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Hobbyforscher Robbert Verkerk besichtigt auch Leverns Wahrzeichen

8000 Mühlen in 23 Ländern besucht

Levern/Arnheim (WB). Leverns Mühlenvereinsvorsitzender Friedrich Klanke hat eine E-Mail aus den Niederlanden bekommen, die sofort sein Interesse geweckt hat: „Mein Name ist Robbert Verkerk. Ich wohne in der Nähe von Arnheim, bin seit 1981 Hobbymüller sowie seit 1989 Mitglied der T.I.M.S. (The International Molinologica Society) und als Mühlenforscher aktiv“, schrieb der Verfasser nach Stemwede.

Robbert Verkerk ist mit seiner Frau ist Sytske und Sohn Halke-Syste nach Levern gereist, um die dortige Sechskantmühle zu vermessen. Friedrich Klanke (rechts) hat sich über den Besuch gefreut. Foto:

Verkerk beschäftigt sich derzeit – nach Forschungsarbeiten an zwei Mühlen in Frankreich und Studien von Gezeitenmühlen an europäischen Küsten und Mühlen in den Niederlanden – vergleichend europaweit mit der Konstruktion von Sechskantmühlen. Und eine Mühle dieser Bauweise steht bekanntlich auch in Levern. Der Niederländer bat Klanke um eine Verabredung und einen Ortstermin, um die Mühle vermessen und fotografisch dokumentieren zu können.

Vermessung

„Schnell war ein passender Termin gefunden, und da es sich bei unserer Kolthoff’schen Hofmahlmühle um die kleinste und einzige historische Sechskantmühle im Mühlenkreis Minden-Lübbecke handelt, nahm die Vermessung auch nicht mehr als gut eine Stunde Zeit in Anspruch“, berichtet der Vereinsvorsitzende.

Robbert Verkerk betreibt seit 40 Jahren das zeitintensive Hobby Mühlenforschung. Seine Ehefrau Sytske teilt dieses Interesse und ist nach erfolgreicher Prüfung seit 1998 Hobbymüllerin. Die Familie – mit nach Levern gereist war auch der 13-jährige Sohn Halke-Syste – nutzte in der Coronazeit ihren Urlaub für Besichtigungen und Vermessungen von Sechskantwindmühlen.

„Nach den bisherigen Recherchen von Robbert Verkerk gibt es in Europa 21 Mühlen dieser Art. Die meisten von ihnen – acht an der Zahl – stehen in Holland, gefolgt von Deutschland mit fünf“, sagt Friedrich Klanke. Gemeinsam mit seiner Frau Karin stellte er den Besuchern während eines Rundgangs auch den historischen Ortskern Leverns vor.

Galerie-Holländermühlen

Die gemeinsame Mittagspause bot Zeit und Gelegenheit dazu, sich unter Gleichgesinnten über Besonderheiten der Mühlentechnik und deren Entwicklung über Jahrtausende hinweg zu unterhalten. „Sie gestaltete sich je nach Region und Gegebenheiten recht unterschiedlich, weist aber länderübergreifend auch Gemeinsamkeiten auf“, sagt Klanke. „Die Bauweise der Galerie-Holländermühlen löste bei uns im heimischen Raum die zunächst stärker verbreiteten Bockwindmühlen immer mehr ab. Robbert Verkerk wusste in diesem Zusammenhang über interessante Erkenntnisse und Forschungsinhalte zu berichten.“

Der Niederländer hat inzwischen rund 8000 Mühlen in 23 europäischen Ländern besucht. Hinzu kommen Mühlen in Amerika und 88 historische Mühlen im Iran, wobei sich dort an einem Ort allein 25 befinden. Verkerk ist als Ingenieur beruflich weltweit in Sachen Aufstellung und Wartung von Gasturbinen im Einsatz. Seine arbeitsfreie Zeit widmet er seiner Mühlen-Leidenschaft.

Friedrich Klanke berichtete den Gästen von der Versetzung der Leverner Mühle vor 40 Jahren. Vom früheren Hofgelände Kolthoff im Nachbarort Niedermehnen kam sie damals in den Stiftsort. „Bei dem Erbauer der kleinen Windmühle, der sie im Jahr 1922 errichtete, muss es sich um einen echten Fan gehandelt haben, da zu dieser Zeit auch die kleineren Orte bereits mit Strom versorgt wurden“, meint der Mühlenvereinsvorsitzende.

Verfall und Abriss

Es seien glückliche Umstände gewesen, die dazu verholfen hätten, dass es 1979/1980 in letzter Minute gelang, die von Verfall und Abriss bedrohte Windmühle in Niedermehnen zu erhalten. Durch die Umsetzung und umfassende Restaurierung konnte sie für kommende Generationen bewahrt werden. Der heutige Standort in Levern sei damals vor allem deswegen ausgewählt worden, um den alten Baumbestand zu erhalten, der aufgrund der neuen Flächenzuteilung und der Begradigung des dortigen Gemeindeweges im Ortsteil Imlage gerodet werden sollte. „Die Bäume, besonders die Eichen mit ihren mächtigen Kronen, schwächen je nach Windrichtung häufig den Wind ab oder verwirbeln ihn“, erläuterte Klanke den niederländischen Gästen. „Bei der Standortwahl war aber die Mahlleistung kein Kriterium. Andere Gesichtspunkte standen im Vordergrund, vor allem auch Fragen der Besucherattraktivität.“ Nicht nur an sonnigen Tagen würden die Tische und Bänke im Schatten der großen Bäume von den Besuchern, darunter viele Radfahrgruppen, gerne für eine Rast genutzt.

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