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Mutmaßlicher Täter (39) aus Rahden vor dem Bielefelder Landgericht angeklagt

Unvermittelt auf einen „Freund“ eingestochen – Motiv ist unklar

Rahden/Bielefeld Zam

Vor dem Schwurgericht Bielefeld hat am Dienstagmorgen der Prozess gegen einen 39- jährigen Mann aus Rahden begonnen, der unter anderem wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt ist.

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Ein Justiz-Mitarbeiter, der Angeklagte und sein Anwalt Georg Schulze beim Betreten des Gerichtssaals. Foto: Christian Althoff

Mittels eines Brotmessers soll der mutmaßliche Täter zwei Freunde unvermittelt ins Gesicht und mehrfach in den Nacken gestochen haben. Der Angeklagte schweigt zu den Tatvorwürfen.

Der 39- jährige Rahdener wurde von zwei Justizbeamten und in Begleitung seines Verteidigers aus der Untersuchungshaft in den Sitzungssaal geführt. Neben dem Staatsanwalt sind drei Geschädigte als Nebenkläger am Prozess beteiligt. Sie sagten als Zeugen aus.

Am Abend des 31. Juli 2020 soll der mutmaßliche Täter mit einem weiteren Bekannten einen Freund in dessen Wohnung in Rahden besucht haben. Zunächst habe man ein geselliges Treffen verbracht, bis der Angeklagte im Lauf der Stunden ohne erkennbaren Grund ein Brotmesser aus der Küche geholt und mit diesem die Freunde attackiert haben soll. Laut Anklage habe er dabei mit der langen Klinge des Messers in das Gesicht des einen Freundes gestochen, bevor er mit demselben Messer zwei Mal in den Nacken des anderen stach. Nach eigenen Angaben habe der Freund im Augenblick vor der Messerattacke nach unten geschaut, da der Angeklagte Geldscheine auf den Tisch gelegt habe. Während sich der Gastgeber mit blutender Wunde auf den Balkon rettete, soll es dem anderen verletzten Freund gelungen sein, dem Angreifer in einer Rangelei das Messer abzunehmen. Im Gemenge soll der Angeklagte gesagt haben, ein „Eugen“ habe ihm erzählt, der anwesende Freund wolle ihn töten.

Laut Anklage und Zeugenaussage soll der mutmaßliche Täter erneut ein Messer aus der Küche ergriffen, weitere Gewalttaten aber unterlassen haben. „Du weißt warum“ soll der Angeklagte beim Verlassen der Wohnung gesagt haben und dann mit dem Messer bewaffnet zu seiner Wohnanschrift nach Rahden geflohen sein und bei seinem Nachbarn geklingelt haben. Nachdem dieser ihm den Zutritt verweigerte, habe der Angeklagte seinen Nachbarn bespuckt und mit dem Messer zwei Mal vergeblich in Richtung dessen Bauches gezielt. Mittels seines Gehstockes soll sich der Nachbar vor weiteren Angriffen habe verteidigen können.

Auf Nachfrage des Richters schweigt der Angeklagte bisher zu den Tatvorwürfen. Sein Verteidiger erklärte, man wolle zunächst die Zeugenaussagen abwarten, bevor man sich zur Sache einlasse.

Nach Zeugenaussage eines der Freunde sollen die Treffen der Männer keine Seltenheit gewesen sein. „Wir kennen uns über 5 Jahre“, schilderte einer der Zeugen. Es habe sich eine Freundschaft entwickelt. Fast täglich sollen sich die Männer getroffen haben, um gemeinsam fernzusehen. Noch kurz vor der Tat, soll der Angeklagte den Geschädigten sogar als seinen „beste(n) Freund“ bezeichnet haben.

Auch fragte das Gericht immer wieder nach dem Konsum von Drogen. Nach Auskunft des Gastgebers soll es am Abend der Zusammenkunft nicht zur Einnahme von Betäubungsmitteln gekommen sein. Eine langjährige Drogenvergangenheit seit dem Teenageralter des 39-jährigen Mannes war Anlass des gerichtlichen Interesses.

Laut des Gutachtens einer Sachverständigen, könnte dem Angeklagten vor diesem Hintergrund eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt drohen.

Seit dem 31. Juli 2020 befindet sich der Angeklagte in der JVA Brackwede. Bis Anfang Februar sollen weitere Prozesstermine einschließlich der Plädoyers aller Verfahrensbeteiligter folgen.

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