche die Zoolandschaft einem Flickenteppich. So seien beispielsweise bei der aktuellen Überbrückungshilfe III gemeinnützige Zoos mit mehrheitlich kommunaler Beteiligung nicht antragsberechtigt und gingen leer aus.

Finanzielle Unterstützung

Neben einem verlässlichen Öffnungsszenario fordern die Zoos deshalb auch eine verlässliche finanzielle Unterstützung während der behördlich angeordneten Schließungen.

„Dabei haben Zoos und Tierparks nicht die Möglichkeit, ihren Betrieb komplett runter zu fahren. Wir können zwar die Kassen für die Besucher schließen, dennoch geht im Zoo die Arbeit weiter“, betont der Chef des mitgliederstärksten Zooverbandes. „Wir können unsere Tiere nicht in Kurzarbeit oder ins Homeoffice schicken.“ Er verweist darauf, dass die Zoos und Tierparks an der Qualität ihrer Tierversorgung keine Abstriche machen. Dieser Aufwand bleibe trotz Schließung erhalten und koste natürlich dementsprechend.

Unterstützt wird Emmrich unter anderem von Dr. Nils Ismer, dem Leiter des Tierparks in Ströhen. „Die professionelle Pflege und Versorgung der Tiere ist alternativlos, die Kosten sind es leider auch“, sagt Ismer.

Besuchereinnahmen sind unverzichtbar

Die Besuchereinnahmen würden für die Tierparks in Deutschland die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle darstellen. Dass man nun in vielen Bundesländern ein halbes Jahr bereits ohne diese Einnahmen auskommen müsse, stelle jeden einzelnen Betrieb vor riesige Herausforderungen.

„Nur mit den Besuchereinnahmen können Zoos und Tierparks auf Dauer ihre wichtige Funktion für Erholung, Artenschutz und Bildung wieder sicherstellen“, sagt Ismer. Dabei bieten diese Einrichtungen nach Ansicht der DTG alle Voraussetzungen, um zeitnah eine Öffnung zu ermöglichen.

„Ein Zoobesuch ist nicht anders zu bewerten als ein Spaziergang an der frischen Luft“, erläutert Emmrich als Präsident von mehr als 100 verschiedenen zoologischen Einrichtungen. „Besser noch als im Wald: Wir haben funktionierende Hygienekonzepte und setzen diese für unsere Besucher aktiv um. Wir sind für unsere Gäste da.“

Deshalb fordere die Deutsche Tierparkgesellschaft für Niedersachsen zum 8. März eine Öffnung der Zoos und Tierparks.

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