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Ein Stemweder steht wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Rahdener Amtsgericht

Wehe, wenn der Kleine Waffenschein fehlt

Stemwede/Rahden (WB)

Dass es alles andere als ein Kavaliersdelikt ist, eine Schreckschusswaffe mit sich zu führen, ohne den dafür erforderlichen Kleinen Waffenschein zu besitzen, hat ein Stemweder vor dem Amtsgericht Rahden erfahren.

Dieter Wehbrink

Ein Händler zeigt in seinem Waffengeschäft eine Schreckschusspistole vom Typ Walther P88 Compact Kaliber 9mm PAK. Foto: dpa/Uli Deck

Der 23-Jährige war im April 2020 im Dielinger Koppelweg von einer Polizeistreife kontrolliert worden. In seinem Rucksack fanden die Beamten eben diese besagte Schreckschusspistole und ein Messer. Obwohl der Stemweder damals keine Schreckschussmunition dabei hatte, musste er sich am Dienstag vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: „Verstoß gegen das Waffengesetz“.

Der Anwalt des Angeklagten erzählte die Geschichte aus Sicht seines Mandanten. Der Jurist räumte ein, dass es für diese Pistole keine waffenrechtliche Erlaubnis gegeben habe. Allerdings sei sein Mandant nicht der Besitzer der Waffe, sondern dessen Bruder. Dieser habe die Waffe einem „Kumpel gegeben, der sie für Silvester benötigt hat“. Sein Mandant habe lediglich den Auftrag bekommen, die Pistole „zurück zum Bruder zu transportieren“. Die Waffe sei weder geladen gewesen, noch habe der „Transporteur“ Munition bei sich gehabt.

Dann räumte der Anwalt ein, dass sein Mandant wegen eines Betäubungsmitteldeliktes von einem Diepholzer Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden sei. Deshalb hätten ihn die Polizisten in Dielingen wohl auch kontrolliert – insbesondere den Rucksack, den sie wahrscheinlich auf Drogen hätten untersuchen wollen.

Die Prognose für einen weiteren straffreien Lebensverlauf seines Mandanten sei aber gut. Der Stemweder habe im Zuge des Drogendeliktes damals in einer – mittlerweile wieder ausgeräumten – Beziehungskrise gesteckt (die Freundin saß gestern als Zuhörerin im Gerichtssaal). Sein Mandant werde von den Eltern unterstützt, habe eine feste Arbeit und strebe demnächst eine Berufsausbildung an.

Die Bedenken von Richterin Mothes, die Schreckschusswaffe sei im Rucksack doch relativ schnell greifbar gewesen, wies der Anwalt zurück: „Die Pistole steckte nicht in einem Halfter, war nicht geladen und es gab auch keine Munition. Wie sonst als in einem Rucksack sollte man so eine Pistole transportieren?“

Der Rechtsbeistand regte an, über eine Einstellung des Verfahrens nachzudenken. Doch hier gab sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft zunächst unsicher. „Mein Ausbilder hat mir bei der Vorbereitung dieser Verhandlung gesagt, dass eine Einstellung wohl nicht in Frage komme. Ich muss erst mit ihm telefonieren“. Der Jurist entschwand kurz in einen Nebenraum. Als er zurück kam, nickte er dem Anwalt und der Richterin zu. Darauf hin wurde das Verfahren eingestellt. Hilfreich war dafür wohl auch das freiwillige Zugeständnis des Angeklagten, dass sowohl die Schreckschusspistole und das im Rucksack gefundene Messer („Das brauche ich beruflich, damit schneide ich Bänder durch“) eingezogen wurden.

Wer in NRW einen Kleinen Waffenschein (zum Führen einer Schreckschusswaffe außerhalb der eigenen Wohnung) beantragen möchte, muss sich an die Kreispolizeibehörde wenden. Die Polizei appelliert allerdings an die Bürger, sich diesen Schritt genau zu überlegen (siehe Info-Kasten).

„Für das Aufbewahren einer Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffe in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück ist keine waffenrechtliche Erlaubnis (Kleiner Waffenschein) erforderlich, ebenso nicht für den einmaligen Transport der ungeladenen Waffe nach dem Kauf zur eigenen Wohnung“, schreibt die NRW-Polizei auf ihrer Homepage.

Voraussetzung für den Kleinen Waffenschein ist die Vollendung des 18. Lebensjahres. „Genau wie bei der Prüfung anderer waffenrechtlicher Erlaubnisse werden zusätzlich die Zuverlässigkeit des Antragstellers sowie seine persönliche Eignung zum Führen einer Waffe geprüft“, schreibt die Polizei. Sie holt dazu Auskünfte aus dem Bundeszentralregister, dem Staatsanwaltschaftlichen Verzeichnis sowie aus anderen polizeilichen Systemen ein. Für die Beantragung eines Kleinen Waffenscheins entsteht eine Verwaltungsgebühr von derzeit 90 Euro.

Der Kleine Waffenschein berechtigt nur in Verbindung mit dem Personalausweis zum Führen einer Schreckschusswaffe. Polizisten oder zur Personenkontrolle Befugten sind diese Urkunden auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen.

Gefahr von Schreckschusswaffen

„Vor der Beantragung eines Kleinen Waffenscheins oder dem Erwerb einer Gas-, Schreckschuss- oder Signalwaffe sollten Sie sich fragen, ob Sie eine solche Waffe wirklich benötigen oder auch in der Öffentlichkeit tragen wollen“, warnt die Polizei. „Denn das Mitführen bringt erhebliche Gefahren mit sich. Der Träger ist sich dessen oft nicht bewusst.“Die genannten Waffen sehen zumeist wie scharfe Waffen aus. „Häufig sind sie nicht von solchen zu unterscheiden, wodurch es unter Umständen zu einem unkontrollierten Handeln bei Außenstehenden kommen kann“, schreibt die Polizei.„Ungeübte Waffenträger können sich in extremen Stresssituationen selbst gefährden oder Unbeteiligte verletzen, aus nächster Distanz können sie sogar lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen.“Wichtig zu wissen: Das Mitführen solcher Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen (etwa bei Demonstrationen, Versammlungen, Sportereignissen, Theater-, Kino-, oder Konzertbesuchen) ist grundsätzlich verboten. Entgegen weitläufiger Meinung ist es ebenso verboten, damit an Silvester/Neujahr zu schießen – schon gar nicht mit pyrotechnischer Munition.

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